gms | German Medical Science

81. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V.

12.05. - 16.05.2010, Wiesbaden

Häufigkeit maligner Tumore als Zufallsbefund nach Tonsillektomie

Meeting Abstract

Suche in Medline nach

  • corresponding author Thorsten Send - HNO Universitätsklinikum Bonn, Deutschland
  • Andreas Schröck - HNO Universitätsklinikum Bonn, Deutschland
  • Friedrich Bootz - HNO Universitätsklinikum Bonn, Deutschland
  • Mark Jakob - HNO Universitätsklinikum Bonn, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. 81. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. Wiesbaden, 12.-16.05.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10hnod221

DOI: 10.3205/10hnod221, URN: urn:nbn:de:0183-10hnod2219

Veröffentlicht: 22. April 2010

© 2010 Send et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Einleitung: Zum Ausschluss okkulter Malignome wird das bei der Tonsillektomie entnommene Gewebe meist routinemäßig histologisch untersucht. Bei steigendem finanziellem Druck auf das Gesundheitssystem muss die Notwendigkeit von Routineuntersuchungen kritisch betrachtet werden.

Methode: In der vorliegenden retrospektiven Studie untersuchten wir in einem Zeitraum von 5 Jahren alle Patienten (n=1523) die an unser Klinik routinemäßig tonsillektomiert wurden. Neben einer präoperativen Risikostratifizierung wurde die Häufigkeit klinisch okkulter Tonsillenmalignome und der Zusammenhang zwischen histologischer Diagnose und der Nachblutungswahrscheinlichkeit untersucht.

Ergebnisse: Unter den von uns untersuchten Patienten (n=1523) wurde bei 2 Patienten (0,13%) ein unerwarteter maligner Befund diagnostiziert. Einer der Patienten beschrieb eine streng einseitige Odynophagie, bei dem Anderen bestand der Z.n. Peritonsillarabszeß. Die Metaanalyse der bisher veröffentlichten Studien zu diesem Thema ergab bei 6 Patienten (0,01%, n=61.550) ein okkultes Tonsillenmalignom. Um ein klinisch okkultes Tonsillenmalignom zu detektieren müssen demnach 7694 Tonsillenpaare untersucht werden (Kosten: 385.000€). Eine Vorhersagewahrscheinlichkeit zwischen histologischer Diagnose und der postoperativen Tonsillektomienachblutung konnte mittels Regressionsanalysen nicht nachgewiesen werden.

Schlussfolgerung: Okkulte Malignome sind sehr selten, deshalb empfehlen wir auch unter ökonomischen Gesichtspunkten die Histologie bei Vorliegen von folgenden Risikofaktoren: palpatorisch derbe Tonsillen, Schleimhautläsionen, Asymmetrie, Halslymphknotenschwellung, maligne Erkrankungen in der Anamnese, konstitutionelle Symptome, einseitige Beschwerden und stattgehabter Peritonsillarabszess.