gms | German Medical Science

Familienmedizin in der hausärztlichen Versorgung der Zukunft. Wissenschaftlicher Kongress zur Positionsbestimmung der Familienmedizin in Deutschland.

Institut für Allgemeinmedizin und Familienmedizin der Universität Witten/Herdecke

11.11.2011, Witten

Familie als System: Biographie und Genogramm

Meeting Abstract

Suche in Medline nach

  • Bruno Hildenbrand - Institut für Soziologie, Universität Jena
  • Vera Kalitzkus - Institut für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Universität Witten/Herdecke

Familienmedizin in der hausärztlichen Versorgung der Zukunft. Wissenschaftlicher Kongress zur Positionsbestimmung der Familienmedizin in Deutschland. Witten, 11.-11.11.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11iaf10

DOI: 10.3205/11iaf10, URN: urn:nbn:de:0183-11iaf105

Veröffentlicht: 8. November 2011

© 2011 Hildenbrand et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Familie und Lebensgeschichte haben einen großen Einfluss auf den Umgang mit Gesundheit und Krankheit eines Menschen. Hier finden sich sowohl Ressourcen zur Lebensbewältigung wie auch hemmende Faktoren. Biographische Analysen können tieferen Einblick in förderliche wie hinderliche Kräfte im Leben eines Patienten zur Bewältigung seiner Krankheit geben. Damit sind sie ein hilfreiches Instrument für die hausärztliche Tätigkeit.

In diesem Workshop stellen wir die von Bruno Hildenbrand entwickelte Methode der Biographie- und Genogrammanalyse vor, die auch in der hausärztlichen Praxis umsetzbar ist. Die „objektiven Daten“ der Lebensgeschichte eines Patienten (Geburtstag, Stellung in der Geschwisterfolge, Beruf, Wohnort, Krankheiten) sind das Ergebnis von Entscheidungen, die ein Mensch zur Bewältigung seines Lebens innerhalb der ihm gegebenen Möglichkeitsräume getroffen hat. Vergleicht man die getroffenen Entscheidungen mit anderen Möglichkeiten, die vorstellbar sind, aber nicht gewählt wurden, lassen sich bestimmte Muster innerhalb einer Familiengeschichte entdecken. Zieht man vorangegangene Generationen in die Analyse mit ein werden intergenerational „vererbte“ Strukturmuster erkennbar. Sie können dem Patienten Kraft geben, wenn er auf sie zur Lebensbewältigung zurückgreifen kann. Möglich ist jedoch auch, dass er zur Bewältigung seiner heutigen Lebensproblematik andere Strategien entwickeln muss. Die Analyse eines Genogramms kann auf folgende Fragen konkrete Antworten geben: Gibt es in der Familie Vorbilder für die Lebens- bzw. Krankheitsbewältigung? Wie war der Umgang in der Verwandtschaft mit dem gleichen Krankheitsbild? Welche Risiken (belastende Strukturen, negative Überzeugungen) lassen sich erkennen?

Anhand einer gemeinsam zu erarbeitenden Fallanalyse aus dem Projekt „Gesundheitsfördernde Praxen. Die Chancen einer salutogenetischen Orientierung in der hausärztlichen Praxis“ ([1]) möchten wir die Methode praktisch erfahrbar machen und ihre Umsetzungsmöglichkeit in der hausärztlichen Praxis diskutieren.


Literatur

1.
Bahrs O, Matthiessen PF. Gesundheitsfördernde Praxen. Die Chancen einer salutogenetischen Orientierung in der hausärztlichen Praxis. Bern: Huber; 2007.
2.
Hildenbrand B. Ereignis, Krise und Struktur – ein Konzept von Wandel im Lebenslauf und in Beratung und Therapie. Familiendynamik. 2011;36(2):2-11.
3.
Hildenbrand B. Fallrekonstruktive Familienforschung und Familientherapie: Die Sequenzanalyse in der Genogrammarbeit. Familiendynamik. 2004;3:257-87.
4.
Hildenbrand B. Die Bedeutung biographischer Themen im Beratungsprozess. Das Genogramm in der Beratungsarbeit. Blickpunkt EFL. 2000:48-54.