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GMS Zeitschrift für Medizinische Ausbildung

Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

ISSN 1860-3572

OnLineLectures - eLearning als Ergänzung der tierärztlichen Fortbildung

Online Lectures - continuing education in veterinary medicine assisted by e-learning

Projekt/project Tiermedizin

  • corresponding author Jan P. Ehlers - Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, eLearning-Beratung, Hannover, Deutschland
  • author Sybille Ehlers - AK mulTIERmedia, Laatzen, Deutschland
  • author Martin Behr - Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, Klinik für Rinder, Hannover, Deutschland
  • author Wolfgang Kähn - Universität Zürich, Vetsuisse-Fakultät, Department für Nutztiere, Klinik für Fortpflanzungsmedizin, Zürich, Schweiz
  • author Heinrich Bollwein - Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, Klinik für Rinder, Hannover, Deutschland
  • Werner Leidl - Ludwig-Maximilians-Universität München, Gynäkologische und Ambulatorische Tierklinik, München, Deutschland

GMS Z Med Ausbild 2008;25(4):Doc101

The electronic version of this article is the complete one and can be found online at: http://www.egms.de/en/journals/zma/2008-25/zma000586.shtml

Received: March 1, 2007
Revised: May 15, 2007
Accepted: May 16, 2007
Published: November 17, 2008

© 2008 Ehlers et al.
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Zusammenfassung

Die Tierärztinnen und Tierärzte in Deutschland sind gesetzlich zur Fortbildung verpflichtet. Da die Gesamtkosten für die Fortbildung sehr hoch sind (Praxisvertreter, Reisekosten, Tagungsbeitrag), sollte der Lernerfolg möglichst ergiebig sein.

Durch Rapid-eLearning wurden mehrere Vortragsveranstaltungen digitalisiert und per Internet und CD verbreitet, um die Möglichkeiten der Nacharbeitung zu verbessern.

Anhand der Nutzungszahlen und einer Nutzerbefragung wurde die Akzeptanz dieser Technik überprüft. 83,3% der Referenten stellten ihre Vorträge für eine digitale Verbreitung zur Verfügung, sodass insgesamt 196 online-Vorträge entstanden sind. Die Internetseiten verzeichneten innerhalb von 12 Monaten durchschnittlich 22 Besuche (visits) am Tag. In der Befragung von 82 Tagungsteilnehmern konnte eine hohe Akzeptanz der Technik nachgewiesen werden.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass sich innerhalb der Tierärzteschaft eine hohe Nachfrage nach dem Einsatz neuer Medien in der Fortbildung zeigt.

Schlüsselwörter: eLearning, Fortbildung, Rapid-eLearning, Evaluierung, Tiermedizin

Abstract

Practising veterinarians in Germany are obliged to take part in continuing education. Due to high expenses which are incurred while taking part in continuing education, such as replacement of personnel, travel costs, conference fees, etc., it is important that efforts toward achievement of learning objectives are maximized.

Through the introduction of rapid e-learning techniques, several conferences have been digitised and made available via the internet including publication of CD-ROMs to give participants the possibility of repeated learning.

The acceptability of this technique was tested via utilisation data and a survey of participants. It was found that 83.3% of lecturers provided their talks (i.e., a total of approximately 196 lectures) for digital distribution. The website featuring the on-line lectures recorded an average of 22 visits per day during a 12-month period. The survey conducted on 82 participants showed a high level of acceptance toward the e-learning technique.

In conclusion, there is evidence of a great demand for using new media in continuing education for practitioners of veterinary medicine.

Keywords: e-learning, continuing education, rapid e-learning, evaluation, veterinary medicine


Einleitung

Die Heilberufekammergesetze der Länder verpflichten jede Tierärztin und jeden Tierarzt zur laufenden Fortbildung und damit zu dem wieder sehr aktuell diskutierten lebenslangen Lernen. Neben der Lektüre von Fachzeitschriften und Büchern findet ein Großteil der tierärztlichen Fortbildungen als Präsenzveranstaltungen mit Vorträgen statt [4]. Diese Form der Präsentation wird als Form der Wissensvermittlung zunehmend in Frage gestellt [6]. Die Ergänzung der Präsenzveranstaltung durch eLearning schafft die Möglichkeit der orts- und zeitunabhängigen Wiederholung. Ebenso können verpasste Parallelveranstaltungen mit der gleichen Effizienz und Effektivität [7] orts- und zeitunabhängig nachgeholt werden. Die zu den Veranstaltungen dargebotenen Abstracts sind wegen der frühen Einreichfristen einerseits etwas veraltet und wegen der erforderlichen Kürze fehlen viele Details.

Erst durch die digitale Dokumentation und Distribution der Vorträge und Präsentationen wird die einfachste aller Selbstlerntechniken, die Wiederholungsstrategie ermöglicht [9]. Weitere, tiefergehende Lernstrategien wie die Elaborations- oder Organisationsstrategie können erst bei intensiver Auseinandersetzung mit den Details stattfinden.

Ziel dieser Arbeit war es, zu eigenen Tagungen unterstützende Online-Vorträge zu erstellen, die den Teilnehmern dann zur Verfügung gestellt werden konnten. Folgende Voraussetzungen sollten dabei eingehalten werden:

  • Die Online-Vorträge sollen schnell und kostengünstig nach der Tagung selbst generiert werden.
  • Die Online-Vorträge sollen gut über das Internet abrufbar sein.
  • Der Ton soll nicht aus dem off wie bei vertonten Powerpoint-Präsentationen kommen, sondern der Zuschauer sollte durch die filmische Wiedergabe des Vortragenden persönlich involviert werden.

Methodik

Neben dem vielfältigen Einsatz zur Dokumentation von Vorlesungen und Seminaren wurde die Technik der OnLineVorträge bisher bei diversen Tagungen eingesetzt:

Um die Vorträge direkt während der Tagungen aufnehmen zu können, mussten die Vortragenden zunächst eine juristische Einverständniserklärung unterschreiben, in der sie der Aufzeichnung, der digitalen Bearbeitung und der Verbreitung ihrer Vorträge zustimmten.

Erstellung der OnLine-Vorträge

Die Erstellung der Online-Vorträge wurde an der „Unterrichtsmitschau“ der LMU München (Leiter Dr. J. Mayer) entwickelt [8] (siehe Abbildung 1 [Abb. 1]).

Die Vorträge wurden live während der Tagungen aufgezeichnet. Dafür wurde ein MiniDV-Camcorder auf einem Stativ in der ersten Zuschauerreihe positioniert. Für die Tonaufnahme wurde am Camcorder ein externes, stationäres Mikrofon angeschlossen. Der Vortragende wurde instruiert, möglichst am Rednerpult stehen zu bleiben.

Die Videos der Vortragenden wurden mit Sörensen Squeeze digitalisiert und direkt in MPEG4-Streaming Videos mit einer Bandbreite von 56 und 112 KBit/ s umgewandelt.

Die Folien der Powerpoint-Präsentationen wurden direkt als JPEG-Bilder abgespeichert. Animierte Folien mussten in Einzelfolien (pro sinnvollem Animationsschritt) zerlegt werden. Mit Adobe Photoshop CE wurden die Einzelbilder dann bearbeitet und in webfähiger Größe gespeichert.

Anhand der Video- und Bilddateien konnte nun der Verweildauer der einzelnen Folien ermittelt werden. In dem Programm LiveSlideShow von Totally Hip wurden die Einzelbilder zu einer MOV-Datei zusammengefügt. In Quicktime Pro konnten nur die MPEG4-Vorträge und die MOV-Präsentationen zu Streaming Videos mit Bandbreiten von 56 und 112 KBIT/s zusammengesetzt werden. Wenn in den Vorträgen selbst Videos präsentiert wurden, konnten diese (ebenfalls zu MPEG4 komprimiert) in diesem Schritt als weitere Spuren eingefügt werden.

Diese Videos wurden per Internet und via CD (hier nur die 112 KBIT-Version) veröffentlicht.

Akzeptanzanalyse

Die Akzeptanz bei den Vortragenden wurde anhand der Teilnahme an der Digitalisierung beurteilt. Die Akzeptanz der Nutzer wurde einerseits über die Zugriffe auf die Internetressourcen der digitalisierten 38. Jahrestagung für Physiologie und Pathologie der Fortpflanzung und 30. Veterinär- Humanmedizinischen Gemeinschaftstagung in einem Zeitraum von 12 Monaten überprüft. Andererseits wurde den Teilnehmern dieser Tagung ein Fragebogen zur Akzeptanzanalyse zugeschickt.


Ergebnisse

Bei der Aufzeichnung der Vorträge erwiesen sich vor allem die Lichtverhältnisse als schwierig, da gerade bei der Demonstration von Ultraschallaufnahmen die Tagungsräume sehr verdunkelt wurden. Hier mussten die Videoclips nachträglich unter Verlust des Farbkontrastes stark aufgehellt werden. Problematisch wurden die Tonaufnahmen, wenn die Vortragenden sich viel bewegten.

Die nachträgliche Bearbeitungsdauer betrug pro Vortrag ungefähr die doppelte Vortragslänge, wenn man an mehreren PCs zeitgleich digitalisieren und bearbeiten konnte. Die Kosten für die Erstellung der OnlineLectures setzten sich aus Aufwendungen für Personal, Hard- und Software (siehe Tabelle 1 [Tab. 1]). Die Technik war bereits in den beteiligten Kliniken und Instituten vorhanden, sodass die Investition von ca. 200,- Euro für die Neuanschaffung entfiel. Für die insgesamt 34 Stunden Vorträge, die bei der Fortpflanzungs-Jahrestagung 2005 veröffentlicht wurden, war für die Erstellung vom Filmen bis zur Präsentation im Internet ein personeller Aufwand von einer BAT 2A – Stelle für einen Monat anzusetzen. Dies entspricht ungefähr 5.500,- Euro.

Akzeptanz bei den Vortragenden

Von insgesamt 196 Vorträgen konnten 173 (88,3%) mit Einverständnis der Autoren aufgezeichnet und digital verbreitet werden (siehe Abbildung 2 [Abb. 2]). Bei den verbleibenden 23 Vorträgen kam es nicht nur wegen der Ablehnung der Technik zu keiner Veröffentlichung, sondern in einigen Fällen auch wegen fehlendem Urheberrecht an den verwendeten Abbildungen, der Anmahnung der Zeitüberschreitung während des Vortrages oder der vergessenen Übersendung der Präsentation.

Akzeptanz bei den Nutzern

Mittels eines webalyzers wurden vom Juli 2005 bis Juni 2006 die Aufrufe (visits) der Internetseiten zu den Online-Vorträgen der Tagung in Zürich dokumentiert (siehe Abbildung 3 [Abb. 3]). Die Aufrufe pro Monat schwankten zwischen 521 und 1075. Durchschnittlich wurden die Seiten 22-mal pro Tag aufgerufen. Die monatlich-gemittelten täglichen Downloadraten schwankten in dem Untersuchungszeitraum zwischen 123,4 und 185,1 MB. Im Durchschnitt wurden so täglich 145,5 MB heruntergeladen, was ungefähr 20 Kurzvorträgen entspricht.

Von 189 angeschriebenen Tagungsteilnehmern sendeten 82 den Fragebogen vollständig beantwortet zurück (Rücklauf: 43,4%). Schnelle LAN- oder DSL-Internetverbindungen nutzten 78% der Befragten (siehe Abbildung 4 [Abb. 4]). Die Video- und Tonqualität wurde von über 90% als mindestens gut beschrieben.

Die Akzeptanz wurde anhand einer 4stufigen Likert-Skala abgefragt, wobei 1 für ja und 4 für nein stand.

Die Online-Vorträge waren leicht zu bedienen (Ø 1,2) und bereiteten Spaß bei der Nutzung (Ø 1,4). Sie wurden als lehrreich (Ø 1,4) und gute Ergänzung (Ø 1,2) für die Nachbereitung (Ø 1,5) empfunden. Sie können die Abstracts nicht ersetzen. Sie können die Abstracts nicht ersetzen (Ø 3,2), sehr wohl aber ergänzen (Ø 1,5). Die Befragten wünschten sich mehr Online-Vorträge (Ø 1,6), bevorzugen aber noch die Live-Vorträge (Ø 2,2). Ein Abschlusstestat wird eher nicht gewünscht (Ø 2,7).


Diskussion

Durch die Anwendung neuer Medien war es möglich, mit eigenen Mitteln ganze Tagungen aufzuzeichnen und über das Internet zur Verfügung zu stellen. Während die virtuelle Hochschule Bayern von Kosten von 50.000 bis 100.000 € für zwei Semesterwochenstunden eLearning ausgeht, können mit Rapid-eLearning schon mit sehr viel geringeren Mitteln Lehrmaterialen erstellt werden [2]. Im vorgestellten Projekt lagen die Anschaffungs- und Personalkosten ungefähr bei 7500,- Euro für 34 Stunden Vorträge. Durch den Einsatz studentischer Hilfskräfte und die Weiterverwendung der Hard- und Software ist eine weitere Reduzierung der Kosten möglich.

Bei der Aufnahme ist für eine ausreichende Beleuchtung, z.B. durch Anstrahlen des Vortragenden und einen guten Ton, z.B. über Abnahme von der Lautsprecheranlage, zu sorgen, um die Qualität der Filme zu optimieren.

Gerade bei großen Tagungen und einem kleinen Team ist der Arbeitsaufwand sehr groß, sodass beschlossen wurde, nur mehr ausgewählte Vorträge so zu dokumentieren.

Die Akzeptanz bei den Autoren sowie den Nutzern gegenüber neuen Medien und eLearning in der Fortbildung ist sehr groß, was sich mit den Ergebnissen von EHLERS et al. [4] deckt. Die an den Universitäten nachfolgenden Generationen sind den Umgang mit diesen Medien bereits gewohnt [2], was die Nachfrage in den nächsten Jahren noch verstärken wird.

Die Nutzung der Online-Vorträge wird durch Ihre Einfachheit und den erzeugten Spaß bei dem Umgang mit ihnen gefördert. Ein Lernen ist nur in Umgebungen möglich, die keinen Stress und keine Probleme erzeugen sowie Spaß machen [1].

Die Online-Vorträge werden insbesondere als Ergänzung zu den Präsenzveranstaltungen und Abstracts gesehen, da bei gleichem Lernerfolg das subjektive Erfolgsempfinden in der Präsenzveranstaltung größer ist [5].

Da aber nicht immer eine Teilnahme an Präsenzveranstaltungen möglich ist, werden die Online-Vorträge auch als allein stehende Technik eingesetzt. Hier entstehen die Vorteile, wenn eine Anreise nicht möglich oder effizient ist. So zum Beispiel bei der vorbeugenden Ausbildung von Unterstützungskräften für den Tierseuchenkrisenfall. Eine Ausbildung Vor-Ort in den einzelnen Landkreisen parallel zum Berufsalltag ist nur schwer umsetzbar. Daher wurde kürzlich ein Modul „Aviäre Influenza“ mit diesen Rapid-eLearning-Techniken erstellt.

Abschließend lässt sich sagen, dass durch die digitale Aufarbeitung und Verbreitung von Vorlesungen und Vorträgen ein großer Mehrwert für Tierärztinnen und Tierärzte in der Fortbildung erreicht wird.


Literatur

1.
Döring KW. Lehrerverhalten. 10. Aufl. Basel: Weinheim; 2001.
2.
Eckert A, Seegmüller K, Kunze F. Rapid eLearning eine Killer-Applikation? Köln: e-learning-presseclub. 2004;1-5. Zugänglich unter: http://www.e-learning-presseclub.de. External link
3.
Ehlers JP, Friker J, Liebich HG, Stolla R. PC-Ausstattung und -nutzung von Studierenden der Tiermedizin im Vergleich zu Schülern der 12. Klasse. Med Ausbild. 2002;19:124-126.
4.
Ehlers JP, Wittenberg B, Fehrlage K, Neumann S. Is there a need for elearning veterinary continuing education? Genua: AMEE. 2006;Abstracts 170. Zugänglich unter: http://www.amee.org/documents/AMEE%202006%20Abstracts.pdf. External link
5.
Johnson SD, Aragon SR, Shaik N, Palma-Rivas N. Comparative Analyses of Leraner Satisfaction and Learning Outcomes in Online and Face-to-Face Learning Enviroments. J Inter Learn Res. 2000;11(1):29-49.
6.
Schams S. Empirische Untersuchung zur Gestaltung von Vorlesungen in der medizinischen Ausbildung. München: LMU München; 2005. Zugänglich unter: http://edoc.ub.uni-muenchen.de/archive/00003830/01/Schams_Sascha.pdf. External link
7.
Spickard A, Alrajeh N, Cordray D, Gigante J. Learning About Screening Using an Online or Live Lecture - Does It Matter? J Gen Intern Med. 2002;17:540-545. Zugänglich unter: http://www.pubmedcentral.nih.gov/picrender.fcgi?artid=1495076&blobtype=pdf. External link
8.
Vogt M, Kastenholz F. Quicktime 6. Bonn: Galileo Press GmbH; 2003.
9.
Weinstein CE, Mayer RE . The teaching of learning strategies. In: Wittrock MC (Hrsg). Handbook of research on teaching. 3rd Edition. New York: Macmillan; 1986. S. 315-327.