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Familienmedizin in der hausärztlichen Versorgung der Zukunft. Wissenschaftlicher Kongress zur Positionsbestimmung der Familienmedizin in Deutschland.

Institut für Allgemeinmedizin und Familienmedizin der Universität Witten/Herdecke

11.11.2011, Witten

Welche Rolle spielt das häusliche Umfeld bei der Priorisierung in der Arzneimitteltherapie älterer multimorbider Patienten?

Meeting Abstract

  • Bianca Lehmann - Institut für Allgemeinmedizin, Medizinische Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Deutschland
  • M. Kip - Institut für Allgemeinmedizin, Medizinische Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Deutschland
  • G. Heusinger von Waldegg - Institut für Allgemeinmedizin, Medizinische Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Deutschland
  • Markus Herrmann - Institut für Allgemeinmedizin, Medizinische Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Deutschland

Familienmedizin in der hausärztlichen Versorgung der Zukunft. Wissenschaftlicher Kongress zur Positionsbestimmung der Familienmedizin in Deutschland. Witten, 11.-11.11.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11iaf15

DOI: 10.3205/11iaf15, URN: urn:nbn:de:0183-11iaf155

Veröffentlicht: 8. November 2011

© 2011 Lehmann et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund/Ziel: Werden ältere multimorbide Patienten aus der stationären in die ambulante Versorgung entlassen, müssen Hausärzte über die weitere Arzneimitteltherapie entscheiden. Welche Bedeutung kommt in diesem Entscheidungsprozess dem häuslichen Umfeld des Patienten zu?

Methoden: Grundlage bildeten die multimethodisch gewonnenen Daten des Projektes „Priorisierung von Arzneimitteln in der hausärztlichen Versorgung von Patienten über 60 Jahre mit Multimorbidität im Übergang von stationärer zu ambulanter Versorgung“ (Setting: Hausärzte in Sachsen-Anhalt). Die Transkripte von 4 Fokusgruppen wurde mittels Qualitativer Inhaltsanalyse (Mayring) analysiert; die Daten einer schriftlichen Befragung von 43 Hausärzten (14 Männer, 29 Frauen) wurden deskriptiv ausgewertet.

Ergebnisse: Die in der qualitativen Befragung herausgearbeiteten Kriterien bildeten die Grundlage für die Fragebogenerhebung (Abbildung 1 [Abb. 1]). Grundsätzlich sind patientenbezogene Faktoren für die Hausärzte als Kriterium für die Arzneimitteltherapie am bedeutsamsten. Die häusliche Versorgung rangiert dabei an vierter Stelle hinter Lebensqualität, Patientensicherheit und Patientenwille, die Unterschiede zwischen Hausärztinnen und Hausärzten sind nicht signifikant.

Im Rahmen der Gruppendiskussionen wurde von den Hausärzten das häusliche Umfeld v.a. in zwei Dimensionen thematisiert. Zum einen ist die Kenntnis der privaten Situation wichtig als Teil der sozialen Anamnese und der Bewertung der gesundheitlichen Lage des Patienten. Zum anderen ist sie von zentraler Bedeutung bei der Frage der Umsetzung der Arzneimitteltherapie. In diesem Sinne wird auch die Bedeutung des Hausarztes für die Sicherstellung einer angemessenen medizinischen Versorgung im häuslichen Umfeld von ihnen betont.

Schlussfolgerungen: Bei der Priorisierung in der Arzneimitteltherapie älterer multimorbider Patienten ist das häusliche Umfeld für die Hausärzte ein wichtiges Entscheidungskriterium. Dabei geht es nicht nur um die Sicherstellung der Einhaltung der Medikation, sondern auch um die Berücksichtigung sozialer Faktoren bei der Bewertung des Gesundheitszustandes des Patienten. Pauschalisierende Entscheidungshilfen sind daher nicht in der Lage, das komplexe Problemgefüge der Medikation bei Multimorbidität im Alter angemessen zu berücksichtigen.