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95. Jahrestagung der Vereinigung Südwestdeutscher Hals-Nasen-Ohrenärzte

16. - 17.09.2011, Heidelberg

Postoperative beidseitige Hypoglossusparese mit einseitiger Rekurrensparese bei einer Patientin mit einem Hypopharynxkarzinom: ein Fallreport

Meeting Abstract

  • corresponding author Nikolaus Möckelmann - Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf-Hals-Chirurgie Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Deutschland
  • author Angelina Mumme - Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf-Hals-Chirurgie Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Deutschland
  • author Rainald Knecht - Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf-Hals-Chirurgie Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Deutschland
  • author Adrian Münscher - Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf-Hals-Chirurgie Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Deutschland

Vereinigung Südwestdeutscher Hals-Nasen-Ohrenärzte. 95. Jahrestagung der Vereinigung Südwestdeutscher Hals-Nasen-Ohrenärzte. Heidelberg, 16.-17.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11hnosw16

DOI: 10.3205/11hnosw16, URN: urn:nbn:de:0183-11hnosw164

Veröffentlicht: 11. Juli 2011

© 2011 Möckelmann et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Nach Intubationsnarkose aufgetretene Hirnnervenparesen, insbesondere der Hirnnerven X und XII sind erstmals 1904 unter dem Tapia Syndrom publiziert worden. Seitdem wurden nur wenige Fälle beschrieben, die am ehesten durch eine Druck- oder Dehnungsschädigung der Nerven im Rahmen einer Intubation bedingt waren. Differentialdiagnostisch ist dabei immer eine Hirnstamm- und Schädelbasisläsion, eine Dissektion der Arteria carotis interna oder nach chirurgischen Eingriffen eine direkte Verletzung der Nerven auszuschließen.

Methoden: Fallbeschreibung einer Patienten mit einer postoperativ aufgetretenen beidseitigen Hypoglossusparese und einseitiger Rekurrensparese; Übersicht über die Literatur

Ergebnisse: Wir berichten über eine 59-jährige Patientin mit einem cT2 cN0 cM0 Hypopharynxkarzinom der linken Seite, welches primär via lateraler Pharyngotomie reseziert wurde. Darüber hinaus wurde eine beidseitige Selektive Neck dissection der Level II-IV durchgeführt. Trotz intraoperativ sicherer Schonung der Hirnnerven während des Eingriffs entwickelte die Patientin postoperativ eine ausgeprägte Dysphagie und Dysarthrie. Die neurologische Beurteilung ergab eine Paralyse der vom Nervus Hypoglossus versorgten Zungenmuskulatur beidseits, sowie eine rechtsseitige Rekurrensparese. Bildmorphologisch (cMRT) ergab sich kein Hinweis auf eine zentralnervöse Ursache der Paresen. Bei konsekutiv entstandener zusätzlicher Aspirationsneigung musste eine temporäre Tracheotomie sowie PEG-Sonden Anlage durchgeführt werden.

Unter hochdosierter Glukokortikoidgabe (1 g Methylprednisolon i.v./d) für 3 Tage und regelmäßigem logopädischem Training kam es zu einer Zunahme der Stimmlippen- und Zungenbeweglichkeit, welche 3 Monate postoperativ jedoch noch nicht vollständig rückläufig ist.

Schlussfolgerung: In der Literatur sind verschiedene Kombinationen von postoperativen sowohl ein -als auch beidseitigen Hirnnervenläsionen beschrieben. Sind andere Ursachen wie eine direkte chirurgische Verletzung der Nerven oder zentrale Schädigungen ausgeschlossen, sollte differentialdiagnostisch an eine durch die Intubation bedingte Schädigung gedacht werden. Eine mechanische Irritation die zu einer Degeneration der Axone führt, steht dabei im Vordergrund der Pathogenese, Die Prognose wird als gut beschrieben. Es kommt im Großteil der Fälle zu einem vollständigen Rückgang der Symptome meist innerhalb eines Jahres. Eine hochdosierte Steroidgabe und die Substitution von Vitamin B12, B6 wird zur Förderung der Nervenregeneration empfohlen.


Literatur

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