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126. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

28.04. - 01.05.2009, München

Häufigkeit und Ursachen von Ulcus-Perforationen nach Adipositas-chirurgischen-Eingriffen – Analyse eines Patientengutes von 3.448 Patienten

Meeting Abstract

  • O. Scheffel - Chirurgische Klinik, Krankenhaus Sachsenhausen, Frankfurt a.Main, Deutschland
  • S. Theodoridou - Chirurgische Klinik, Krankenhaus Sachsenhausen, Frankfurt a.Main, Deutschland
  • M. Daskalakis - Chirurgische Klinik, Universität Heraklion, Griechenland
  • S. Weiner - Chirurgische Klinik, Krankenhaus Sachsenhausen, Frankfurt a.Main, Deutschland
  • corresponding author R. Weiner - Chirurgische Klinik, Krankenhaus Sachsenhausen, Frankfurt a.Main, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 126. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 28.04.-01.05.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09dgch10771

DOI: 10.3205/09dgch004, URN: urn:nbn:de:0183-09dgch0040

Published: April 23, 2009

© 2009 Scheffel et al.
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Einleitung: Marginale Ulcera (MU) sind eine bekannte Komplikation nach Magenbypass-Operationen und anderen Verfahren. Selten kommt es jedoch zu Perforationen des Ulcus. Dies geschieht nicht wenn die allgemeinen Richtlinien für die post-operative Ernährungs- und Lebensweise von den Patienten eingehalten werden. Die Ergebnisse der eigenen Nachuntersuchungen von 3.448 Patienten im eigenen Krankengut sollen die Fragen beantworten, wie hoch die Häufigkeit einer schweren Komplikation ist und welche Ursachen für das Auftreten der Perforation verantwortlich sind.

Material und Methoden: In der konsequenten prä- und postoperativen Diagnostik von Patienten vor und nach Adipositaschirurgie wurden 3.448 Patienten erfasst. Insgesamt wurden 5 Patienten mit freien Ulcus-Perforationen aus dem eigenen Krankengut erfasst. Weiterhin wurde eine Patientin mit einer Vor-Operation in einem anderen Krankenhaus nach einer stattgefundenen Ulcus-Perforation operativ behandelt. In 3 Fällen einer Ulcus-Perforation nach proximalen RNYGB-Magenbypass, der zugleich eine optimale Anti-Reflux-Operation darstellt, wurden 3 Perforationen bei Frauen beobachtet, die hingegen den Empfehlungen sehr starke Raucherinnen (auch weiterhin post-operativ) waren. Ein Patient nach Banded-Magenbypass hatte eine Früh-Ulcus-Perforation innerhalb von 8 Stunden nach Einnahme von Aspirin (100 mg) und ein Patient hatte eine Ileum-Perforation nach BPD-DS 6 Stunden nach Einnahme von ASS.

Ergebnisse: Alle 6 Patienten wurden laparoskopisch behandelt (4 in domo), indem das Ulcus übernäht wurde. Alle Patienten waren sowohl beim primäreingriff als auch zum Zeitpunkt der Perforation Helicobacter-negativ. Postoperativ erfolgte eine medikamentöse Säurehemmung mit konsequenter Ausheilung der Ulceration. Rezidiv-Ulcera traten nicht auf. Bei den post-operativen Nachkontrollen von Patienten mit epigastrischen Beschwerden fanden wir in 124 Fällen 16 Ulcera, welches einen Prozentsatz von 12,9% der symptomatischen Patienten (einschließ der Perforationen) und 0,6% aller Patienten entspricht. Bei 14 dieser Patienten handelte es sich ebenfalls um Raucherinnen oder Patienten, die nicht steroidale-Antiphlogistika wegen Gelenkbeschwerden einnahmen. Bei 8 dieser Patientinnen trat die Ulceration rezidivierend auf, hormonaktive Tumoren konnten durch endokrinologische Diagnostik, CT und MRT weitgehend ausgeschlossen werden.

Schlussfolgerung: Die Einstellung des Nikotinabusus ist eine Grundvoraussetzung für die Durchführung von Magenbypass-Operationen.Grundsätzlich sollte bei allen Operationen mit Bypass des Magens (einschließlich des BPD und BPD-DS) die orale Einnahme von Aspirin und ASS-Präparaten strikt untersagt werden. Sie stellen eine potenzielle Komplikationsmöglichkeit dar, die zu lebensgefährlichen Perforationen des Dünndarms führen können. Patienten, die lebenslang ASS benötigen, sollten alternativ entweder mit einem Magenband oder einem Schlauchmagen behandelt werden. Nur durch die konsequente Vermeidung der potentiellen Risikofaktoren Rauchen und Einnahme von ASS und von NSAR lassen sich diese schweren Komplikationen einer Ulkusperforation vermeiden.

Abbildung 1 [Abb. 1]