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127. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

20.04. - 23.04.2010, Berlin

Kosten und Effektivität von Wundspülungen und Spül-Saug-Drainagen bei kritischer Wundinfektion

Meeting Abstract

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  • Farzin Nourbakhsh - Markus-Krankenhaus Frankfurt am Main, Klinik für Plastische Chirurgie, Wiederherstellungs- und Handchirurgie, Frankfurt am Main, Deutschland
  • Klaus Exner - St. Markus-Krankenhaus, Plastische Chirurgie, Wiederherstellungs- und Handchirurgie, Frankfurt, Deutschland
  • Oliver Wingenbach - Markus-Krankenhaus, Plastische Chirurgie, Wiederherstellungs- und Handchirurgie, Frankfurt, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 127. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 20.-23.04.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10dgch474

DOI: 10.3205/10dgch474, URN: urn:nbn:de:0183-10dgch4742

Published: May 17, 2010

© 2010 Nourbakhsh et al.
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Einleitung: Die Behandlung komplexer infizierter Wunden ist wegen ihres Resourcenverbrauches ein Brennpunkt der gesundheitsökonomischen Diskussion.Polihexanid und Octenidin verursachen hohe Kosten und Nebenwirkungen. Polihexanid ist für Spülungen bei Gelenken, Peritoneum und ZNS unzulässig. Die zytotoxische Wirkung von Octenidin führt zu interstitiellen Ödemen. Bei kritischer Kolonisation mit Pseudomonas oder Enterokokken zeigte Lavanid und Octenisept in einer Studie auch nach 14 Tagen keine ausreichende Wirkung. Essigsäure 2% führte zu einer bakteriellen Dekontamination innerhalb von 5-7 Tagen. Bei periprothetischen Infektionen von Gelenkendoprothesen oder Mammaimplantaten sind Polihexanid oder Octenidin kontraindiziert. Chirurgische Sanierung, systemische Antibiose und topische Therapie mit Gentamycin oder Teicoplanin über eine Spül-Saug-Drainage ist eine zielführende Strategie.

Material und Methoden: Bei periprothetischer Infektion von Silikonimplantaten wurde der Erhalt des Implantates in situ durch standardisierte Therapie mit Implantatwechsel und topischer Antibiose über eine Spül-Saug-Drainage geprüft. Die Wirksamkeit von Essigsäure 2% bei chronischen Defektwunden des Thorax mit Sternumosteitis nach kardiochirurgischer Thorakotomie wurde bei 37 Patienten mit kritischer Kolonisation durch Pseudomonas oder Enterokokken in einem standardisierten „wound care protocol“ geprüft.

Ergebnisse: Von 74 kontaminierten Silikonimplantaten konnten 89,2% mit 5 tägiger Gentamycin- oder Teicoplanin-Spülung saniert und in situ erhalten werden. Von 37 Fällen mit Sternumosteitis zeigte sich nach einer durchschnittlich 7 tägigen antiseptischen Behandlung mit Essigsäure 2% eine vollständige bakterielle Dekontamination. Die Defektdeckung erfolgte durch lokale oder mikrochirurgischen Lappenplastiken.

Schlussfolgerung: Die Behandlung mit Essigsäure 2% bei Pseudomonas oder Enterokokken ist sinnvoll und kostengünstig. Ihr Einsatz bei weiteren Indikationen ist zu prüfen. Bezüglich Mindesteinwirkzeit und Zytotoxizität sind kostspielige Antiseptika auf ihre Effektivität bei Wundspülungen zu hinterfragen.