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80. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V.

20.05. - 24.05.2009, Rostock

Megadolichobasilaris als Ursache von einseitiger Hörstörung und Schwindel

Meeting Abstract

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  • corresponding author Christoph Löffler - Universitätsklinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Freiburg
  • Katrin Gollner - Universitätsklinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Freiburg

Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. 80. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. Rostock, 20.-24.05.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09hnod312

DOI: 10.3205/09hnod312, URN: urn:nbn:de:0183-09hnod3125

Veröffentlicht: 17. April 2009

© 2009 Löffler et al.
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Gliederung

Text

Als Megadolichobasilaris wird eine Gefäßerweiterung und Elongation der A. basilaris bezeichnet. Klinische Manifestation sind sowohl Thrombosen, die zur Hirnischämie führen, als auch, wie in diesem Fall, eine Affektion von Hirnnerven durch direkte Kompression. Wir berichten über einen 44-jährigen Patienten, der sich mit Hörminderung und Schwindel in unserer Ambulanz vorstellte. Unter der Verdachtsdiagnose einer vestibulocochleären Störung wurde der Patient zur Infusionstherapie aufgenommen. Es kam zu einer kompletten Rückbildung der Symptomatik. In einer BERA-Untersuchung fiel eine Laufzeitverlängerung auf der linken betroffenen Seite auf. In einer Kernspinuntersuchung zeigte sich eine Megadolichobasilaris links mit Kontakt zum N. vestibulocochlearis. Eine Antikoagulation war nach neurologischer Stellungnahme bei asymptomatischen Patienten nicht indiziert. Wenige Tage später stellte sich der Patient mit erneuter Hörminderung vor, Stunden nach stationärer Wiederaufnahme entwickelte der Patient eine akute Hirnstammsymptomatik mit im Verlauf komatöser Bewusstseinslage. In der Bildgebung fand sich eine thrombosierte A. basilaris mit ischämischer Infarzierung des Hirnstamms. Trotz sofortiger Lysetherapie blieb der Patient voll pflegebedürftig. Vier Monate nach Erstereignis kam es trotz Antikoagulation zu einer Rethrombose, die zu einem bis heute persistierenden Locked-in-Syndrom führte. Die Indikation zur Antikoagulation ist bei Patienten mit Megadolichobasilaris im Einzelfall zu prüfen, da es trotzdem häufig zu Thrombosen kommt. Zudem sind schwere intrakranielle Blutungen beschrieben. Bei Nachweis einer Megadolichobasilaris sollte der Patient zeitnah in einem neurologischen Zentrum vorgestellt werden, um die Indikation zur Antikoagulation zu prüfen.