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29. Jahrestagung der Deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung (DAV 2011)

12.01. - 15.01.2011, Grindelwald, Schweiz

Limitationen der modernen Verbrennungsmedizin bei hochprozentig verbrannten Patienten – ein Fallbeispiel

Meeting Abstract

  • T. Kremer - BG-Unfallklinik Ludwigshafen, Hand-, Plastische und Rekonstruktive Chirurgie, Schwerbrandverletztenzentrum, Ludwigshafen
  • T. Trupkovic - BG-Unfallklinik Ludwigshafen, Hand-, Plastische und Rekonstruktive Chirurgie, Schwerbrandverletztenzentrum, Ludwigshafen
  • M. Lehnhardt - BG-Unfallklinik Ludwigshafen, Hand-, Plastische und Rekonstruktive Chirurgie, Schwerbrandverletztenzentrum, Ludwigshafen
  • A. Daigeler - BG-Unfallklinik Ludwigshafen, Hand-, Plastische und Rekonstruktive Chirurgie, Schwerbrandverletztenzentrum, Ludwigshafen

DAV 2011. 29. Jahrestagung der Deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung. Grindelwald, Schweiz, 12.-15.01.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dav34

DOI: 10.3205/11dav34, URN: urn:nbn:de:0183-11dav347

Published: June 21, 2011

© 2011 Kremer et al.
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Hintergrund: Patienten mit thermischen Traumata von großen Anteilen der Körperoberfläche sind eine große therapeutische Herausforderung. Neben der intensivmedizinischen Betreuung und der möglichst frühen Nekrosektomie sind zahlreiche medizinische und logistische Probleme zu lösen, die vor allem auf die limitierten Spenderareale zur Defektrekonstruktion zurückzuführen sind. Eine optimale Therapie ist nur unter Einsatz maximaler Resourcen und des gesamten therapeutischen Armamentariums möglich.

Methoden: Ein 13-jähriger Junge verunglückte im Rahmen eines Hochspannungsunfalles auf einem Bahngelände und wurde nur verzögert gerettet. Bei Aufnahme im Verbrennungszentrum wurde das Verbrennungsausmaß auf 97% der Körperoberfläche eingeschätzt. Nach einer intensiven Debatte und Korrektur der Einschätzung des Verbrennungsausmaßes (85% KOF) wurde die Entscheidung zur maximalen Therapie gestellt. Innerhalb einer Woche wurde der Patient tracheotomiert und in drei Sitzungen vollständig nekrosektomiert. Die temporäre Defektdeckung erfolgte mittels allogener Haut, gleichzeitig wurde Haut zur Keratinozytenzüchtung gewonnen. Die Defektrekonstruktion erfolgte in insgesamt 10 Operationen. Die Deckung erfolgte mittels Meek-Transplantation (Arme), Integra mit Keratinozyten-Sheets am Rumpf und an den Beinen, Spalthaut-Meshes (1:3) und Spalthaut-Sheets (Gesicht). Zusätzlich erfolgte an der Stromeintrittsstelle am Kopf bei exponierter Dura mater eine Defektdeckung mittels eines freien Parascapularlappens.

Resultate: Initial zeigte sich ein sehr erfreulichem Verlauf mit schneller Stabilisierung des Patienten. Auch die stark erhöhten Muskelenzyme bei Stromdurchfluss normalisierten sich kontinuierlich. Problematisch zeigte sich die Defektdeckung. Nachdem in den ersten Sitzungen das Gesicht (Sheets zur Stirn), die Arme (Meek) und der Schädel (freier Lappen) gut rekonstruiert werden konnten, zeigte sich der weitere Verlauf der Rekonstruktion protrahiert. Die geplanten Transplantationen von Keratinozyten-Sheets mussten aufgrund von Kontaminationen und schlechtem Wachstumsverhalten mehrfach verschoben werden. Darüber hinaus zeigte sich trotz optimaler Vorbereitung des Wundgrundes mit Integra ein nicht zufriedenstellender Take der Transplantate, sodass Nachtransplantationen von Spalthaut mit entsprechend verzögerter Rehabilitation notwendig wurden. Derzeit befindet sich der Patient nach 100Tagen auf der Intensivstation in der Phase der Rehabilitation, die sich aufgrund des ausgeprägten Muskelverlustes ebenfalls erschwert zeigt.

Schlussfolgerung: Der beschriebene Fall zeigt trotz weitgehend optimaler Therapie ungelöste Probleme auf. Die initial zu hohe Einschätzung des Verbrennungsausmaßes hätte therapeutische Entscheidungen fehlleiten können. Darüber hinaus zeigte sich die Defektrekonstruktion trotz Einsatz aller therapeutischer Optionen verzögert und langwierig, was wiederum die funktionelle, soziale und berufliche Rehabilitation verzögert. Entscheidend ist hier auch eine optimale psychologische Betreuung des Patienten und seiner Angehörigen, um diesen Verlauf zu begleiten und zu vermitteln.