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11. Symposium Health Technology Assessment

Deutsche Agentur für HTA des DIMDI – DAHTA

17. - 18.03.2011, Köln

Bewerten und Erfassen von HTA-Impact – ein Evaluationskonzept

Meeting Abstract

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  • Evelyn Dorendorf - Universität Bielefeld, Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Bielefeld
  • Ansgar Gerhardus - Universität Bielefeld, Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Bielefeld

11. Symposium Health Technology Assessment. Köln, 17.-18.03.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11hta08

DOI: 10.3205/11hta08, URN: urn:nbn:de:0183-11hta081

Veröffentlicht: 16. März 2011

© 2011 Dorendorf et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Abstract

Wie systematische Reviews zeigen [2], [4], [3], [6], haben Health Technology Assessment und die Bewertung seines Impacts im letzten Jahrzehnt stark an Bedeutung gewonnen. Aufgrund des Fehlens eines einsatzfähigen Evaluationsinstruments werden die Effekte von HTA- und Evidenzberichten jedoch noch viel zu wenig und größtenteils unsystematisch erfasst.

HTA ist sowohl ein wissenschaftlicher Prozess als auch eine Gesundheitstechnologie. Als letztere muss Health Technology Assessment den gleichen strengen Evaluationskriterien genügen wie andere Technologien und sich demzufolge an seinen Effekten messen lassen [4]. Weitere Gründe für die Notwendigkeit eines Impactassessments sind beispielsweise a) Unterstützung der Priorisierung (zukünftige Ausgaben für und Fragestellungen von HTA sollten je nach erwartetem Impact behandelt werden), b) Relevanz (ohne eine Evaluation des Impacts – und dessen steuernde Wirkung – kann HTA irrelevant bleiben), c) Nutzung (Impact fördernde und hemmende Faktoren müssen identifiziert werden, um die Wahrscheinlichkeit der HTA-Nutzung zu erhöhen), d) Aufwand (die Verwendung von Ressourcen für die Gesundheitsforschung müssen sich rechtfertigen lassen) [1], [7], [8].

HTA-Impact ist nicht eindimensional, sondern kann in verschiedenen Formen (direkt, indirekt) auftreten. In Anlehnung an Gerhardus [5] und Landry et al. [10], [9] haben Gerhardus et al. [4] ein Stufenmodell zur Erfassung direkten Impacts abgeleitet. Das Modell umfasst folgende sechs Stufen: Wahrnehmung, Akzeptanz, Politischer Prozess, Politische Entscheidung, Umsetzung in die Praxis, finale Outcomes bzw. Ergebnisse [4].

Schwieriger zu erfassen sind die indirekten Einflüsse von HTA- und Evidenzberichten. Dazu zählen beispielsweise die Veränderung von Diskursen oder die Beteiligung betroffener Akteure am HTA-Prozess. Carol Weiss nannte diese Formen des Impacts „Enlightenment“ bzw. „Interaktion“ [12].

Für ein Evaluationskonzept zur Erfassung von HTA-Impact sind auch die Zielakteure der Berichte wichtig. Diese lassen sich in die Ebenen Mikroebene (individuelle Personen/Akteure), Mesoebene (Verbandsebene, Industrie) Makroebene (politische Entscheidungsgremien) und die Ebene Sonstige (Medien, Forschung(-sprogramme)) einteilen [6], [11].

In den systematischen Reviews [2], [4], [6] wurde deutlich, dass in Untersuchungen unterschiedliche Erhebungsmethoden zu unterschiedlichen Ergebnissen führen können. Daher sollten mehrere Methoden im Sinne einer Triangulation miteinander kombiniert werden, um die Ergebnisse besser einordnen zu können bzw. die Motive hinter (nicht) auftretenden Veränderungen zu verstehen.

Neben dem erheblichen zeitlichen, personellen bzw. finanziellen Aufwand, zählt es zu den besonderen Herausforderungen der Impacterfassung, die wesentlichen Zielakteure eines Berichts mit ins Boot zu holen.

Die oben genannten Gründe machen jedoch deutlich, dass eine Erhebung des Impacts von HTA- und Evidenzberichten notwenig ist. Das vorgestellte Konzept bietet eine Grundlage dafür.


Literatur

1.
Buxton M, Hanney S. How can payback from health services research be assessed? J Health Serv Res Policy. 1996;1(1):35-43.
2.
Dorendorf E, Gerhardus A. A systematic Review of the Impact of HTA Reports (Poster T-026). In: IV Annual Meeting Health Technology Assessment International: Book of Abstracts; 17.-20.06.2007; Barcelona, Spanien; 2007.
3.
Gerhardus A, Dintsios CM. Der Einfluss von HTA-Berichten auf die gesundheitspolitische Entscheidungsfindung – Eine systematische Übersichtsarbeit. GMS Health Technol Assess. 2005;1:Doc02. Available from: http://portal.dimdi.de/de/hta/hta_berichte/hta031_bericht_de.pdf Externer Link
4.
Gerhardus A, Dorendorf, E, Røttingen JA, Sarriá Santamera A. What are the effects of HTA re-ports on the health system? Evidence from the research literature. In: Velasco Garrido M, Kristensen FB, Palmhøj Nielsen C, Busse R, eds. Health Technology Assessment and Health Policy-Making in Europe: Current status, challenges and potential. WHO. 2008;109-36.
5.
Gerhardus A, Dujardin M, Kiet PHT, Siddiqi S, Sauerborn R. A methodology to assess the use of research for health policy development [SFB 544 Discussion Paper 04/2000]. Heidelberg: University of Heidelberg; 2000.
6.
Gerhardus A. Konzepte und Methoden zur Erhebung des Einflusses von HTA-Berichten auf das Gesundheitswesen [Magisterarbeit]. Hannover: Medizinische Hochschule; 2005.
7.
Hanney SR, Gonzalez-Block MA, Buxton MJ, Kogan M. The utilisation of health research in policy-making: concepts, examples and methods of assessment. Health Res Policy Syst. 2003;1(1):2. DOI: 10.1186/1478-4505-1-2 Externer Link
8.
Hanney, SR, Gonzales-Block MA, Buxton MJ, Kogan M. The utilization of health research in policy-making: concepts, examples and methods of assessment. HERG Research Report 28. Uxbridge, UK: Brunel University; 2002. Available from: http://www.brunel.ac.uk/3289/Herg1/RR28.pdf Externer Link
9.
Landry R, Amara N, Lamari M. Climbing the Ladder of Research Utilization. Evidenz from Social Science Research. Science Communication. 2001;22(4):396-422. DOI: 10.1177/1075547001022004003 Externer Link
10.
Landry R, Amara N, Lamari M. Utilization of social science research knowledge in Canada. Research Policy. 2001;30:333-49. DOI: 10.1016/S0048-7333(00)00081-0 Externer Link
11.
Rosenbrock R, Gerlinger T. Gesundheitspolitik. Eine systematische Einführung. Bern: Verlag Hans Huber; 2006.
12.
Weiss CH. The many Meanings of Research Utilization. Public Administration Review. 1979;39:426-31. DOI: 10.2307/3109916 Externer Link