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GMS Zeitschrift für Medizinische Ausbildung

Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

ISSN 1860-3572

Innovatives Medizinstudium der Semmelweis Universität Budapest am Asklepios Campus Hamburg

Innovation in the Field of Medical Studies in Europe: Asklepios Campus Hamburg of Budapest's Semmelweis University

Ankündigung/note Humanmedizin

GMS Z Med Ausbild 2010;27(3):Doc37

doi: 10.3205/zma000674, urn:nbn:de:0183-zma0006747

Received: July 10, 2009
Revised: October 22, 2009
Accepted: February 15, 2010
Published: May 17, 2010

© 2010 Stubnya et al.
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Zusammenfassung

In diesem Artikel stellen wir ein neues bisher in Europa einzigartiges länderübergreifendes Hochschulbildungsmodell vor. Dargestellt wird die Zusammenarbeit der Semmelweis Universität Budapest mit dem Asklepios Campus Hamburg. Nach mehrjährigen Verhandlungen ist es nun möglich, dass Studenten, die in Ungarn ihr Physikum gemacht haben, in Hamburg ihre klinische Ausbildung fortsetzen und abschließen können.

Wir berichten über die Hintergründe und historischen Zusammenhänge sowie die rechtlichen Voraussetzungen dieser Entwicklung und beschreiben den gegenwärtigen Stand sowie die zukünftigen Planungen dieses Projekts.

Schlüsselwörter: Semmelweis Universität Budapest Medizinische Fakultät, Asklepios Kliniken Hamburg, Asklepios Medical School, Medizinstudium, Transnationale Hochschulentwicklung

Abstract

In our article we present a pioneering and unique transnational European model of university education. We discuss the cooperation between Semmelweis University Budapest and Asklepios Campus Hamburg. After several years of negotiation, it is now possible for students who did their preliminary medical examination in Hungary to continue and finish their medical studies in Hamburg, Germany.

We report on the background of this development, the historical ties and legal requirements. We also describe the status quo and the future plans for the project.

Keywords: Semmelweis University Budapest, Asklepios Clinics Hamburg, Asklepios Medical School, medical education, international developments in higher learning


Einführung

Am 5. September 2008 wurde mit der feierlichen Eröffnung des ersten Studienjahres am Asklepios Campus Hamburg ein kleines Stück europäische Universitätsgeschichte geschrieben; mit ihr begann die gemeinsame Arzt-Ausbildung der vor 239 Jahren gegründeten Semmelweis-Universität Budapest und der Asklepios Kliniken Hamburg GmbH. Möglich wurde dies durch die Gründung einer Zweitniederlassung in Hamburg, der Asklepios Medical School. Erstmals wurden hiermit durch eine nicht-deutsche Universität Rechte zur Einrichtung eines Studienzweiges nach Deutschland transferiert, die das Fortführen des in Ungarn begonnenen Medizinstudiums in Hamburg ermöglichen. Hierzu zugelassen werden alle Studenten, die ihr Physikum in Budapest abgelegt haben, oder die Qualifikation der Physikumsprüfung der Semmelweis Universität Budapest erreicht haben.

Die Studierenden werden von deutschen Dozenten unterrichtet, wobei die Kontrolle der Qualität der Lehrveranstaltungen und Prüfungen der medizinischen Fakultät in Budapest obliegt. Nach erfolgreichem Abschluss des klinischen Studienabschnitts in Hamburg erhalten die Studierenden dann das weltweit anerkannte Arzt-Diplom der Semmelweis Universität Budapest. Das Projekt ist die erste internationale Ausbildungskooperation dieser Art und soll helfen, den stetig wachsenden Ärzte- und Fachärztemangel in Deutschland zu verringern.


Der Asklepios Campus Hamburg der Semmelweis Universität Budapest

Gründungsprozess

Sowohl in Deutschland als auch in Ungarn gibt es zahlreiche in- und ausländische Initiativen zur Entwicklung von Studiengängen, die parallel zu den staatlichen Institutionen laufen. In der traditionsreichen Semmelweis Universität Budapest wurde im Jahr 1983 zunächst ein deutschsprachiger und im Jahr 1989 dann auch ein englischsprachiger Medizinstudiengang für ausländische Studierende etabliert. Ein mit Begeisterung angenommenes Angebot, denn schon Ende der 1990er war jeder dritte der damals 4000 Studierenden der Semmelweis Universität Budapest ausländischer Herkunft.

Um das Studienangebot um eine deutsche Dependance erweitern zu können, gab es zwischen 2005-2007 zahlreiche Treffen zwischen einer Verhandlungsdelegation der Semmelweis-Universität (Rektorat, Dekanat und andere) und Vertretern der zukünftigen Asklepios Medical School. Hierbei mussten in der Vorbereitungszeit sämtliche nationalen aber auch europarechtlichen Vorschriften geprüft werden, insbesondere unter dem Aspekt, inwiefern es zulässig ist, eine „Zweitniederlassung mit Studiermöglichkeit“ zu gründen. Zusätzlich mussten sämtliche hochschulrechtlichen Vorschriften der Länder Ungarn und Deutschland, sowie die europarechtlichen Vorschriften, die für das Medizinstudium gelten, herangezogen werden [1], [2]. Hierbei stellte sich heraus, dass die einzige begrenzende Vorschrift das Habilitationsrecht betrifft, da im Regelfall ein habilitierter Fachvertreter nur an einer einzigen Hochschule selbst Habilitanten betreuen kann.

Ansonsten erlauben sämtliche Regelungen, dass die aktiv als habilitierte Fachvertreter arbeitenden Ärzte der Asklepios Kliniken im Unterricht voll eingesetzt werden dürfen und die nach den Vorschriften der Semmelweis Universität anzubietenden Fächer vertreten können.

Aufgrund dieser Basis wurde dann im Dezember 2007 ein europarechtlich korrekter Vertrag erstellt, der die Gesamtübertragung der Strukturen von Budapest nach Hamburg ermöglichte.

Bevor der Studienbetrieb allerdings aufgenommen werden konnte, musste der Asklepios Campus Hamburg zunächst noch beim Ungarischen Akkreditierungsausschuss und vom Bildungsministerium zugelassen werden. Die Akkreditierung entspricht den Standards, die in Europa an Hochschulen gelten und wurde am 10.Juli 2008 erteilt.

Aktueller Stand

Nachdem für die Akquise des ersten Jahrgangs nur etwas über einen Monat Zeit blieb, startete der Studienbetrieb am 6.September 2008 mit ca. 20 Studenten. Mittlerweile sind dazu im zweiten Jahrgang, bei noch nicht ganz abgeschlossenem Aufnahmeverfahren, über 60 Studierende dazukommen. Diese Studenten sind, auch wenn sie in Hamburg studieren, weiterhin an der Medizinischen Fakultät der Semmelweis Universität Budapest eingeschrieben.

Ihr Medizinstudium erfolgt nach den Vorschriften des Studienführers der Semmelweis Universität Budapest Fakultät für Medizin. Die Themenstrukturen sind klassisch zu nennen und das Studium unterscheidet sich hauptsächlich in einem Punkt vom Medizinstudium im Deutschland, denn die Studierenden werden regelhaft während des gesamten Programms schwerpunktmäßig mündlich und nicht im Multiple-Choice-Verfahren geprüft. Dieser Unterschied stellt natürlich zusätzliche vor allem zeitliche Ansprüche an die Dozenten der Asklepios Medical School, die diese aber problemlos meistern können, weil sie in nahezu allen Fachspitzen mehrfach vertreten sind und die Belastung so verteilen können. Ein weiterer Unterschied zum deutschen Medizinstudium ist, neben dem Verzicht auf kumulative Multiple-Choice-Prüfungen, der in kleinen, individuellen Gruppen stattfindende Unterricht am Krankenbett und in den Praktika. Durch ein Tutorensystem wird der persönliche Kontakt zwischen Lernenden und Lehrenden gestärkt, so dass die individuelle Weiterentwicklung jedes einzelnen zum Arzt gefördert wird .

Nach der geglückten Aufnahme des Studienbetriebs im Jahr 2008 wurden 2009 die ersten Habilitationsvorhaben deutscher Asklepios-Mitarbeiter in der Medizinischen Fakultät der Semmelweis Universität eingereicht. Auf diese Weise werden Mitarbeiter, die am Asklepios Campus Hamburg tätig sind, zu Mitgliedern der ungarischen Fakultät. Dies ist ein beidseitig gewünschter und von allen Beteiligten unterstützter Prozess.

Zukünftige Entwicklungen

Für 2010 ist geplant, erste gemeinsame Forschungsprojekte zwischen Wissenschaftlern aus Budapest und Hamburg sowie weiteren Asklepios Kliniken in Deutschland zu definieren. Gegenwärtig gibt es an den Hamburger Asklepios-Kliniken bereits zahlreiche international bekannte Forschungsaktivitäten, auch im Bereich der Grundlagenforschung, die mit Drittmitteln gefördert werden. Eine Komponente, die im Übrigen bei der Akkreditierung im Ungarischen Akkreditierungsausschuss und im Bildungsministerium angegeben werden muss. Aktuell kooperieren die Asklepios-Kliniken in Hamburg mit dem Universitätsklinikum Eppendorf, der Technischen Universität Harburg sowie weiteren deutschen und ungarischen Hochschulen und Fachschulen.

Des Weiteren ist 2010 ein kontinuierlicher Aufbau und Ausbau des Lehrbetriebs geplant. Hierzu gehört außerdem die weitere Habilitation von Asklepios Mitarbeitern aus Hamburg und ganz Deutschland, sowie die Umhabilitation anderorts habilitierter Fachvertreter. Ihre Ernennung zum Universitätsprofessor in der Medizinischen Fakultät in Budapest soll ihnen ermöglichen, selbst Habilitationen betreuen zu können. Eine Weiterentwicklung des Abschlussarbeitskomplexes ist gegenwärtig in Diskussion. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt erreichen Studierende einen Abschluss und sind anschließend berechtigt den Titel eines Doktors der Medizin zu führen.

Die genaue Ausgestaltung dieses international anerkannten Abschlusses bearbeiten gegenwärtig Rektorat, Bildungsministerium sowie andere Instanzen in Ungarn und in Deutschland, um eine für alle Beteiligten befriedigende Lösung zu finden. Die Vielfalt der Bundesländer verursacht in dieser Hinsicht eine sehr unterschiedliche Beurteilung des Abschlusses, wiewohl in Ungarn selbst der „Dr. med.“ als Titel geführt wird, wenn er durch den Abschluss des Studiums erworben wurde.

Unerlässlich für die Zukunft ist außerdem der Aufbau einer Alumni-Organisation. Diese soll die Absolventen eng an die weitere Entwicklung der nachrückenden Semester binden, denn schließlich leben Hochschulentwicklungen nicht zuletzt auch von Persönlichkeiten, die diese verfolgen und vorantreiben.


Fazit

Der Beitritt Ungarns zur Europäischen Union im Mai 2004 war die notwendige Voraussetzung für das gemeinsame Projekt Asklepios Campus Hamburg zwischen der Semmelweis Universität Budapest und der Asklepios Medical School. Ziel war es, ein rechtlich sicher verankertes Konstrukt für die Ausbildung der deutschsprachigen Medizinstudenten aus Budapest zu schaffen, damit diese nach Erhalt des Physikums ihr Studium nahtlos in Hamburg fortsetzen können. Bisher ist dieses Projekt in seiner Form einzigartig, da für eine derartige Kooperation die Einhaltung der gemeinschaftsrechtlichen und nationalen Normen sowie die Abstimmung der akademischen und finanziellen Erfordernisse eine zu große Herausforderung darstellten. Das hier vorgestellte Modell erfüllt neben allen rechtlichen Ansprüchen auch die Normen einer Public-Private-Partnership und bietet einen neuen Weg in Europa, die klassische Akademische Welt und die Welt der Privatwirtschaft zusammenzuführen.


Literatur

1.
Europäische Union. Vertrag von Amsterdam. Luxemburg: Amt für amtliche Veröffentlichungen der Europäischen Gemeinschaften; 1997
2.
Kultusministerkonferenz. Tätigwerden ausländischer Hochschulen in der Bundesrepublik Deutschland. Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 12.09.1997. Bonn: Kultusministerkonferenz; 1997