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79. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V.

30.04. - 04.05.2008, Bonn

Lokale Botulinumtoxintherapie bei tardiver Dyskinesie der Zunge

Meeting Abstract

  • corresponding author Eike Krause - HNO, LMU München, München
  • Kai Bötzel - Neurologische Klinik, LMU München, München
  • Johannes Hennings - Max-Planck-Institut für Psychiatrie München, München
  • Thomas-Christian Wetter - Max-Planck-Institut für Psychiatrie München, München
  • Robert Gürkov - HNO-Klinik, LMU München, München

Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. 79. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. Bonn, 30.04.-04.05.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. Doc08hnod507

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/hnod2008/08hnod507.shtml

Veröffentlicht: 22. April 2008

© 2008 Krause et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Tardive Dyskinesien im Kopf-Hals-Bereich können als unerwünschte Nebenwirkung unter einer Psychopharmakatherapie auftreten. Sie persistieren oft auch nach Absetzen der Medikation und sind für Patienten funktionell und psychisch sehr belastend. Durch Einsatz anderer Psychopharmaka, Benzodiazepinen oder Vitamin E-Präparaten wird versucht Dyskinesien zu behandeln – selten mit Erfolg.

Methoden: Ein 28-jähriger männlicher Patient stellte sich mit einer lingualen und perioralen tardiven Dyskinesie vor. Diese bestand seit einer Neuroleptikamedikation (Flupentixol) im Rahmen einer schizoaffektiven Psychose 2001. Jahrelange Therapieversuche mit anderen Psychopharmaka (Olanzapin, Aripiprazol, Ziprasidon, Quetiapin) oder Benzodiazepinen (Clonazepam, Lorazepam, Diazepam) führten zu keiner Beschwerdebesserung. Störend war insbesondere eine andauernde Protrusion der Zunge aus dem Mund, welche den Patienten beim Sprechen behinderte und ihn sozial stigmatisierte. Daraufhin führten wir eine transkutane Injektion von je 60 U Botulinumtoxin A (BTA) in beide Mm. genioglossi unter sonografischer und elektromyografischer Kontrolle durch. Befund und Therapie wurden videodokumentiert.

Ergebnisse: Die Zungenprotrusion besserte sich bereits am 3. Tag p.i. eindrucksvoll. Beim Sprechen nahm die Verständlichkeit deutlich zu und die Zunge trat nicht mehr hervor. Ein anfängliches Globusgefühl verschwand nach 2 Wochen. Die Willkürmotorik und die Schluckfunktion der Zunge waren nicht beeinträchtigt.

Schlussfolgerungen: Die lokale BTA-Injektion stellt eine neuartige, erfolgreiche Therapie bei tardiven Dyskinesien der Zunge dar. Sie erfolgt lokal, ist risikoarm und effektiv.

Unterstützt durch: Programm zur Förderung von Forschung und Lehre "FöFoLe" der Ludwig-Maximilians-Universität München