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81. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V.

12.05. - 16.05.2010, Wiesbaden

Malignommetastase als Differenzialdiagnose des Tumors im inneren Gehörgang – Wann sollte bei Verdachtsdiagnose eines Vestibularisschwannoms die Histologiesicherung erfolgen?

Meeting Abstract

  • corresponding author Wolfgang Maier - Univ.-HNO-Klinik, Freiburg, Deutschland
  • Eva Rieh - Univ.-HNO-Klinik, Freiburg, Deutschland
  • Frederike Hassepaß - Univ.-HNO-Klinik, Freiburg, Deutschland
  • Tanja D. Grauvogel - Univ.-HNO-Klinik, Freiburg, Deutschland
  • Gerd J. Ridder - Univ.-HNO-Klinik, Freiburg, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. 81. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. Wiesbaden, 12.-16.05.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10hnod370

DOI: 10.3205/10hnod370, URN: urn:nbn:de:0183-10hnod3707

Veröffentlicht: 22. April 2010

© 2010 Maier et al.
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Gliederung

Text

Bei Tumoren des inneren Gehörgangs (IGG) handelt es sich zu über 90% um Vestibularisschwannome (VS). Die Bestrahlung wird in den letzten Jahren zunehmend als Primärtherapie propagiert.

Wir berichten über eine Patientin, die sich mit progredienter einseitiger Schwerhörigkeit und Schwindelattacken vorstellte. MR-tomographisch bestand eine den IGG ausfüllende Raumforderung mit VS-typischem Kontrastmittel-Enhancement. Die Eigenanamnese war bis auf ein 2001 exstirpiertes Melanom am Unterschenkel ohne Auffälligkeiten; Staging und Nachsorge hatten bislang keine Metastasen ergeben. Nach Aufklärung über die Therapiealternativen beim VS entschied sich die Patientin zur translabyrinthären Exstirpation.

Intraoperativ war der Tumor blutungsreich und haftete ungewöhnlich fest am N. facialis, der eine völlig normale Funktion gezeigt hatte. Wir entschieden uns zur Schnellschnittuntersuchung, welche eine Melanommetastase ergab. So verzichteten wir auf eine radikale Exstirpation, die eine Resektion des N. facialis erfordert hätte. Das Re-Staging ergab neu aufgetretene pulmonale und lumbale Metastasen, woraufhin eine palliative Chemotherapie eingeleitet wurde.

Im Schrifttum werden etwa 5% Tumore seltener Histologie im IGG beschrieben, die unterschiedliche Therapiemodalitäten erfordern. Zugleich trägt die MRT selten zur Klärung der Differenzialdiagnose bei. Unser Fallbericht zeigt, dass auch ein VS-typischer präoperativer Verlauf mit einer gänzlich anderen Diagnose einhergehen kann. Vor diesem Hintergund ist zu diskutieren, wann eine Histologiesicherung auch bei geplanter Bestrahlung oder alternativ eine primär operative Therapie empfohlen werden muss. Zumindest bei vorausgegangener Tumorerkrankung sollte der operativen Intervention der Vorzug gegeben werden.