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11. Symposium Health Technology Assessment

Deutsche Agentur für HTA des DIMDI – DAHTA

17. - 18.03.2011, Köln

Health Technology Assessment: Erwartungen an den Impact

Meeting Abstract

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  • Bernhard Gibis - Kassenärztliche Bundesvereinigung, Berlin

11. Symposium Health Technology Assessment. Köln, 17.-18.03.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11hta09

DOI: 10.3205/11hta09, URN: urn:nbn:de:0183-11hta092

Veröffentlicht: 16. März 2011

© 2011 Gibis.
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Gliederung

Abstract

Health Technology Assessment (HTA) als Instrument des Wissens- und Informationsmanagements für beständig komplexer werdende Gesundheitssysteme hat seit seiner Etablierung in den späten 1980er Jahren einen systemrelevanten Stellenwert in nahezu allen modernen Gesundheitssystemen erlangt. Informationen und Wissen so aufbereitet zeitgerecht zur Verfügung zu stellen, dass Entscheidungsträger informierte Entscheidungen treffen können, ist Hauptanliegen und -zweck von HTA. HTA kann deshalb konsequenterweise als Technologie verstanden werden, deren Nutzen selbst kontinuierlich nachgewiesen werden muss. Wesentlicher Bestandteil eines Nutzennachweises für HTA ist neben der Aufwandsschätzung die Ermittlung des Impacts auf die Gesundheitssystementwicklung im Allgemeinen und auf einzelne, technologiebezogene Entscheidungen im Besonderen. Klar unterschieden werden muss deshalb bei einer Darlegung der Erwartungen an den Impact zwischen der Erwartung an HTA als Instrument sui generis sowie an derjenigen bezüglich einzelner HTA-Berichte.

Bezogen auf Systemebene kann festgestellt werden, dass HTA respektive HTA-Instrumente neben der Etablierung von DAHTA beim DIMDI durch den Gesetzgeber systematisiert in Entscheidungsabläufe der Selbstverwaltung integriert wurden (z.B. Gründung des IQWIG, Einführung der schnellen Nutzenbewertung im Arzneimittelausschuss des G-BA). Daraus abgeleitet werden kann, dass die Erwartungen an den Impact im Laufe dieser schrittweisen Integration bislang offensichtlich nicht grundsätzlich enttäuscht wurden. Dies ist umso mehr überraschend, da alleine schon die Eingrenzung von Freiheitsgraden der bisherigen Entscheidungshoheit als unerwünschter Impact von HTA gewertet werden kann und nicht selten einen unauflösbaren Zielkonflikt darstellt.

Die Erwartungen an den Impact einzelner HTA-Berichte variieren je nach Perspektive der am Entscheidungsprozess beteiligten Akteure. Erwartungen sind deshalb unlösbar mit der Erwartungshaltung der Akteure verbunden, die nicht immer – getriggert durch die je nach eigener Perspektive positiven oder negativen Ergebnisse der Berichte – vorurteilsfrei dem Instrument HTA gegenüber stehen. Verschiedene qualitative Befragungen in verschiedenen Settings haben gezeigt, dass die Erwartungen von HTA-Nutzern (Öffentliche Entscheider, Industrie, Patientenorganisationen, Leistungserbringerorganisationen) insbesondere enttäuscht werden im Hinblick auf die Zeitnähe der HTA-Berichte, der fehlenden Kenntnis des Gesundheitssystemzusammenhangs seitens der Autoren, fehlende Möglichkeiten, die Ergebnisse auf den lokalen Kontext zu beziehen sowie auf administrative Hürden, die die Nutzung der Berichte erschweren. Der Impact selbst ist als Komposit verschiedener Wirkungen auf das Gesundheitssystem, zudem auch noch an unterschiedlichen Stellen und zu unterschiedlichen Zeitpunkten, zu verstehen. Von entscheidender Bedeutung ist dabei, welche Erwartungshaltungen durch HTA-Berichte geweckt werden, mit anderen Worten: Welches zielgruppenspezifisches Leistungsversprechen wird mit dem HTA-Bericht durch die Berichtersteller abgegeben u.a. hinsichtlich der Methodik, der Verlässlichkeit und der Reproduzierbarkeit der Ergebnisse sowie der Einbettung der Ergebnisse in den jeweiligen Gesundheitssystemkontext. Dies gilt gleichermaßen für die ex ante Abgrenzung der Bedeutung des Berichts bezüglich des assessments und des appraisals der im Bericht bewerteten Technologie. Zwar kann die durch systemische Rahmenbedingungen häufig vorgefasste Erwartungshaltung der Akteure nur bedingt geändert werden, dennoch sollten Nutzer zumindest durch die klare Darlegung des Leistungsversprechens des Produkts HTA in die Lage versetzt werden, eine realistische Erwartungshaltung aufzubauen zu können.