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61. Jahrestagung der Norddeutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (NDGKJ)

Norddeutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e. V.

11.05. - 13.05.2012, Kiel

Intrauterine Wachstumsretardierung und assoziierte Immunantworten bei Frühgeborenen mit einem Schwangerschaftsalter <32 Wochen

Meeting Abstract

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  • B. Tröger - Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck

Norddeutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. 61. Jahrestagung der Norddeutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (NDGKJ). Kiel, 11.-13.05.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12ndgkjP29

DOI: 10.3205/12ndgkj29, URN: urn:nbn:de:0183-12ndgkj290

Veröffentlicht: 8. Mai 2012

© 2012 Tröger.
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Gliederung

Text

Einleitung: Die intrauterine Wachstumsretardierung (intrauterine growth retardation, IUGR) bezeichnet eine vorgeburtliche Entwicklungsstörung, bei der das Neugeborene bei Geburt das individuelle Wachstumspotential nicht vollständig ausgeschöpft hat. Sie gilt als bekannter Risikofaktor für eine erhöhte Mortalität und Langzeitmorbidität von Frühgeborenen. Die Gründe für die erhöhten Komplikationsraten sind nicht abschließend geklärt und können durch feto-maternale, genetische und immunologische Faktoren beeinflusst sein. Das Ziel unserer wissenschaftlichen Bemühungen war die Untersuchung von verschiedenen Parametern des angeborenen Immunsystems bei wachstumsretardierten Frühgeborenen.

Nach Geburt findet eine Einordnung der Neugeborenen in populationsbezogene Perzentilen statt und Kinder mit einem Geburtsgewicht <10. Perzentile werden als hypotroph oder SGA (small for gestational age) klassifiziert.

Methoden: Wir erhoben perinatale/neonatale Daten und Komplikationsraten bei 20 SGA- und 124 Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht ≥10. Perzentile (P) mit einem Gestationsalter ≤32+0 SSW. Zusätzlich führten wir Messungen von pro- (IL-6 und IL-8) und anti-inflammatorischen Zytokinen (IL-10 und TGF-ß) im Vollblutansatz durch und erhoben Differentialblutbilder an Lebenstag 1, 3 und 7.

Ergebnisse: SGA-Frühgeborene ≤32+0 SSW wiesen ein signifikant niedrigeres Gestationsalter, ein erhöhtes Risiko für Mortalität, bronchopulmonale Dysplasie (BPD) und operationspflichtige nekrotisierende Enterokolitis (NEC) auf.

SGA-Frühgeborene ≤32+0 SSW zeigten an Lebenstag 1,3 und 7 signifikant niedrigere Leukozyten- und Neutrophilenzahlen im Vergleich zu Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht ≥10. P auf. Die Normoblastenzahlen waren bei SGA-Frühgeborenen an Lebenstag 1 signifikant höher, die Thrombozytenzahlen signifikant niedriger als bei Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht ≥10. P. Ex-vivo zeigten SGA-Frühgeborene ≤32+0 SSW eine verminderte Expression sowohl der pro-inflammatorischen als auch der anti-inflammatorischen Zytokine nach Stimulation mit LPS.

Schlussfolgerungen: In unserer Studie fanden sich sowohl hinsichtlich der perinatalen/neonatalen Daten und Komplikationsraten, als auch in Bezug auf angeborene Immunantworten signifikante Unterschiede zwischen SGA-Frühgeborenen und Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht >10. Perzentile. Zahlreiche Komplikationen wie z.B. pulmonale oder neurologische Folgeerkrankungen sind zumindest teilweise durch inflammatorische Prozesse getriggert. Aktuell ist nicht abschließend geklärt, ob erniedrigte Zahlen inflammatorischer Zellen zu einer erhöhten Infektionsgefahr führen oder heranreifende Organe wie z.B. die Lunge und das Gehirn vor einer überschießenden pro-inflammatorischen Immunantwort schützen. Ein verschobenes Zytokingleichgewicht könnte zu einer verstärkten pro-inflammatorischen Immunantwort führen. Wünschenswert wäre eine auf Geburtsgewichtsperzentilen bezogene Erhebung von perinatalen/neonatalen Daten, Komplikationsraten, Behandlungsstrategien sowie von Parametern des angeborenen Immunsystems. Das Deutsche Frühgeborenen-Netzwerk GNN bietet eine geeignete Plattform für multizentrische Studien und zielt damit auf eine Optimierung der Datenerfassung, Risikostratifizierung und Therapie von Frühgeborenen ab.