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9. Symposium Health Technology Assessment

Deutsche Agentur für HTA des DIMDI – DAHTA@DIMDI

17. - 18.10.2008, Köln

Adherence – Der Einzelne und die Solidargemeinschaft

Meeting Abstract

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  • Josef Lecheler - CJD Berchtesgaden, CJD Asthmazentrum, Berchtesgaden

9. Symposium Health Technology Assessment. Köln, 17.-18.10.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. Doc08hta06

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/hta2008/08hta06.shtml

Veröffentlicht: 14. Oktober 2008

© 2008 Lecheler.
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Gliederung

Abstract

Das Ausmaß des Befolgens ärztlicher Anordnungen durch den Patienten wird allgemein als Compliance bezeichnet. Das Fehlen dieser Compliance, die Non-Compliance wird je nach Indikationsgebiet und Therapieempfehlung unterschiedlich eingeschätzt und reicht von 25% bei der Arzneimitteltherapie bis zu maximal 70% bei allgemeinen Therapieempfehlungen. Die Folgekosten der Non-Compliance sind erheblich: Ein direkter Zusammenhang von teuren stationären Behandlungsnotwendigkeiten und dem Ausmaß der Compliance lässt sich indikationsspezifisch herstellen.

Nicht zuletzt diese gesundheitsökonomischen Gründe und damit die Belastung der Solidargemeinschaft leiten derzeit einen Paradigmenwechsel des Compliancebegriff ein, der sich zunächst in begrifflichen Veränderungen bemerkbar macht. So wird unter Adherence das Ausmaß der Übereinstimmung des Patienten mit ärztlichen Verordnungen betont, unter Concordance nicht nur die Übereinstimmung sondern auch ausdrücklich die Zustimmung des Patienten. Begriffliche Änderungen alleine lösen freilich das prinzipielle Problem nicht: Selbstverständlich gibt es auch Non-Adherence und Non-Concordance. Nicht immer sind diese mangelnden Übereinstimmungen und Zustimmungen zu ärztlichen Therapieempfehlungen unbeabsichtigt. Ebenso häufig wie mögliche Überforderungen oder praktische Barrieren bei der Umsetzung eines Therapiemanagements sind deshalb unterschiedliche (alternative) health believes (Gesundheitsüberzeugungen) oder Perzeptionsbarrieren – insbesondere im Kindesalter – zu beachten, die eine Adherence oder Concordance von vorneherein nicht zulassen.

Eine Verbesserung von Compliance, Adherence und Concordance wird erreicht wenn der Patient Erkrankung und Behandlungsprinzipien versteht, die Auslöser erkennt und gegebenenfalls rechtzeitig den Arzt aufsucht. Neben der Verantwortung des einzelnen Patienten besteht aber auch – mehr als früher – die Verantwortung des Arztes oder Therapeuten, der die Kontextbedingungen des Patienten in seinen Therapieempfehlungen einrechnen muss. Validierte indikationsspezifische verhaltensmedizinische Schulungsprogramme sind erfolgreiche Hilfsmittel um dieses Ziel zu erreichen – bei chronischen Erkrankungen neuerdings auch mit Hilfe moderner Medien.