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9. Symposium Health Technology Assessment

Deutsche Agentur für HTA des DIMDI – DAHTA@DIMDI

17. - 18.10.2008, Köln

Rationale Impfpolitiken – Grundlagen rationaler Entscheidungsprozesse

Meeting Abstract

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  • Brigitte Piso - Ludwig Boltzmann Institut, Health Technology Assessment, Wien

9. Symposium Health Technology Assessment. Köln, 17.-18.10.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. Doc08hta15

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/hta2008/08hta15.shtml

Veröffentlicht: 14. Oktober 2008

© 2008 Piso.
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Gliederung

Abstract

Die Heterogenität nationaler Impfpläne und die jüngsten Diskussionen über die Aufnahme und Finanzierung neuer Impfungen in nationale Impfprogramme werfen die Frage auf, ob Instrumente verfügbar sind, die rationale Diskussions- und Entscheidungsprozesse unterstützen können.

Aus diesem Grund wurde begleitend zum HPV-Bericht des Ludwig Boltzmann Instituts für Health Technology Assessment eine systematische Literatursuche sowie eine manuelle Suche in Referenzen und auf institutionellen Webseiten durchgeführt, die fünf Schlüsseldokumente zu „rationalen Impfpolitiken“ identifizierte. Die Analyse der Kriterien „Krankheit“ (Krankheitslast und deren Folgen) und „Impfung“ (Eigenschaften verfügbarer Impfstoffe) nehmen in allen Arbeiten eine zentrale Rolle im Entscheidungsprozess ein. Eine Kosten-Effektivitäts-Analyse wird ebenfalls von allen Autoren verlangt. Sie wird allerdings von vielen Faktoren beeinflusst und basiert auf Annahmen sowohl die Kosten des Impfstoffes sowie des zusätzlichen Aufwands für das Impfprogramm einerseits, als auch den Nutzen, also die reale Effektivität der Impfung betreffend. Wichtige Variablen stellen in diesem Zusammenhang beispielsweise die reale Durchimpfungsrate der (Risiko-) Population sowie das Auftreten unerwarteter, die Akzeptanz beeinflussender Nebenwirkungen und aller durch die Einführung der neuen Impfung möglicher Nebeneffekte (z. B. Einfluss auf bestehende alternative präventive Maßnahmen) dar. Die begrenzte Aussagekraft eines reinen Kosten-Nutzen Zugangs muss daher durch weitere Faktoren wie Fragen der Umsetzbarkeit und/oder Adaptierbarkeit einer neuen Impfung in den bestehenden Impfplan, der Möglichkeit der Überwachung wichtiger Auswirkungen auf die Bevölkerung und das Gesundheitssystem sowie der Akzeptanz in der Zielpopulation ergänzt werden. Weiters müssen in die Entscheidung Gleichheitsgrundsätze (potentielle Verstärkung sozialer Ungleichheit) sowie ethische und rechtliche Überlegungen einfließen. Politische Überlegungen, unmittelbarer Nutzen aber auch mögliche negative Auswirkungen einer Entscheidung, sollen transparent dargestellt werden.

Um die Anwendbarkeit und Akzeptanz eines umfassenden Analyserasters zu erleichtern, wird im vorliegenden Bericht ein schrittweises Vorgehen anhand eines Stufenmodells zur Diskussion gestellt. Vor der eigentlichen Analyse sollten demnach die Public Health Relevanz des Gesundheitsproblems, bereits im Gesundheitssystem eingeführte Alternativen und deren Effekte, die Vergleichbarkeit mit anderen nationalen Impfplänen und das Vorhandensein noch ungeklärter wichtiger wissenschaftlicher Fragen erhoben und die Zielsetzung des Impfprogramms definiert werden.

Um die internationale Diskussion weiter zu forcieren wurde der Bericht in englischer Sprache verfasst. Mittels Delphi-Prozess wurden im Frühjahr/Sommer 2008 internationale ImpfexpertInnen dazu eingeladen, die gesammelten Kriterien für Impfentscheidungsprozesse wenn nötig weiter zu ergänzen, beziehungsweise mit derzeit angewendeten und möglicherweise nicht publizierten Kriterien zu vergleichen. Die Relevanz der einzelnen Faktoren für reale Impfentscheidungen sollten bewertet und die Anwendbarkeit des vorgeschlagenen Stufenmodells diskutiert werden.

Der Mangel an standardisierten Parametern, klar definierten Grenzen und einer vergleichbaren Gewichtung der eingeschlossenen Kriterien, erschweren derzeit rationale Impfentscheidungsprozesse. Die Analyse aller relevanten Faktoren sollte dennoch Entscheidungsträger in rationalen und nachvollziehbaren Entscheidungen unterstützen können, Unsicherheiten durch Berücksichtigung und Diskussion aller Einfluss nehmenden Faktoren so weit wie möglich reduzieren und die Akzeptanz in der Bevölkerung durch transparente Kommunikation verbessern.