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127. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

20.04. - 23.04.2010, Berlin

Ist die radikale Lymphdissektion beim Kolonkarzinom nachteilig für den Patienten?

Meeting Abstract

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  • Klaus Weber - Universitätsklinikum Erlangen, Allgemein- und Visceralchirurgie, Erlangen, Deutschland
  • Susanne Merkel - Universitätsklinikum Erlangen, Klinik für Plastische und Handchirurgie, Erlangen, Deutschland
  • Werner Hohenberger - Universitätsklinikum Erlangen, Allgemein- und Visceralchirurgie, Erlangen, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 127. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 20.-23.04.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10dgch045

DOI: 10.3205/10dgch045, URN: urn:nbn:de:0183-10dgch0456

Published: May 17, 2010

© 2010 Weber et al.
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Einleitung: Die Diskussion um die Sinnhaftigkeit einer radikalen Lymphdissektion bei soliden Tumoren wurde in der Öffentlichkeit angeheizt durch den Artikel „Sinnloser Kahlschlag“ im SPIEGEL 20/2009, in dem der Nutzen einer radikalen Lymphdissektion im Allgemeinen bestritten und Nachteile dieses Vorgehens für den Patienten herausgehoben wurden. Anhand der Analyse unserer Patientendaten wollten wir klären, inwieweit diese provokanten Aussagen für Patienten mit Kolonkarzinomen zutreffen.

Material und Methoden: Die Daten von 633 Pat. mit Kolonca. ohne Fernmetastasen bei kurativer Resektion im Zeitraum 1995–2004 wurden prospektiv erhoben. Der Zeitraum wurde geteilt analysiert, die Ergebnisse mit entsprechenden früheren Zeitperioden verglichen. Die Nachbeobachtungszeit betrug mind. 5 Jahre.

Ergebnisse: Bei einer Lokalrezidivrate von 3,9% im Zeitraum 1995-99 erreichten wir eine krebsbezogene 5-Jahres-Überlebensrate von 87,2%. Von 2000–04 sahen wir eine Verbesserung auf 90,2% bei 3,2% Lokalrezidiven. Allein im Stadium III zeigte sich eine Verbesserung der 5-J-ÜR von 73,7 % auf 81,8%. Im Vergleich zu früheren Daten zeigte sich im jüngsten Zeitraum bei Halbierung der Lokalrezidivrate eine Verbesserung des 5-Jahres-Überlebens von 8% bei Stadium I–III, im Stadium III separat betrachtet von 20%.

Schlussfolgerung: Ab 1995 führten wir in unserer Klinik konsequent das Prinzip der kompletten mesokolischen Excision (CME) beim Kolonkarzinom ein, welches durch Orientierung an anatomischen Schichten und zentraler Gefäßabsetzung eine maximale Radikalität der Lymphdissektion beinhaltet. Der Nutzen für den Patienten zeigte sich eindeutig in einer Verbesserung der Überlebensraten bei Verminderung der Lokalrezidive. Verschlechterungen in der Mortalität und Morbidität ergaben sich durch die Erhöhung der Radikalität nicht. Den provokanten Aussagen in der Presse muss im Falle des Kolonkarzinoms demnach energisch widersprochen werden.