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28. Jahrestagung der Deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung (DAV 2010)

13.01. bis 16.01.2010, Schladming, Österreich

Schwerbrandverletzung – Beeinflusst der Einsatz von Sepsismarkern das therapeutische Procedere?

Meeting Abstract

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  • corresponding author Jochen Gille - Klinikum St. Georg Leipzig, Brandverletztenzentrum, Leipzig, Deutschland

DAV 2010. 28. Jahrestagung der Deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung. Schladming, Österreich, 13.-16.01.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10dav29

DOI: 10.3205/10dav29, URN: urn:nbn:de:0183-10dav299

Published: June 30, 2010

© 2010 Gille.
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Die septische Multiorganversagen stellt für Schwerbrandverletzte, welche die Schockphase überwunden haben, die Haupttodesursache dar. Weitere Fortschritte hinsichtlich der Überlebensrate schwerer Verbrennungen sind demnach vor allem durch die Optimierung der Behandlungsstrategien der Sepsis zu erwarten. Ein wesentlicher Faktor besteht in einer frühzeitigen Diagnosestellung und adäquaten Antibiotikatherapie. Andererseits kann eine nicht indizierte Antibiotikatherapie zu einer Resistenzentwicklung und eigentlich vermeidbaren Nebenwirkungen und unnötigen Kosten führen. Antibiotikaresistenzen sind insbesondere bei Brandverletzten aufgrund des häufig langen Heilungsverlaufes mit der Gefahr rezidivierender systemischer Infektionen problematisch.

Paraklinische Infektionsmarker können die diagnostische Sicherheit erhöhen. Bei nicht-brandverletzten Intensivpatienten sind Leukozytenzahl, C-reaktives Protein (CRP) und Procalcitonin in der klinischen Routine etabliert. Die Erfahrungen mit allgemeinen Intensivpatienten lassen sich jedoch nicht unkritisch auf Schwerbrandverletzte übertragen.

Die Diagnose einer systemischen Infektion in der Frühphase der Verbrennung ist schwierig. Auch Infektions- bzw. Inflammationsparameter wie Leukozyten, CRP, Procalcitonin und IL 6 liefern insbesondere innerhalb der ersten drei Tage keine zusätzlichen Informationen. Grundsätzlich sind septische Komplikationen in dieser Phase jedoch selten.

Klinische Bedeutung erlangt Procalcitonin als Verlaufsparameter. Ein erneuter Anstieg unter dem klinischen Verdacht einer Sepsis ist für die Diagnose nahezu beweisend. Ein länger als 24 Stunden nach Therapiebeginn ansteigendes Procalcitonin ist hingegen ein Zeichen für eine nicht effektive Sepsistherapie. Die Antibiotikatherapie muss überdacht, die lokale Wundbehandlung intensiviert bzw. ein anderer Fokus in Betracht gezogen werden. Generell steigt die diagnostische Aussagekraft mit zeitlicher Latenz zum Verbrennungstrauma. Nach längerem Intensivaufenthalt scheint jedoch wiederum eine Abschwächung der inflammatorischen Reaktion einzutreten. Nach thermischem Trauma persisti erende Erhöhungen sind verdächtig auf eine hinzutretende Infektion. Die Dynamik der Laborveränderungen ist dabei wesentlicher als Absolutwerte.

IL 6 ist aufgrund seiner schnelleren Induktionszeit als ergänzender Parameter nützlich. IL 6 und Procalcitonin können jedoch bei Normalwerten eine systemische Infektion nicht mit Sicherheit ausschließen. Nach eigener Erfahrung ist der positiv prädiktive Wert deutlich höher anzusehen. CRP, Temperatur und Leukozyten haben in der Diagnose der Sepsis bei Patienten mit Verbrennungen nur einen geringen Stellenwert.

Insgesamt steht die Verbrennungsmedizin in der Bewertung der Infektionsparameter noch am Anfang. Bisher durchgeführte Untersuchungen sind in ihrer Methodik z.T. problematisch. Neben zumeist geringen Patientenzahlen, fallen vor allem große Messabstände und somit ein kaum herstellbarer Bezug zur mitunter rasanten Entwicklung einer Sepsis auf. Eine definitive Bewertung ist somit schwierig und immer noch durch persönliche Erfahrungen geprägt.

Daten zum mittel- und langfristigen Verhalten der Infektionsparameter fehlen ebenso wie zur möglichen Steuerung der Therapiedauer mittels Procalcitonin und zur Dynamik der Laborveränderungen in Abhängigkeit vom sepsisverursachenden Erreger.