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78. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V.

16.05. - 20.05.2007, München

Erster direkter Nachweis der Bedeutung des Thalamus für das Schmecken

Meeting Abstract

  • corresponding author Julia Vent - Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen-, Ohren-Heilkunde, Köln
  • Julia Roggendorf - Neurologie Uniklinikum Köln, Köln
  • Rüdiger Hilker - Neurologie Uniklinikum Köln, Köln
  • Michael Damm - HNO Uniklinikum Köln, Köln
  • Karl-Bernd Hüttenbrink - HNO Uniklinikum Köln, Köln

Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. 78. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V.. München, 16.-20.05.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07hnod426

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/hnod2007/07hnod426.shtml

Veröffentlicht: 24. April 2007

© 2007 Vent et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Isolierte Störungen des Geschmackssinnes bei Normosmie sind äußerst selten. Der Geschmackssinn wird beim Menschen durch sechs Hirnnerven an das Gehirn übertragen (N. lingualis (V³), N. facialis – Chorda tympani, N. glossopharyngeus (hinteres Drittel der Zunge) jeweils bilateral). Bei Traumata ist daher eine periphere Verletzung als Ursache für eine komplette Ageusie kaum vorstellbar.

Bei einem 60-jährigen Patienten mit essentiellem Tremor wurde ein Thalamus - Stimulator beidseits implantiert, da die Erkrankung medikamentös nicht mehr einstellbar war. Unter der Stimulierung berichtete er über eine isolierte Hypogeusie.

Diagnostik: In der Geschmacksprüfung mit aktiviertem Stimulator zeigte sich eine isolierte Hypogeusie mit Normosmie, bei ausgeschaltetem Stimulator jedoch eine Normgeusie und Normosmie. Dieser on-off-Effekt ist eindeutiges Zeichen für die direkte und essentielle Beteiligung des Thalamus beim Schmecken.

Bildgebung (MRT und interventionelle, MRT-gesteuerte Platzierung der Stimulator -Elektroden), neurologische und hals-nasen-ohren-ärztliche Untersuchungen wurden am Universitätsklinikum Köln durchgeführt.

Fazit: Trotz intakter peripherer Hirnnerven wird hier zum ersten Mal die Bedeutung und Hauptrolle des Thalamus für den Geschmackssinn demonstriert. Dieser Fall demonstriert außerdem eine Hypogeusie als reversible Nebenwirkung eines Thalamus- Deep- Brain- Stimulators.