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60. Jahrestagung der Norddeutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (NDGKJ)

Norddeutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e. V.

13.05. - 15.05.2011, Braunschweig

Pelvine Pyomyositis als eine Differentialdiagnose zur septischen Coxitis

Meeting Abstract

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  • F. Weller-Heinemann - Zentralkrankenhaus, Klinikum Bremen Mitte, Prof. Hess Kinderklinik, Bremen
  • H.-I. Huppertz - Zentralkrankenhaus, Klinikum Bremen Mitte, Prof. Hess Kinderklinik, Bremen

Norddeutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. 60. Jahrestagung der Norddeutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. Braunschweig, 13.-15.05.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11ndgkjPO-14

DOI: 10.3205/11ndgkj16, URN: urn:nbn:de:0183-11ndgkj168

Veröffentlicht: 2. Mai 2011

© 2011 Weller-Heinemann et al.
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Gliederung

Text

Die Pyomyositis ist eine spontane Abszeßbildung am Skelettmuskel, synonym wird sie auch als tropische Myositis oder infektiöse Myositis bezeichnet. Die Häufigkeit liegt bei 1:3000–4000 Notfallaufnahmen. Meist tritt sie in der wärmeren Jahreszeit auf, Jungen sind häufiger betroffen (2–3:1).

Wir berichten über den Verlauf eines 5-jährigen Knaben, der wegen anhaltendem Fieber und Hüftschmerzen zunächst ambulant als „Coxitis fugax“ behandelt worden war und dann bei ausbleibender Besserung über den Notdienst eingewiesen wurde. Der Allgemeinzustand war deutlich reduziert, die linke Hüfte in Schonhaltung.

Laboruntersuchungen zeigten erhöhte Entzündungsparameter (BSG 52 mm/h, Leuko 6,0 G/l, CrP 98 mg/l). Im Hüftsonogramm zeigte sich links 4 mm Erguss mit verdickter Gelenkkapsel, die rechte Seite war unauffällig. In der Gelenkpunktion waren mikroskopisch keine Bakterien und nur einzelne Granulozyten sichtbar. Im konventionellen Röntgen fanden sich keine Auffälligkeiten. Im MRT des Beckens Abszeßnachweis an der unteren Innenwand des kleinen Beckens in Höhe des Azetabulums. Sonographisch kann der Befund bestätigt werden. Inzwischen Eingang der positiven Blutkultur vom Aufnahmetag (Staph. aureus). Unter antibiotischer Therapie mit Flucloxacillin und Cefotaxim, später Clindamicin über insgesamt 7 Wochen, davon 4 Wochen parenteral, konnte eine restitutio ad integrum erreicht werden.

Die Pyomyositis ist eine seltene, hochfieberhafte Erkrankung, 25% der Patienten berichten über ein Trauma in der Vorgeschichte. Häufigster Erreger ist Staph.aureus, der in ca.75% der Fälle nachgewiesen werden kann. Die Blutkultur ist in 5 bis 30% der Patienten positiv. Meist betroffene Muskeln sind der m. iliopsoas, m. quadriceps, m. gluteus, m. gastrocnemius und nur sehr selten die pelvine Muskulatur. In 10 bis 40% ist der Befall multilokulär. Bemerkenswert ist die fehlende CK-Erhöhung. Die MRT ist das diagnostische Verfahren der Wahl. Unter adäquater Therapie hat die Erkrankung ein sehr gute Prognose.

Unser Fallbericht soll auf die pelvine Pyomyositis als mögliche Differentialdiagnose einer septischen Coxitis hinweisen.