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8. Symposium Health Technology Assessment

Deutsche Agentur für HTA des DIMDI – DAHTA@DIMDI

18. - 19.10.2007, Köln

Medizinische Klassifikationen und ihre Anwendung in Deutschland

Meeting Abstract

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  • corresponding author Ulrich Vogel - Medizinische Klassifikationen, Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI), Köln, Deutschland

Deutsche Agentur für Health Technology Assessment des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information. 8. Symposium Health Technology Assessment. Köln, 18.-19.10.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07hta02

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/hta2007/07hta02.shtml

Veröffentlicht: 12. Oktober 2007

© 2007 Vogel.
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Gliederung

Abstract

Für eine zukunftsorientierte Kommunikation zwischen den Partnern in der Patientenversorgung, der Erforschung von Krankheiten und Therapieverfahren (einschließlich ihrer Evaluation) sowie zur effizienten Steuerung des Gesundheitswesens sind einheitliche Begriffssysteme und darauf basierende, statistisch zuverlässige Daten zwingend notwendig. Klassifikationen, Nomenklaturen und Thesauri führen z.B. die vielfältigen Krankheitsbezeichnungen zusammen (ICD-10) und erlauben somit strukturierte Analysen oder die Anwendung übergeordneter Prozesslogik (DRG-System). Der Gesetzgeber hat das DIMDI mit der Herausgabe und Pflege solcher Begriffssysteme beauftragt. Dabei arbeitet das Institut eng mit nationalen und internationalen Organisationen zusammen. Eine zentrale Rolle bei der Pflege und Weiterentwicklung nehmen beispielsweise international die WHO und national das Kuratorium für Fragen der Klassifikation im Gesundheitswesen (KKG) wahr, in dem alle maßgeblichen Partner des deutschen Gesundheitswesens vertreten sind. Die Geschäftsstelle des KKG ist beim DIMDI angesiedelt. Die nachfolgenden Ausführungen stellen einen groben Überblick über die Anwendung der medizinischen Klassifikationen und Begriffssysteme in Deutschland dar:

Die von der Weltgesundheitsorganisation herausgegebene ICD-10 wird weltweit zur Diagnosenklassifikation eingesetzt. Ziel der ICD ist die weltweite Erforschung von Morbidität und Mortalität mit einer international einheitlichen Systematik zu ermöglichen. Die deutschsprachigen Ausgaben der ICD-10 werden im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit vom DIMDI erstellt und herausgegeben. In der vertragsärztlichen und in der stationären Versorgung wird die ICD-10-GM, zur Todesursachenverschlüsselung die ICD-10-WHO eingesetzt. Eine Spezialausgabe für Tumorerkrankungen stellt die ICD-O dar, die z.B. in den Krebsregistern Anwendung findet. Die internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) der WHO beschreibt gemeinsam mit der ICD den Gesundheitszustand. Sie findet aktuell Anwendung in der Rehabilitation.

Seit 1996 wird der Operationen- und Prozedurenschlüssel (OPS) eingesetzt, um Operationen und andere medizinische Prozeduren im Krankenhaus zu verschlüsseln. Gemeinsam mit der ICD-10-GM bildet der OPS die Basis für das G-DRG-System zur Vergütung stationärer Leistungen.

Das Universal Medical Device Nomenclature System (UMDNS) dient der Verschlüsselung von Medizinprodukten. Das DIMDI gibt seit 1996 die deutsche Übersetzung der Nomenklatur in der Version 1.0 heraus. Die GMDN (Global Medical Device Nomenclature) und die EDMA-Klassifikation sind weitere Bezeichnungssysteme für Medizinprodukte.

Beim MeSH (Medical Subject Headings) handelt es sich um einen Thesaurus, der von der National Library of Medicine (NLM) erstellt und fortlaufend pflegt wird. Der MeSH ist ein Thesaurus von Schlagwörtern aus der Medizin zur Katalogisierung von Buch- und Medienbeständen und zur Indexierung von Datenbankbeständen (Medline). Da ein vergleichbarer deutschsprachiger Thesaurus fehlte, hat das DIMDI den MeSH übersetzt und aktualisiert diese Übersetzung jährlich.

Das Unified Medical Language System (UMLS) enthält medizinische Bezeichnungen und semantische Beziehungen zwischen diesen. Die Bezeichnungen stammen aus etwa 100 Ordnungssystemen und medizinischen Nomenklaturen vieler Sprachen. Das DIMDI liefert jährlich umfangreiches deutsches Vokabular in das UMLS.

Logical Observation Identifiers Names and Codes (LOINC) dient v.a. der Verschlüsselung im Laborbereich und ist damit für den effektiven Datenaustausch mit anderen medizinischen Systemen in Klinik oder Praxis einsetzbar. Damit ist LOINC ein weiterer wichtiger Baustein für eine funktionierende Telematik-Infrastruktur in Deutschland.

Das DIMDI gibt seit dem 01. Januar 2004 die jährlich aktualisierte amtliche Fassung der Anatomisch-Therapeutisch-Chemische Klassifikation (ATC-Klassifikation) mit definierten Tagesdosen (DDD, Defined Daily Doses) heraus. Die ATC gruppiert Wirkstoffe nach Wirkort und Eigenschaften. Den Wirkstoffen wird eine DDD zugeordnet. Die DDD ist die angenommene mittlere tägliche Erhaltungsdosis für die Hauptindikation eines Wirkstoffes bei Erwachsenen.

Das DIMDI stellt zu den genannten medizinischen Klassifikationen und Ordnungssystemen umfangreiches Informations- und Datenmaterial auf seinen Webseiten zur Verfügung.