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Süddeutsche Tage der Kinder- und Jugendmedizin München

04.05. - 06.05.2012, München

Etablierung eines standardisierten Schmerzmanagements in einem interdisziplinären Kinder- und Jugendzentrum

Meeting Abstract

  • T. Howell - Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsmedizin Greifswald, Neonatologie und päd. Intensivmedizin, Greifswald, Germany
  • A. Lange - Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsmedizin Greifswald, Neonatologie und päd. Intensivmedizin, Greifswald, Germany
  • N. Bachmaier - Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsmedizin Greifswald, Neonatologie und päd. Intensivmedizin, Greifswald, Germany
  • R.D. Stenger - Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsmedizin Greifswald, Neonatologie und päd. Intensivmedizin, Greifswald, Germany
  • H.N. Lode - Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsmedizin Greifswald, Neonatologie und päd. Intensivmedizin, Greifswald, Germany

Süddeutsche Tage der Kinder- und Jugendmedizin. 61. Jahrestagung der Süddeutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin und der Süddeutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie und dem Berufsverband für Kinder- und Jugendärzte – Landesverband Bayern. München, 04.-06.05.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12sgkjFV17

DOI: 10.3205/12sgkj17, URN: urn:nbn:de:0183-12sgkj175

Veröffentlicht: 11. April 2012

© 2012 Howell et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Schmerztherapie bei Kindern wird oft als suboptimal empfunden. Ursächlich ist die veraltete Vorstellung eines verminderten Schmerzempfindens bei Kindern sowie unzureichendes Wissen beim Personal um Möglichkeiten der objektiven Schmerzbeurteilung, Wirkung, Nebenwirkung und Indikation der Analgetika. Anhand evaluierter Schmerzskalen zur Objektivierung des Schmerzausmaßes und zur Schmerzbehandlung vom Neugeborenen- bis Jugendalter sollte die Frage beantwortet werden, ob sich ein standardisiertes Schmerzmanagement in einem interdisziplinären Kinderzentrum etablieren lässt.

Material und Methode: 2009 wurde für das Kinderzentrum Greifswald, bestehend aus den Kliniken für Kinder- und Jugendmedizin und Kinderchirurgie, ein standardisiertes Schmerzmanagement entwickelt. Bei der Entwicklung von Beurteilungs- und Therapieschemata wurde großer Wert darauf gelegt, dass diese durch Pflege- und ärztliches Personal stationsübergreifend, schnell und sicher bei Kindern aller Altersstufen anwendbar sind. Nach initialer ärztlicher Schmerzbeurteilung erfolgen weitere Kontrollen mindestens 3 x täglich. Zur Beurteilung der Schmerzen werden dem Patientenalter entsprechende Skalen (KUSS, MOPS, VRS, NRS) verwendet. Das Therapieschema besteht ähnlich einer Ampel aus 3 Eskalationsstufen. Die Interventionsgrenzen aller angewandten Skalen sind gleich. Bei Erreichen der Interventionsgrenze werden Patienten, je nach Art und Ursache des Schmerzes, in Stufe 1 mit Paracetamol, Ibuprofen oder Metamizol als angeordnete Bedarfs- bzw. Dauermedikation versorgt. Bei unzureichender Linderung der Schmerzen werden in Stufe 2 zusätzlich ärztlich Tramadol und in Stufe 3 Piritramid bzw. in der Onkologie Morphin angeordnet.

Ergebnisse: Mit diesem Therapieschema wurden im letzten Jahr nahezu 100% der Patienten im Kinderzentrum behandelt. Die Zufriedenheit der Patienten, deren Eltern und des gesamten Personals konnte verbessert werden. Das Personal konnte stationsübergreifend ohne Verzögerung eine für das Kind angemessene Schmerztherapie einleiten.

Zusammenfassung: Die Einführung einheitlicher Beurteilungs- bzw. Therapieschemata hat eine überschaubare Handlungsgrundlage für alle Mitarbeiter geschaffen. Dies ermöglicht neben einer raschen Schmerzlinderung der Patienten eine hohe Zufriedenheit aller Beteiligten. Im Rahmen des „QM Akutschmerztherapie“ wurde das Kinderzentrum der Universitätsmedizin Greifswald durch den TÜV Rheinland als erste Universitätskinderklinik in Deutschland zertifiziert