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126. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

28.04. - 01.05.2009, München

Kontralaterale Leistenhernien im Kindes- und Jugendalter – Welches Kind entwickelt eine kontralaterale Hernie und welches nicht?

Meeting Abstract

  • corresponding author G. Steinau - Chirurgische Universitätsklinik RWTH Aachen, Deutschland
  • P. Vaassen - Chirurgische Universitätsklinik RWTH Aachen, Deutschland
  • T. Wenzl - Universitätskinderklinik RWTH Aachen, Deutschland
  • V. Schumpelick - Chirurgische Universitätsklinik RWTH Aachen, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 126. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 28.04.-01.05.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09dgch10837

DOI: 10.3205/09dgch370, URN: urn:nbn:de:0183-09dgch3701

Published: April 23, 2009

© 2009 Steinau et al.
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Text

Einleitung: Die Indikation zur Exploration der kontralateralen Seite bei Vorliegen einer einseitigen Leistenhernie im Kindesalter wird kontrovers diskutiert In einer dreijährigen prospektiven Studie sind wir der Frage nachgegangen, welches Kind eine kontralaterale Hernie entwickelt und welches nicht. Ziel der Untersuchung war es Risikofaktoren aufzuzeigen, die zur Ausbildung einer kontralateralen Hernie prädisponieren und daraus eine Therapieempfehlung abzuleiten.

Material und Methoden: In dem Zeitraum vom 01.01.2000– 31.12.2003 sind prospektiv alle Kinder ausgewertet worden, die an einer Leistenhernie operiert worden sind. Folgende Merkmale wurden erfasst: Geschlecht und Seitenverteilung, Verhältnis rechts- zu linksseitiger kontralateraler Seite der Hernie, Alter bei Erstoperation, Zeitspanne zwischen Erst- und Zweitoperation, Inkarzeration, Geburtsgewicht, Gestationsalter und Begleiterkrankungen. Ausgeschlossen wurden Kinder mit pimär beidseitigen Hernien(n = 39).

Ergebnisse: Insgesamt wurden 368 Kinder (278 Jungen und 90 Mädchen) im fraglichen Zeitraum herniotomiert. Dies entspricht in etwa einem Verhältnis von 3:1. In 22 (6,0%) Fällen (20 Jungen und 2 Mädchen) musste später eine kontralaterale Hernie versorgt werden. Dies entspricht einem Verhältnis von männlich:weiblich von 20:2. Der Median für das Operationsalter beträgt 47,5 Tage, d.h. 16 Kinder (72,7%) waren jünger als 2 Monate bei der Erstoperation, 3 (13,6%) waren zwischen 2–4 Monate alt und 3 (13,6%) waren zum Zeitpunkt der Herniotomie zwischen 1 und 2 Jahre alt. Der jüngste Patient war 11 Tage alt, der Älteste 15 Jahre und 3 Monate. Als ein Risikofaktor zur Ausbildung einer kontralateralen Leistenhernie wurde das Alter der Kinder bei Erstoperation gefunden. Lag das Alter unter 2 Monate so bestand eine hochsignifikante Häufung (p < 0,0001) für das Auftreten eines späteren Bruches auf der Gegenseite. Diese Brüche treten mit einer signifikanten Häufigkeit (p < 0,0009)innerhalb der ersten beiden postoperativen Monate auf.

Schlussfolgerung: Eine signifikante Tendenz zur kontralateralen Hernie zeigte sich bei männlichen und weiblichen Kindern bezüglich des Alters bei Erstoperation. Es bestand eine Häufung kontralateraler Brüche mit p < 0,0001 in den ersten beiden Lebensmonaten. Bedingt durch das vermehrte Auftreten von kontralateralen Hernien bei Kindern, die bei der Erstoperation < 2 Monate sind, sehen wir eine Indikation zur simultanen Exploration. Liegen zusätzliche prädisponierende Risikofaktoren oder Begleiterkrankungen vor, so sehen wir eine gesicherte Indikation für die simultane beidseitige Herniotomie.