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28. Jahrestagung der Deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung (DAV 2010)

13.01. bis 16.01.2010, Schladming, Österreich

Surveillance nosokomialer Infektionen auf unserer Intensivbehandlungsstation für Schwerbrandverletzte

Meeting Abstract

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  • corresponding author Hans-Jörg Meinhold - BG-Unfallkrankenhaus Hamburg, Anästhesie, Intensiv- und Rettungsmedizin, Hamburg, Deutschland

DAV 2010. 28. Jahrestagung der Deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung. Schladming, Österreich, 13.-16.01.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10dav41

DOI: 10.3205/10dav41, URN: urn:nbn:de:0183-10dav414

Published: June 30, 2010

© 2010 Meinhold.
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Nosokomiale, also im Krankenhaus erworbene, Infektionen sind Komplikationen der stationären Behandlung, die insbesondere bei Intensivpatienten zu einem verlängerten stationären Aufenthalt, zu bleibender körperlicher Beeinträchtigung und im Endeffekt sogar zum Tode des Patienten führen können.

Seit dem 1.5.2008 werden auf unserer Intensivbehandlungsstation für Schwerbrandverletzte, anhand eines Auswertungsbogens und einer regelmäßigen 'Infektionsvisite', unter Einbeziehung der beratenden Mikrobiologin unseres Hauses, prospektiv nosokomiale Infektionen erfasst. Diese Erfassung betrifft alle Patienten, die auf unserer Intensivbehandlungsstation für Schwerbrandverletzte, unabhängig von der Dauer, behandelt werden.

Gemäß den Vorgaben des Nationalen Referenzzentrums (NRZ) für Surveillance nosokomialer Infektionen am Institut für Hygiene und Umweltmedizin (Direktorin: Prof. Dr. med. P. Gastmeier) der Charité-Universitätsmedizin Berlin, werden dabei mit Hilfe des Krankenhaus-Infektions-Surveillance-Systems (KISS), nosokomiale Indikatorinfektionen identifiziert, bewertet und einer vergleichenden statistischen Auswertung zugeführt. Die Basis d ieses Protokolls ergibt sich vor allem aus den Festlegungen und Definitionen des National Nosocomial Infection Surveillance (NNIS)-Systems der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) in den USA.

Entsprechend der Häufigkeit und der Relevanz nosokomialer Infektionen im Hinblick auf die Schwere der Krankheitsbilder erstreckt sich die Erfassung in der Intensivmedizin auf festgelegte Indikatorinfektionen :

  • Harnweginfektionen
  • Infektionen der unteren Atemwege
  • Septikämien
  • Meningitis/Ventrikulitis

Als Risikofaktor für die Entwicklung nosokomialer Infektionen wird gleichfalls die Anwendung 'invasiver Maßnahmen und Geräte' (= devices), die mit diesen Indikatorinfektionen im Zusammenhang stehen, erfasst und analysiert:

  • Harnwegkatheder, suprapubische Harnableitung
  • invasive Beatmung: Endotrachealtubus, Tracheostoma
  • non-invasive Beatmung
  • zentraler Venenkatheder
  • externe Ventrikeldrainage.

Wir möchten gern die Auswertung unserer Daten über einen Zeitraum von 18 Monaten (1.5.2008–31.10.2009) und insbesondere die Konsequenzen, die aus dieser Erhebung bislang gezogen werden konnten, vorstellen.

Im Gegensatz zu den ambulant erworbenen Infektionen haben wir es bei den nosokomialen Infektionen auf unserer Intensivbehandlungsstation für Schwerbrandverletzte häufig mit fakultativ pathogenen Enterobacteriacae sowie Feuchtkeimen zu tun, die eine erweiterte Resistenz, bis hin zur Multiresistenz, aufweisen. Dementsprechend unterscheidet sich die kalkulierte antibiotische Behandlung nosokomialer Infektionen von der Behandlung ambulant erworbener Infektionen.

Unser Patientenkollektiv unterscheidet sich von Patientenkollektiven allgemeiner chirurgischer oder traumatologischer Intensivstationen vor allem durch eine deutlich längere Liegezeit, häufigere Operationen, Beschränkungen der Mobilisierbarkeit und das Vorhandensein großflächigerer Wunden als potentielle Infektionspforte. Die Besiedlung oder Infektion von Wunden durch Keime wird in der Surveillance nosokomialer Infektionen bei Intensivpatienten nicht erfasst.

Unsere Zahlen unterscheiden sich aus diesem Grunde zum Teil deutlich von den Referenzdaten der allgemeinen chirurgischen und traumatologischen Intensivstationen. Es differiert die Anzahl der Device-Tage im Verhältnis zu den Behandlungstagen und dementsprechend auch das Verhältnis device-assoziierter Infektionsraten zu device-Anwendungsraten und der Gesamtheit der Behandlungstage. In unserer Untersuchung konnte festgestellt werden, dass nosokomiale Infektionen immer mit der Anwendung der entsprechenden Devices vorkamen, so dass device-Anwendungen nosokomiale Infektionen bedingen.

Besonders häufig wurden im Beobachtungszeitraum nosokomiale Harnwegsinfektionen, auch in Abhängigkeit von der Behandlungsdauer der Patienten, id entifiziert. Infektionen der unteren Luftwege und Septikämien kamen in unserem Patientenkollektiv nicht häufiger vor als auf allgemeinen chirurgischen und traumatologischen Intensivstationen. Die Indikatorinfektion Meningitis/Ventrikulitis wurde von uns nicht untersucht und ausgewertet.

Die aus dieser Untersuchung bislang abgeleiteten Behandlungsoptionen und pflegerischen Konsequenzen möchten wir gerne vorstellen und diskutieren. Besonders interessant ist natürlich der Vergleich hinsichtlich der Häufigkeit und der klinischen Relevanz nosokomialer Infektionen mit den Intensivbehandlungsstationen für Schwerbrandverletzte anderer Zentren.