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Herbsttagung aus Anlass des 60-jährigen Bestehens der ADANO

Arbeitsgemeinschaft Deutschsprachiger Audiologen und Neurootologen der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (ADANO)

22.10.-23.10.2009, Koblenz

Begutachtung bei Schwindel und Hörstörungen nach HWS-Traumen

Medical evaluation of posttraumatic audiovestibular symptoms

Meeting Abstract

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Arbeitsgemeinschaft Deutschsprachiger Audiologen und Neurootologen der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. Herbsttagung aus Anlass des 60-jährigen Bestehens der ADANO. Koblenz, 22.-23.10.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09adano09

DOI: 10.3205/09adano09, URN: urn:nbn:de:0183-09adano092

Published: October 23, 2009

© 2009 Ernst.
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Einleitung: Die Begutachtung von posttraumatischen Folgezuständen im Fachgebiet basiert – wie auch alle anderen Formen der HNO-Begutachtungen – auf den Empfehlungen von Feldmann [1]. Dabei hat sich bewährt, dass klare Richtlinien für die Anerkennung (oder: Nicht-Anerkennung) von posttraumatischen Hör- und Gleichgewichtsstörungen vorliegen. Zum einen wird darin der Kausalzusammenhang und die Brückensymptomatik gefordert.

Material/Methoden: Dies gelingt nicht immer bei der Begutachtung von Patienten, die eine Traumatisierung der HWS und des kraniozervikalen Übergangs (z.B. nach Verkehrsunfall, Sportverletzung, Arbeitsunfall) erlitten haben: zum einen wird in der Akutsituation nach dem Unfall (innerhalb von 24 h) selten eine HNO-Untersuchung durchgeführt [2], da andere Verletzungen im Vordergrund stehen, zum anderen treten einige Hör- und Gleichgewichtsstörungen mit zeitlicher Verzögerung – typisch nach 3 Wochen bis 3 Monaten - erst auf bzw. werden dann bemerkt [3], [4].

Ergebnisse: Bei den Verletzungsmechanismen an der HWS ist vor allem zwischen solchen mit/ohne Kopfanprall (z.B. Stoß an den C-Holm des Kfz.) bzw. mit/ohne nachweisbaren Strukturschäden (z.B. [5]) zu unterscheiden. Häufig resultieren die geklagten Hör- und Gleichgewichtsstörungen vom Kopfanprall mit dem Impact (z.B. zentrale Hörstörungen, Otolithenerkrankungen, vgl. dazu Nölle & Ernst 2002, [6]) und weniger von der Verletzung der HWS.

Schlussfolgerung: Die Abgrenzung muß im Einzelfall vorgenommen werden, wobei die traditionell unfallchirurgisch-orthopädische Erstdokumentation solcher Verletzungen (Arztbriefe, D-Arzt-berichte) der HNO-Symptomatik nur geringe Bedeutung beimisst (sie wird traditionell als Commotio cerebri-Begleitsymptomatik bagatellisiert). Die gutachterliche Gratwanderung bei der Beurteilung solcher Verletzungen wird an Einzelbeispielen demonstriert.


Literatur

1.
Feldmann H. Das Gutachten des HNO-Arztes. Stuttgart: Thieme; 2006.
2.
Ernst A, et al. HNO-ärztliche Akutdiagnostik nach HWS-Weichteildistorsion. HNO Praxis heute. 2004;23:71-7.
3.
Basta D, et al. Stance performance under different sensorimotor conditions in patients with post-traumatic otolith disorders. J Vest Res. 2007;17:25-31.
4.
Nölle C, Ernst A. Pathophysiological changes of the central auditory pathway after blunt trauma of the head. J Neurotrauma. 2004;21:251-8.
5.
Schröter T, et al. MRT der Ligg. alaria symptomatischer Patieneten nach HWS-Distorsionstrauma. Trauma & Berufskrankh. 2002;4/2:S224-9.
6.
Ernst A, et al. Management of posttraumatic vertigo. Otol HNS. 2005;132:554-8.
7.
Ernst A, Ekkernkamp A. Diagnostik und Therapie bei Beschleunigungsverletzungen der HWS. Dt Ärzteblatt. 1997;95:A 2098-99.
8.
Ernst A, et al. Hör- und Gleichgewichtsstörungen nach Kopfanpralltraumen.Trauma. Berufskrankh. 2001;3:27-31.