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GMS Medizin — Bibliothek — Information.

Arbeitsgemeinschaft für Medizinisches Bibliothekswesen (AGMB)

ISSN 1865-066X

Eine Bibliothek für alle Bereiche – ein Situationsbericht der Krankenhausbibliotheken im Klinikum Stuttgart

A library for all departments – an overview about the hospital libraries Klinikum Stuttgart

Fachbeitrag

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  • corresponding author Christa Giese - Klinikum Stuttgart, Katharinenhospital, Krankenhausbibliotheken, Stuttgart External link

GMS Med Bibl Inf 2011;11(1-2):Doc06

DOI: 10.3205/mbi000221, URN: urn:nbn:de:0183-mbi0002211

Published: September 14, 2011

© 2011 Giese.
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Zusammenfassung

In einem kurzen Überblick werden die Aufgaben und kundenorientierten Dienstleistungen der Krankenhausbibliothek Klinikum Stuttgart mit den beiden Arbeitsbereichen Medizinischer Fachbibliothek und Patientenbibliothek und dem Ausblick auf die zukünftigen Perspektiven dargestellt.

Schlüsselwörter: Krankenhausbibliothek, Medizinische Fachbibliothek, Patientenbibliothek, Dienstleistungen, Überblick

Abstract

In a short overview the tasks and customer-oriented services of the hospital library Klinikum Stuttgart with the medical and patient library are described with the tasks for the next years

Keywords: hospital library, medical library, patient library, services, overview


Eine Bibliothek für alle Bereiche – ein Situationsbericht der Krankenhausbibliotheken im Klinikum Stuttgart

Das Klinikum Stuttgart

Das Klinikum Stuttgart bietet als Krankenhaus der Maximalversorgung und Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Tübingen eine medizinische Versorgung auf universitärem Niveau. Es zählt mit seinen vier Krankenhäusern Bürgerhospital, Katharinenhospital, Krankenhaus Bad Cannstatt und Olgahospital zu den größten und leistungsfähigsten Gesundheitszentren in Deutschland. Träger ist die Landeshauptstadt Stuttgart.

Die über 50 Kliniken und Institute ermöglichen eine hohe Spezialisierung und ein umfassendes Leistungsspektrum in nahezu allen medizinischen Fachdisziplinen. Sie decken von der Pränataldiagnostik und intensivmedizinischen Versorgung Frühgeborener über alle Spezialdisziplinen der Kinder- und Erwachsenenmedizin bis zu den Erkrankungen des Alters das gesamte Spektrum moderner Hochleistungsmedizin ab.

Die vier Häuser verfügen über rund 2.100 Betten und tagesklinische Behandlungsplätze. Jährlich werden über 80.000 Patienten stationär und etwa 420.000 ambulant behandelt. Für eine menschliche, kompetente und exzellente Qualität in Medizin und Pflege setzen sich über 6.800 Mitarbeiter ein.

Das Klinikum Stuttgart wird in den nächsten Jahren auf zwei Standorten konzentriert. Auf dem Gelände des Katharinenhospitals entsteht der neue Standort Mitte. Hier wachsen derzeit die Neubauten des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin – Olgahospital und der Frauenklinik in die Höhe. Das Zentrum für Seelische Gesundheit erhält in Bad Cannstatt neue Klinikgebäude, die Ende 2011 fertig gestellt sind.

Stuttgart ist eine Universitätsstadt, jedoch ohne Medizinische Fakultät. Die Krankenhausbibliotheken sind die einzigen wissenschaftlichen Spezialbibliotheken, die den gesamten Literaturbedarf abdecken können, mit allen medizinischen, pflegerischen und krankenhausrelevanten Themen.

Die Krankenhausbibliotheken

Die Einrichtung einer Krankenhausbibliothek im Katharinenhospital wird schon in der Festschrift 100 Jahre Katharinenhospital von 1928 mit folgenden Worten erwähnt: „Nebenamtlich verwaltet der Hausgeistliche die Krankenbibliothek, die viel benützt und durch ordnungsmäßige Anschaffungen sowie dankenswerte Schenkungen in ihrem Bestand ergänzt wird.“

Die Krankenhausbibliotheken an den vier Standorten sind die Informations- und Kommunikationszentren im Klinikum Stuttgart. Drei davon sind „integrierte Bibliotheken“ mit den beiden Arbeitsbereichen der Medizinischen Fachbibliothek und der Patientenbibliotheken. Sie haben keinen öffentlichen Charakter, stehen für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen kostenlos zur Verfügung. Die Finanzierung wird vom Klinikum getragen.

Die vier Bibliotheken arbeiten mit 3,5 Bibliothekarstellen und 2,1 Assistentenstellen, verteilt auf sieben Kolleginnen. Jede Bibliothek ist mit einer Bibliothekarin und einer Bibliotheksassistentin besetzt. Ihnen zur Seite stehen ehrenamtliche Damen und Herren für die Stationsausleihe in den Patientenbibliotheken. Die Arbeitsstrukturen haben den Charakter einer One Person Library (OPL). Die Öffnungszeiten liegen zwischen 20 und 27 Stunden von montags bis freitags, abhängig von der unterschiedlichen Besetzung an den Standorten. Die Leitungsfunktion obliegt der Bibliothekarin im Katharinenhospital.

Die Bibliothekskataloge der Medizinischen Fachbibliotheken und der Patientenbibliotheken erfassen den Gesamtbestand aller Krankenhausbibliotheken. Die Erwerbung richtet sich nach den Fachdisziplinen der einzelnen Häuser und wird aufeinander abgestimmt.

Krankenhausbibliothek – Bereich Medizinische Fachbibliothek

Die Krankenhausbibliothekarinnen decken die Informationsvermittlung und -beschaffung von medizinischer, pflegerischer und krankenhausrelevanter Literatur für alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ab. Die Bandbreite der einzelnen Fachgebiete erstreckt sich über akute Krankheitsfälle, hausinterne Weiterbildungsveranstaltungen, Publikationen und Kongressbeiträge, medizinische Gutachten, Forschungsarbeiten, technische, juristische und verwaltungstechnische Fragen bis hin zu pflegerischen Konzepten.

Die vier Bibliotheken bieten derzeit einen Bestand von 90.000 Medieneinheiten, 200 Loseblattwerken und 600 laufende Zeitschriftenabonnements an. Außerdem stehen dem Benutzer medizinische Datenbanken, pflegerische Portale und der Zugang zu den elektronischen Zeitschriften über die ezb zur Verfügung. Der Bestandsnachweis der vier Standorte erfolgt über den WEB-OPAC. Diese Angebote finden die MitarbeiterInnen im Intranet. Eine externe Nutzung der Bibliotheksseiten ist nicht möglich.

Die Krankenhausbibliothek bietet in dem jährlich erscheinenden Bildungsprogramm Termine für die Einführung in medizinische und pflegerische Datenbank- und Internetrecherchen an, speziell für die Zielgruppe Pflege bzw. Ärzte. Daneben werden kurzfristig Schulungen zu einzelnen Themen in den Bibliotheken oder auch zunehmend vor Ort in den Kliniken durchgeführt.

Der Schwerpunkt der bibliothekarischen Arbeit liegt in der Versorgung der Mediziner. Daneben haben sich aber auch in den letzten Jahren die Dienstleistungen der Bibliothek für die Pflege stark weiter entwickelt.

Krankenhausbibliothek – Bereich Patientenbibliothek

Mit einem reichhaltigen Angebot von über 15.000 Medieneinheiten können die Patientenbibliotheken auf die Anfragen und Wünsche der Patienten und Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen reagieren. Der Bestand umfasst Romane, Krimis, Bestseller, fremdsprachige Literatur, Großdruckbücher, Spiele, Tageszeitungen und Zeitschriften, Hörbücher und DVDs mit ausleihbaren Abspielgeräten. Bei den Sachbüchern liegt der Schwerpunkt bei den medizinischen und psychologischen Ratgebern, die auch zunehmend von Ärzten und Pflegekräften zur Abstimmung der Therapiemaßnahmen genutzt werden.

Die Patientenbibliotheken unterstützen den ganzheitlichen Betreuungsprozess durch die Vermittlung von speziell zur Situation des Patienten passender Information und Literatur. Sie stehen auch den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen zur Verfügung. Die Patientenbibliotheken sind als Aufenthaltsorte für Patienten und Patientinnen einerseits Orte der Ruhe und Ablenkung vom Klinikalltag, andererseits sind sie als Informationszentren in der Lage, die Fragen der Nutzer im Zusammenhang mit ihrer Erkrankung zu beantworten. Hierbei sind die Bibliothekarinnen auf einen besonders empfindsamen Benutzerkreis spezialisiert, den sie bei seiner Suche nach Information und seinem Bedürfnis nach Unterhaltung durch intensive und einfühlsame Beratung unterstützen. Diese vielfältigen Aufgaben erfordern von den Mitarbeitern ein großes Engagement.

Weitere Dienstleistungen sind die Stationsausleihe und die Buchausleihe am Krankenbett. Einmal wöchentlich besuchen ehrenamtliche Grüne Damen und Herren die Stationen mit dem Bücherwagen. Daneben werden auch telefonische Anfragen für bettlägerige Patienten und Patientinnen nach Büchern und Zeitschriften erfüllt.

Zukunftsperspektiven – ein Ausblick

Wachsendes Potenzial – die Pflege in der Bibliotheksarbeit

In den letzten Jahren haben sich die Aufgabenbereiche der Bibliotheksarbeit für die Pflege sehr stark weiter entwickelt. Mit der Zunahme der Wissenschaftlichkeit, der zunehmenden Professionalisierung und Verantwortung in der Pflege, wächst auch hier der Bedarf von relevanten Informationen. Die Pflege hat sich neben der „klassischen“ Bibliotheksarbeit für die Medizin als weiteres Standbein etabliert. Deshalb soll an dieser Stelle ein vertiefender Blick auf den Bereich Pflege im Klinikum Stuttgart geworfen werden.

Drei Pflegebereiche haben sich im Klinikum Stuttgart als Schwerpunkte für die Arbeit der Bibliotheken herauskristallisiert:

  • Die Pflegedirektorin mit ihrem Mitarbeiterstab der pflegerischen Zentrumsleitungen.
  • Das Bildungszentrum als Ausbildungs-, Weiterbildungs- und Fortbildungsstätte.
  • Die Stationspflege mit ihrem Informationsbedarf für den Krankenhausalltag.

Der Pflegedienst des Klinikums arbeitet mit patientenorientierten Pflegekonzepten nach aktuellen Erkenntnissen der Pflegewissenschaft. Im Mittelpunkt steht hier die individuelle Betreuung des Patienten und seiner Angehörigen, wobei physische, psychische, soziale und kulturelle Bedürfnisse berücksichtigt werden.

Das ausgewählte Konzept des Klinikums basiert auf dem Pflegemodell von Roper-Thierry-Logan, das 2009 eingeführt wurde. Die Vorauswahl und Ausarbeitung des Konzeptes wurde von der Pflegedirektorin und ihrem Team der Pflegefachberater/innen durchgeführt. Dafür wurde über die Bibliothek der Bedarf an Literatur zum Thema Pflegetheorien allgemein und im Besonderen über dieses spezielle Pflegemodell abgedeckt. Umfangreiche Recherche- und Beschaffungsarbeiten zu Vermittlung, Implementierung, Anwendung (vor allem in speziellen Pflegebereichen) und Umsetzung des ausgewählten Modells wurden benötigt. In zahlreichen internen Einführungs- und Informationsveranstaltungen fanden diese Informationen schließlich ihren Niederschlag.

Auch nach der Einführung des Pflegekonzeptes sind die Krankenhausbibliotheken weiterhin aktiv involviert und tragen zur Evaluierung dieses Projektes bei, indem sie Pflegepädagogen, Stationen und einzelne Mitarbeiter bei auftauchenden Fragen und Umsetzungsproblemen unterstützen.

Im Zuge des Neubaus des Bildungszentrum für das Klinikum Stuttgart am Standort Katharinenhospitals wurden die Ausbildungs- und Weiterbildungsstätten aller vier Standorte sowie die Stuttgart Medical School zentral zusammengeführt.

Im Bereich der Ausbildung stellen fünf staatlich anerkannte Schulen (MTA-Schule, Hebammenschule, Diätschule, Schule für Gesundheits- und Krankenpflege, Schule für Gesundheits- und Kinderkrankenpflege) insgesamt 720 Ausbildungsplätze in sechs anerkannten Gesundheitsberufen zur Verfügung. In Zusammenarbeit mit der Berufsfachschule des Universitätsklinikums Tübingen wird die Ausbildung zum/zur Operationstechnischen Assistenten/in angeboten.

Seit Oktober 2010 besteht eine Kooperation zwischen dem Klinikum Stuttgart und der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW), die erstmals in der Region ein staatlich anerkanntes ausbildungsintegriertes Studium der Angewandten Gesundheitswissenschaften für Pflege und Geburtshilfe ermöglicht. Diese neue Ausbildungsform gibt es bundesweit bisher nur an wenigen Einrichtungen.

Für die anerkannte Fort- und Weiterbildung können sich examinierte Pflegekräfte aus dem Klinikum und dem Stuttgarter Umland in verschiedenen Spezialgebieten gezielt fortbilden. Die in der Regel zweijährige Weiterbildung findet berufsbegleitend statt und bietet 120 Kursplätze in verschiedenen Fachdisziplinen an.

Erwähnenswert ist auch die im Bildungszentrum ansässige Stuttgart Medical School, welche anderen medizinischen Einrichtungen (vorrangig im Ausland) Qualifizierungs- und Weiterbildungskurse für alle Krankenhausbereiche (Medizin, Pflege, Verwaltung) anbietet. Das geschieht in Form von theoretischem und praktischem Unterricht und Hospitationsprogrammen, die auch vor Ort durchgeführt werden.

Die Zusammenarbeit der Krankenhausbibliothek mit dem Bildungszentrum besteht aus zahlreichen Einführungen in das wissenschaftliche Arbeiten, die Informationssuche und die Literaturbeschaffung mit den verfügbaren medizinischen und pflegerischen Datenbanken und Portalen, wie z. B. Carelit und CNE Thieme. Für die neuen Jahrgänge der Ausbildungsberufe gibt es jährliche Klassenführungen. Ein Leitfaden und Handout zur Nutzung der Bibliothek und ihrer Angebote wurde von der Bibliothek für die PflegepädagogInnen, Auszubildenden und Weiterbildenden erstellt. Im Rahmen des Unterrichtes werden die Auszubildenden in die Bibliothek geschickt, um Themen selbständig zu erarbeiten. Bei der Suche nach Informationen und Literatur für die Referate und zu den Projektarbeiten werden die Auszubildenden und Weiterbildenden von den Bibliothekarinnen sachkundig beraten und unterstützt. Und natürlich versorgen sich die Pflegepädagogen für die zu unterrichtenden Lerneinheiten mit der neusten Literatur aus der Bibliothek.

Zudem verfügt das Bildungszentrum über eine eigene Präsenzbibliothek mit 1.500 Medieneinheiten, die von der Bibliothek des Katharinenhospitals betreut wird.

In der Stationspflege werden in den regelmäßig stattfindenden Dienstbesprechungen aktuelle Fragestellungen besprochen, die von einer Pflegekraft vorbereitet und vorgestellt werden. Die Ausarbeitung geschieht oft in Zusammenarbeit mit der Bibliothek. Auch für Neustrukturierungen von Stationen und Funktionsbereichen, wie z.B. bei der Zusammenlegung verschiedener Ambulanzen zu einer Interdisziplinären Ambulanz (INA), kommen betroffene Mitarbeiter in die Bibliothek, um sich über veränderte Aufgabenfelder zu informieren.

Außerdem nutzen viele Pflegekräfte von den Stationen die Bibliothek auch zur persönlichen Weiterbildung und Klärung offener Fragen.

Ob Pflegedirektion, Bildungszentrum oder Stationspflege – sicher ist, dass sich die Arbeit mit diesen Bereichen in Zukunft weiter intensivieren wird.

Weitere Zukunftsperspektiven neben der Pflege

Auch in den anderen Bereichen des Bibliotheksalltags bleibt es spannend und viele Herausforderungen und Veränderungen warten darauf, in den kommenden Jahren bewältigt zu werden – vor allem räumliche, aber auch konzeptionelle, da kontinuierlich neue Aufgaben und auch Wünsche von Seiten der Nutzer hinzukommen, und die Veränderungen innerhalb des Klinikums immer direkte Auswirkungen auf die Bibliotheken und ihre Arbeit haben …

  • 2011 Anschaffung des Literaturverwaltungsprogramms Endnote
  • 2012 Verlagerung des Zentrums für Seelische Gesundheit vom Bürgerhospital zum Krankenhaus Bad Cannstatt
  • 2013 wird der alte Standort Olgahospital aufgegeben und in den Neubau am Standort Mitte (Katharinenhospital) einziehen
  • 2016 Umzug der vereinten Bibliotheken von Olga- und Katharinenhospital in neue Räume

Kontakt

Klinikum Stuttgart
Katharinenhospital
Krankenhausbibliotheken
Haus A, Ebene 0 Raum 0.03 – 0.05
Tel.+49 (0) 711/278 32830
IFAX+49 (0) 711/278 40 2830
kh-bibliothek@klinikum-stuttgart.de
http://www.klinikum-stuttgart.de/


Literatur

1.
Stadtverwaltung Stuttgart, Hrsg. 100 Jahre Katharinenhospital. Stuttgart: Greiner & Pfeiffer; 1928. p. 182.