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10. Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin (KIT 2010)

Deutsche Gesellschaft für Infektiologie,
Deutsche AIDS-Gesellschaft,
Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit,
Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie

23.06. - 26.06.2010, Köln

Probatorische antibiotische Therapie bei Patienten mit einer grenzwertigen Borrelienserologie: Ansprechrate und prädiktive Faktoren

Antibiotic therapy in patients with a borderline serology for Borrelia burgdorferi infection: response rate and predictive factors

Meeting Abstract

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  • S. Wagner - Universitätsklinik Erlangen, Medizinische Klinik 3, Erlangen, Germany
  • E. Harrer - Universitätsklinik Erlangen, Medizinische Klinik 3, Erlangen, Germany
  • T. Harrer - Universitätsklinik Erlangen, Medizinische Klinik 3, Erlangen, Germany

10. Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin (KIT 2010). Köln, 23.-26.06.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. DocP56

DOI: 10.3205/10kit112, URN: urn:nbn:de:0183-10kit1120

Veröffentlicht: 2. Juni 2010

© 2010 Wagner et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Die klinische Diagnose einer Borreliose ist wegen der unspezifischen Symptome oft schwierig. Zur serologischen Diagnostik wird die Durchführung eines ELISAs und nur bei positivem ELISA die Bestätigung durch einen Westernblot empfohlen. Aufgrund der Variabiliät der Erreger besteht jedoch der Verdacht, dass nicht alle Patienten diagnostiziert werden. Daher analysierten wir das Ansprechen auf eine probatorische antibiotische Therapie bei Patienten mit einer verdächtigen Symptomatik und einer grenzwertigen, jedoch formell nicht beweisenden Borrelienserologie.

Methoden:Für die retrospektive Studie wurden 47 Patienten analysiert, bei denen trotz einer nur grenzwertigen Borrelien-Serologie aufgrund der Symptomatik eine antibiotische Therapie durchgeführt wurde. Eine grenzwertige Serologie wurde definiert als Befundkonstellation mit negativem ELISA und positiven Banden im Westernblot oder mit positivem ELISA und negativem oder grenzwertigem Westernblot. Die Patienten wurden mittels eines Fragebogens bezüglich ihrer Anamnese, der Klinik sowie dem Ansprechen und Nebenwirkungen der antibiotischen Therapie befragt.

Ergebnisse: 64% der Patietenten berichteten über eine positive Zeckenanamnese und 30 % über ein Erythema migrans. Klinisch dominierten Arthralgien (77%), Muskelbeschwerden (60%), neurologische Symptome (49%) sowie verminderte Leistungsfähigkeit (51%). Der Großteil der Patienten wurde mit Doxycyclin (47%), Ceftriaxon (21%) oder sequentiell mit beiden Medikamenten (21%) antibiotisch behandelt. 45% gaben eine Besserung ihrer Beschwerden an. Patienten mit Ansprechen auf die Therapie berichteten signifikant häufiger über Myalgien (71% vs. 31%; p=0,01) und Muskelzucken (38% vs. 8%; p=0,03) als diejenigen ohne Besserung. Zudem berichteten 62% der Patienten mit Zeckenkontakt und Myalgien von einer Beschwerdebesserung, während es in der Gruppe ohne Zeckenanamnese bzw. ohne Muskelschmerzen lediglich 38% waren (p=0,016).

Schlussfolgerung: 45% der Patienten berichteten über eine Besserung ihrer Beschwerden durch eine antibiotische Therapie trotz einer Serologie, die formell als negativ gewertet wurde. Dies lässt darauf schließen, dass die vorhandenen Testsysteme zur Diagnostik einer Borreliose noch weiter verbessert werden müssen. Eine antibiotische Therapie bei Patienten mit einer grenzwertigen Borrelien-Serologie aber verdächtigen Klinik und Anamnese ist gerechtfertigt, wenn die klinischen Symptome die potentiellen Nebenwirkungen rechtfertigen.