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Patientenbeteiligung bei medizinischen Entscheidungen
2. Tagung des Förderschwerpunktes "Der Patient als Partner im medizinischen Entscheidungsprozess"

25. bis 27.03.2004, Freiburg

Betroffene beraten Betroffene

Meeting Abstract

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  • corresponding author E. Gebel-Martinetz - Heimdialyse-Projekt, BZSL e.V., Prenzlauer Allee 36, 10405 Berlin
  • M.B. Lips - Heimdialyse-Projekt, BZSL e.V., Prenzlauer Allee 36, 10405 Berlin

Patientenbeteiligung bei medizinischen Entscheidungen. 2. Tagung des Förderschwerpunktes "Der Patient als Partner im medizinischen Entscheidungsprozess". Freiburg, 25.-27.03.2004. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2004. Doc04pat40

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/pat2004/04pat40.shtml

Veröffentlicht: 15. Juni 2004

© 2004 Gebel-Martinetz et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielf&aauml;ltigt, verbreitet und &oauml;ffentlich zug&aauml;nglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Circa 75.000 Menschen leiden in der Bundesrepublik an chronischem Nierenversagen. Jedes Jahr stehen über 14.000 Menschen neu vor der Entscheidung, welches Nierenersatzverfahren sie für sich wählen wollen. Gemäß den Dialyserichtlinien des Sozialgesetzbuches V (§ 135 Abs. 5) soll dieser Personenkreis seit 1997 über alle Nierenersatzverfahren (Bauchfelldialyse, Hämodialyse und Transplantation) informiert werden. Es sollte ihm auch ermöglicht werden, die jeweilige Therapie unter regelmäßiger ärztlicher Kontrolle eigenverantwortlich zu Hause anzuwenden. Viel zu selten erfahren die Betroffenen jedoch, dass es diese medizinisch sinnvolle Option gibt.

Vorrangiges Ziel des Heimdialyseprojektes und seines bundesweiten Beratungsnetzwerkes von Betroffenen und Angehörigen ist es, Informationsdefizite im Bereich Heimverfahren auszugleichen. Vorteile und Grenzen bestimmter Verfahren sollen veranschaulicht werden und in Gesprächen können Nierenkranke Entscheidungshilfen für ein geeignetes Dialyseverfahren finden.

Die Mitglieder des Netzwerks erweitern bei regelmäßigen Fortbildungen ihr Wissen über Ersatzverfahren und stärken ihre Beratungskompetenz, wovon andere Betroffene auf der Peer-Ebene profitieren.

Die Beratung wird nach dem „Peer Counseling" - Konzept (Betroffene beraten Betroffene) durchgeführt. „Peer Counseling" ist eine aktivierende Beratungstechnik des Redens und Zuhörens mit Elementen der Rogerschen Gesprächspsychotherapie und der Systemischen Therapie. Krankheitsbedingte Isolation kann durch den Erfahrungsaustausch mit einer gleichbetroffenen Person überwunden werden, gleichzeitig ermutigen solche Gespräche zu eigenen Problemlösungen und Handlungsalternativen.

Für eine selbstbewusste Entscheidung bei der Wahl einer Nierenersatztherapie ist es wichtig, umfangreiche Informationen zu den verschiedenen Verfahren zu bekommen. Engagiertes medizinisches Personal, Gespräche mit Gleichbetroffenen und ein unterstützendes soziales Umfeld sind notwendige Voraussetzungen für den Patienten, die richtige Wahl zu treffen - und mit größtmöglicher Lebensqualität weiterzuleben.

Das Heimdialyse-Projekt ist ein Kooperationsprojekt mit dem Bundesverband der Betriebskrankenkassen unter Trägerschaft des Berliner Zentrums für Selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen e.V.