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14. Workshop der gmds-Arbeitsgruppe "Computerunterstützte Lehr- und Lernsysteme in der Medizin (CBT)" und des GMA-Ausschusses "Neue Medien"

Institut für Didaktik & Bildungsforschung im Gesundheitswesen (IDBG),
Private Universität Witten/Herdecke

16.04. - 17.04.2010, Witten

Kriterien zur Auswahl geeigneter mediengestützter Lehr-Lernszenarien – ein mediendidaktischer Bewertungsansatz mit Schwerpunkt kollaborativem Lernens

Meeting Abstract

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  • corresponding author Jörn Töpper - Institut für Didaktik und Bildungsforschung im Gesundheitswesen, Universität Witten/Herdecke, Witten, Deutschland
  • author Michaela Zupanic - Institut für Didaktik und Bildungsforschung im Gesundheitswesen, Universität Witten/Herdecke, Witten, Deutschland
  • author Martin Fischer - Institut für Didaktik und Bildungsforschung im Gesundheitswesen, Universität Witten/Herdecke, Witten, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. Gesellschaft für Medizinische Ausbildung. 14. Workshop der gmds-Arbeitsgruppe "Computerunterstützte Lehr- und Lernsysteme in der Medizin (CBT)" und des GMA-Ausschusses "Neue Medien". Witten, 16.-17.04.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10cbt38

DOI: 10.3205/10cbt38, URN: urn:nbn:de:0183-10cbt382

Published: April 13, 2010

© 2010 Töpper et al.
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Der Einsatz Neuer Medien in der Lehre ist seit vielen Jahren eine etablierte Form der Wissensvermittlung. Beim Einsatz dieser Medien werden – wie in allen didaktischen Situationen – bestimmte Lehr-Lernszenarien benötigt, die eine sinnvolle Integration in das übergeordnete Lehrkonzept ermöglichen. Das „Wie“ eines erfolgreichen, lernorientierten Einsatzes von Medien wird in der Mediendidaktik als Teilgebiet der Medienpädagogik beforscht.

Die Auswahl von Lehr-Lernszenarien sollte in Abhängigkeit von den Lehrzielen und Lehrmethoden getroffen werden. Für diese Entscheidung spielen mehrere Kriterien eine wichtige Rolle: (a) die zugrunde liegenden theoretischen Annahmen, (b) die angestrebten Sozialformen des Lernens, (c) der beabsichtigte Grad der Virtualisierung und (d) die aktuelle Lernphase im Lernzyklus [1].

(a) Die lerntheoretischen Annahmen bilden das entweder intuitiv oder direkt adressierte Verständnis davon, welche didaktische Idee der Vermittlung zugrunde liegt. Behavioristische Ansätze betonen das Verstärken von adäquaten Verhaltensweisen durch Lob. Das gezeigte Verhalten kann richtig oder falsch sein und wird von so genannten „Drill-and-practice“ Programmen als solches auch bewertet. Verwendet wird diese Form des Lernens beim Formel- oder Vokabellernen. Kognitionstheoretische Annahmen sehen das Gedächtnis nicht mehr als Black Box und verstehen Lernen als einen aktiven Prozess, bei dem der Lernende externe Informationen mit bereits vorhandenen internen Strukturen verbindet. Eine adaptive Lernumgebung wird dabei den unterschiedlichen Voraussetzungen der Lernenden gerecht und vermittelt die Inhalte multimedial. Konstruktivistische Ansätze gehen noch ein Stück weiter, indem sie dem Lernenden selbst den Großteil der Verantwortung zur Generierung von Wissen zugestehen. Der Lehrende übernimmt lediglich die Rolle eines Coaches, welcher authentische Problemstellungen formuliert und die Gruppe kollaborativ bzw. den Einzelnen selbst gesteuert das zu Lernende erarbeiten lässt.

(b) Die Sozialformen reichen von der Einzelarbeit über Partnerarbeit bis zu Großgruppen. Gruppenarbeiten erfordern im Gegensatz zur Einzelarbeit die Kommunikation mit weiteren Lernenden. Das gewählte Szenario sollte daher Kommunikationswerkzeuge beinhalten. Je nach Größe der Gruppe eignen sich unterschiedliche Medien; so kann in einer Dyade optimal mit E-Mail oder per Chat kommuniziert werden. In Großgruppen wiederum eignen sich dafür Newsgroups oder Foren.

(c) Der Grad der Virtualisierung lässt sich unterteilen in angereicherte Szenarien, integrierte Szenarien und überwiegend virtuelle Szenarien. Unter angereicherten Szenarien versteht man Präsenzveranstaltungen, die durch Filme, Präsentationen oder ähnlichem ergänzt werden. Bei integrierten Szenarien erfüllen Präsenz- und Distanzphasen unterschiedliche Ziele und ergänzen sich in ihren Aufgaben. Eine Präsenzveranstaltung kann beispielsweise durch einen Server im Internet ergänzt werden, auf dem Filme zur Veranschaulichung nach der Veranstaltung abgelegt sind. Bei überwiegend virtuellen Szenarien handelt es sich um rein virtuelle Vorlesungen oder Online-Kurse.

(d) Je nachdem, in welcher Phase des Lernprozesses sich der Lernende befindet, sind unterschiedliche Szenarien sinnvoll. Folgt man dem Learning Cycle-Ansatz, dann lässt sich eine Lernplaneinheit in Konzeptualisierungs-, Konstruktions- und Dialog-Phase unterteilen [2]. Der Lerner wird in der ersten Phase mit neuem Wissen konfrontiert, das er in der zweiten Phase mit seinem Vorwissen verknüpft und mental integriert. In der Dialog-Phase wird das Wissen dadurch restrukturiert, dass es in Austausch mit anderen Lernenden hinterfragt und neu überprüft wird. Zur Konzeptualisierung eignen sich Lernprogramme, die primär Inhalte vermitteln. Für die Konstruktion sind Programme geeignet, mit denen Aufgaben bearbeitet oder Produkte erstellt werden können. Diese Materialien lassen sich im Anschluss öffentlich diskutieren und im Ergebnis als Frequently Asked Questions (FAQ's) weiter nutzen.

Eine mediale Form, die die unter (d) genannten Programmtypen beinhaltet und per Definition zur Verfügung stellt sind Lernplattformen. Moodle, Ilias, CASUS und andere Systeme integrieren darüber hinaus sämtliche oben genannten Kriterien und gelten daher als geeignete mediale Unterstützer verschiedener Lehr-Lernszenarien [3]

In diesem Beitrag werden Lehr-Lernszenarien anhand der genannten Kriterien exemplarisch ausgewählt und strukturiert für die jeweilige Auswahl aus medienpädagogischer Perspektive betrachtet. Der Schwerpunkt liegt dabei vor allem auf Szenarien, die kollaboratives Lernen unterstützen.


Literatur

1.
Glaser M, Weigand S, Schwan S. Mediendidaktik. In: Henninger M, Mandl H, editors. Handbuch Medien- und Bildungsmanagement. Weinheim, Basel: Beltz; 2009. p. 190-205.
2.
Mayes T, Coventry L, Thompson A, Mason R. Learning through Telematics: A Learning Framework for Telecommunication Applications in Higher Education. British Telecom, Martlesham Heath; 1994.
3.
Friedrich HF, Hron A, Töpper J. Lernplattformen in der Schule. In: Albers C, Magenheim J, Meister D, editors. Schule in der digitalen Welt. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften; in press