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126. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

28.04. - 01.05.2009, München

Rekonstruktionsmöglichkeiten nach Tumorresektionen am Ohr. Eine retrospektive Studie von 40 Fällen

Meeting Abstract

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  • corresponding author C. Kaessmann - Klinik für Plastische-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Markus Krankenhaus, Frankfurt/Main
  • T. Gohla - Klinik für Plastische-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Markus Krankenhaus, Frankfurt/Main
  • C. Domke - Klinik für Plastische-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Markus Krankenhaus, Frankfurt/Main
  • K. Exner - Klinik für Plastische-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Markus Krankenhaus, Frankfurt/Main

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 126. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 28.04.-01.05.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09dgch11536

DOI: 10.3205/09dgch305, URN: urn:nbn:de:0183-09dgch3050

Published: April 23, 2009

© 2009 Kaessmann et al.
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Einleitung: Der Anteil der Tumoren im Bereich der Ohrmuschel aufgrund zunehmender Sonnenexposition ist groß. So befinden sich allein etwas mehr als zehn Prozent aller Basaliome am Ohr. Aufgrund der komplexen Anatomie und exponierten Lage stellt die plastisch-chirurgische Ohrrekonstruktion nach Tumorresektion hohe Ansprüche. Ziel dieser Arbeit ist es, anhand von 40 Fällen aus unserer Klinik eine Strategie im Sinne der rekonstruktiven Leiter zur Defektdeckung in dieser speziellen anatomischen Region vorzustellen.

Material und Methoden: Von Januar 2006 bis Dezember 2007 wurden 35Patienten mit Ohrtumoren chirurgisch behandelt. Die Krankenakten wurden retrospektiv bezüglich demographischer und histopathologischer Daten, sowie Tumorlokalisation und Anzahl der Eingriffe bis zum definitiven Defektverschluss ausgewertet und die angewandte Rekonstruktionstechnik analysiert. Die Nachuntersuchung erfasste Dauer der Rezidivfreiheit, funktionelles und ästhetisches Ergebnis, Komplikationen, Korrektureingriffe sowie subjektive Patientenzufriedenheit.

Ergebnisse: Das Patientenalter lag im Durchschnitt bei 64 Jahren (13–93 Jahre). Bei den 35 Patienten (12 weiblich und 27 männlich) traten verschiedene Tumoren auf. Histopathologisch vorherrschend waren die Basaliome (9 solide, 6 sklerodermiforme, 1 exulzeriertes, 1 follikuläres). Daneben traten 6 Plattenepithelkarzinome und diverse weitere Tumore wie M. Bowen, Kaposi-Sarkom, Sarkoidoseknoten u.a. auf. Die Tumoren waren in 20 Fällen links, in 14 Fällen rechts und in 3 Fällen beidseits lokalisiert. Histologisch gesicherte Tumorfreiheit und ein funktionell-ästhetisch gutes Resultat konnte bei 20 Patienten mit nur einem Eingriff erreicht werden, bei 12 Patienten erforderte dies zwei und bei 7 Patienten drei oder mehr Eingriffe. Bei 13 Patienten gelang ein Direktverschluss. In 4 Fällen wurde eine Vollhauttransplantation von retroaurikulär oder aus der Halsregion gewählt, in zwei Fällen Spalthaut. Keilexzisionen wurden in 8 Fällen durchgeführt. Transpositionslappenplastiken, inklusive retroaurikuläre Durchzugslappen und Brückenlappenplastiken, wurden in 15 Fällen angewandt. Postoperative Komplikationen waren bei einem Patienten eine Lappeninfektionen im Bereich der Empfängerstelle mit mehrfachen Revisionen, Lappenteilverlust und Sekundärheilung. Bei einem zweiten Patienten kam es zu einer Knorpeldislokation an der Helix mit Revisionsoperation. Bei zwei weiteren Patientinnen kam es zu einer Nahtdehiszenz nach einer Nachblutung welche eine Sekundärnaht notwendig machte. Die abschließende Evaluation des Therapieergebnisses hinsichtlich Patientenzufriedenheit und ästhetischem Resultat ergab in 94% der Fälle sehr gute bis gute, in 3% befriedigende und in 3% schlechte Ergebnisse.

Schlussfolgerung: Das Ohr stellt aufgrund seiner komplexen Struktur besondere Anforderungen an eine chirurgische Rekonstruktion, die die technische Beherrschung aller rekonstruktiven Verfahren erfordert, um ein gutes funktionelles und ästhetische Resultat zu erreichen. Hierbei sollte die rekonstruktive Leiter berücksichtigt werden. Die vollständige Beseitigung des Tumors steht bei der chirurgischen Therapieplanung im Vordergrund. Ein mehrzeitiges Vorgehen gewährt maximale Sicherheit für den Patienten und bietet dem Chirurgen Zeit die bestmögliche Option für den Defektverschluss zu evaluieren. Dieses Vorgehen hat bei den Patienten eine hohe Akzeptanz und verlängert bei schneller pathologischer Aufarbeitung den Aufenthalt nur geringfügig. Um unnötige Folgeeingriffe für den Patienten zu vermeiden, sollten Patienten mit unklaren Prozessen am Ohr bereits primär an Kliniken überwiesen werden, die sowohl über die chirurgische Expertise als auch über geeignete Pathologen zur schnellen Sicherung der histologischen Tumorfreiheit verfügen.Es gibt viele rekonstruktionsmöglichkeiten zur Defektdeckung am Ohr. Die Verfahren zur plastischen Deckung bei Tumoren am Ohr richten sich nach Faktoren wie Lokalisation, Größe und Tiefe des Defekts sowie Beschaffenheit und Verfügbarkeit des umliegenden Gewebes einerseits und der Erfahrung des Chirurgen mit den verschiedenen Rekonstruktionsverfahren andererseits. Viele Tumoren lassen sich nach Exzision primär verschliessen. Ist ein mehrzeitiges Vorgehen indiziert, bietet dies maximale Sicherheit bei hoher Patientenakzeptanz und Zeit die bestmögliche Therapieoption zu evaluieren.