gms | German Medical Science

Herbsttagung aus Anlass des 60-jährigen Bestehens der ADANO

Arbeitsgemeinschaft Deutschsprachiger Audiologen und Neurootologen der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (ADANO)

22.10.-23.10.2009, Koblenz

Rolle von Stress im Innenohr und bei der Tinnitusentstehung

Meeting Abstract

Search Medline for

  • corresponding author Birgit Mazurek - HNO-Klinik und Poliklinik, Tinnituszentrum und molekularbiologisches Forschungslabor, Charité - Universitätsmedizin Berlin, Campus Charité Mitte, Berlin, Deutschland

Arbeitsgemeinschaft Deutschsprachiger Audiologen und Neurootologen der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. Herbsttagung aus Anlass des 60-jährigen Bestehens der ADANO. Koblenz, 22.-23.10.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09adano33

DOI: 10.3205/09adano33, URN: urn:nbn:de:0183-09adano333

Published: October 23, 2009

© 2009 Mazurek.
This is an Open Access article distributed under the terms of the Creative Commons Attribution License (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.en). You are free: to Share – to copy, distribute and transmit the work, provided the original author and source are credited.


Outline

Text

Klinisch ist emotionaler Stress häufig assoziiert mit auditorischen Phänomenen wie Hyperakusis, Tinnitus, Morbus Menière und Schwindel. Stress entsteht als Ergebnis der Auseinandersetzung einer Person mit den erhöhten oder unerwarteten Anforderungen seiner Umwelt. Evolutionsbiologische Ziele sind Abwehr von körperlichen Gefahren und kurzzeitige Leistungssteigerung, um die individuelle Überlebenswahrscheinlichkeit zu erhöhen. Bei der Stressverarbeitung und der Aufrechterhaltung der biologischen Allostase spielen Hormonsystem, autonomes Nervensystem und Immunsystem eine wichtige Rolle. Zu den physischen Effekten von Stress zählen – durch Kortisol getriggert – erhöhte Glukoneogenese, Lipolyse und Proteolyse zur vermehrten Energiebereitstellung. Gleichzeitig werden Blutdruck und Puls erhöht und die gastrointestinale Aktivität reduziert (sowohl über Kortisol als auch autonomes Nervensystem). Das Immunsystem wird ebenso verändert. Besonders werden Schlaf und Appetit reduziert, die Psychomotorik beeinflusst und das Angsterleben erhöht. Diese psychischen Veränderungen nach Stress können Einfluss auf akustische Phänomene wie z. B. die Tinnitusentstehung nehmen, aber auch eine Tinnitusverstärkung initiieren. Darüber hinaus bestehen zwischen auditorischem und Stresssystem folgende Verbindungen: Das limbische System reguliert instinktives Verhalten und Emotionen und verbindet dies mit dem auditorischen System via Corpus geniculatum mediale (Amygdala). Der Hypothalamus ist das Integrationszentrum für das endokrine und autonome System und ist über den Colliculus inferior mit dem auditorischen System verbunden. Das retikuläre System ist auf den Verhaltensstatus der Aufmerksamkeit und Erregung konzentriert und projiziert serotonerge Fasern zu allen Ebenen des auditorischen Systems von der Kochlea bis zum auditorischen Kortex.