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126. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

28.04. - 01.05.2009, München

Bedeutung des MICA-Immunstatus für Patienten mit fortgeschritten invasiven kolorektalen Karzinomen

Meeting Abstract

  • corresponding author R. Kopp - Chirurgische Klinik, Klinikum Großhadern, LMU München
  • J. Glas - Institut für Anthropologie und Immungenetik, LMU München
  • U. Lau-Werner - Chirurgische Klinik, Klinikum Großhadern, LMU München
  • H. Hornung - Chirurgische Klinik, Klinikum Großhadern, LMU München
  • E. Albert - Institut für Anthropologie und Immungenetik, LMU München
  • E. Weiss - Institut für Anthropologie und Immungenetik, LMU München

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 126. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 28.04.-01.05.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09dgch11425

DOI: 10.3205/09dgch561, URN: urn:nbn:de:0183-09dgch5611

Published: April 23, 2009

© 2009 Kopp et al.
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Einleitung: MICA und MICB Allele gehören zu den MHC Klasse I Molekülen im Bereich der HLA-B Region. MICA und MICB Moleküle werden durch gamma/delta T-Lymphozyten und NK-Zellen erkannt, binden an NKG2D Rezeptoren und vermitteln Antitumor-Immunität durch Aktivierung von NK-Zellen und CD8+ T-Zellen. Die vermehrte Expression und Bindung von tumor-assoziierten löslichen MICA/MICB Molekülen an NKG2D Rezeptoren kann aber auch eine Inaktiverung der Immunabwehr bewirken (tumor-escape). Die Bedeutung des immungenetischen MICA-Allelnachweises für Patienten mit fortgeschritten invasiven kolorektalen Karzinom (T3/T4 Tumore) ist bisher nicht bekannt.

Material und Methoden: MICA und MICB Allele gehören zu den MHC Klasse I Molekülen im Bereich der HLA-B Region. MICA und MICB Moleküle werden durch gamma/delta T-Lymphozyten und NK-Zellen erkannt, binden an NKG2D Rezeptoren und vermitteln Antitumor-Immunität durch Aktivierung von NK-Zellen und CD8+ T-Zellen. Die vermehrte Expression und Bindung von tumor-assoziierten löslichen MICA/MICB Molekülen an NKG2D Rezeptoren kann aber auch eine Inaktiverung der Immunabwehr bewirken (tumor-escape). Die Bedeutung des immungenetischen MICA-Allelnachweises für Patienten mit fortgeschritten invasiven kolorektalen Karzinom (T3/T4 Tumore) ist bisher nicht bekannt. Es wurden die Allelfrequenzen der MICA Polymorphismen (5 Allele) in 58 Patienten mit kolorektalen Karzinomen untersucht. Die Analyse der Polymorphismen erfolgte durch PCR-Amplification und Sequenzierung der erhaltenen Fragmente. Zusätzlich wurden in 68 Patienten Marker der Mikrosatelliteninstabilität (MIN) im Tumor (BAT 26, BAT 40, Mfd15, TGFßRII, BAX) untersucht und K-ras Mutationen (codon 12; RFLP, Sequenzierung) nachgewiesen.

Ergebnisse: Die Bestimmung der MICA Allele zeigte bei Patienten mit invasiven T3/T4 Karzinomen eine Zunahme des MICA A4 Haplotyp-Nachweises von 15 % auf 24 %. Der MICA A5 Haplotyp war signifikant invers mit dem positiven Lymphknotenstatus (N+ vs N-: 39 % vs 4.3 %; p=0.004) und dem UICC Stadium korreliert (UICC I/II vs UICC III/IV: 38 % vs 7.6 %; p=0.011). Patienten mit invasiven T3/T4 Karzinomen und positivem MICA A4 Allel Nachweis zeigten ein signifikant schlechteres Überleben (A4 pos vs A4 neg; p=0.008), sowohl in der univariaten als auch in der multivariaten Analyse (A4 pos: p=0.027; N+: p=0.045). Der Nachweis von k-ras Mutationen, BAX, TFGßRII oder MIN war nicht mit der Tumorprogression assoziiert.

Schlussfolgerung: Die Ergebnisse zeigen eine Assoziation des MICA4 Allel-Nachweises mit der Tumorprogression invasiver kolorektaler Karzinome im Sinne einer prognostisch relevanten immungenetischen Disposition.