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15. Grazer Konferenz – Qualität der Lehre: Teaching and Learning – Expanding our Resources

28. - 30. April 2011 Wien, Österreich

Gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Erreichung der Lernziele in der Lehrveranstaltung "Soziale Kompetenz"?

Poster

  • corresponding author Bianca Schuh - Medizinische Universität Wien, Department für medizinische Aus- und Weiterbildung, Wien, Österreich
  • author Christoph Gisinger - Haus der Barmherzigkeit, Wien, Österreich
  • author Alexandra Schmid - Haus der Barmherzigkeit, Wien, Österreich
  • author Anita Rieder - Medizinische Universität Wien, Curriculumdirektion Humanmedizin, Wien, Österreich; Medizinische Universität Wien, Institut für Sozialmedizin, Wien, Österreich
  • author Anton Luger - Medizinische Universität Wien, Univ. Klinik für Innere Medizin III, Wien, Österreich
  • author Angelika Hofhansl - Medizinische Universität Wien, Department für medizinische Aus- und Weiterbildung, Wien, Österreich

15. Grazer Konferenz – Qualität der Lehre: Teaching and Learning – expanding our resources. Wien, Österreich, 28.-30.04.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc11grako47

DOI: 10.3205/11grako47, URN: urn:nbn:de:0183-11grako470

Veröffentlicht: 25. April 2012

© 2012 Schuh et al.
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Gliederung

Poster

Hintergrund: Studien zeigen, dass ein früher Patientenkontakt bei Medizinstudierenden positive Effekte auf die Entwicklung einer professionellen Haltung gegenüber Patienten und nicht-ärztlichen Gesundheitsberufen hat [1], [2]. An der Medizinischen Universität Wien wird dies bereits im ersten Semester in der Lehrveranstaltung (LV) „Soziale Kompetenz“ (30 aS) umgesetzt. Schwerpunkt dieser LV ist ein Praktikum in einem Pflegekrankenhaus (17 aS), begleitet von theoretischen Inhalten und Reflexion. Lernziele sind die Entwicklung einer professionellen Haltung gegenüber Patienten und gegenüber nicht-ärztlichen Gesundheitsberufen. Bislang liegen keine Studien zu Geschlechtsunterschieden in der Erreichung von einstellungsbezogenen Lernzielen in Lehrveranstaltungen mit frühem direktem Patientenkontakt vor, jedoch in der Einstellungsänderung von Medizinstudierenden im Studienverlauf mit positiveren Einstellungswerten bei Frauen [3].

Fragestellung: Gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede in der Selbsteinschätzung der Studierenden bei der Lernzielerreichung?

Methodik: Die Teilnehmer der LV imWintersemester (WS) 2010/ 11 wurden online befragt. Der Fragebogen umfasste u.a. vier Fragen zur Lernzielerreichung und eine zu Vorerfahrungen im Gesundheits- und Sozialbereich. Die Items zur Lernzielerreichung wurden zu zwei Scores zusammengefasst: „Haltung gegenüber pflegebedürftigen Personen“ und „Haltung gegenüber nicht-ärztlichen Gesundheitsberufen“. Im WS 2010/ 11 besuchten insgesamt 679 Studierende die LV; 254 (37,41%) nahmen an der Befragung teil. Davon wurde 41% das Praktikum aufgrund von definierten Vorerfahrungen angerechnet. Da das Praktikum ein wesentlicher Teil der LV ist, wird die Fragestellung nur für jene ausgewertet, die das Praktikum absolviert haben (n = 146).

Ergebnisse: Von den 146 Studierenden sind 63% Frauen (unausgewogene Geschlechterverteilung aufgrund der Möglichkeit für männliche Studierende den Zivildienst anrechnen zu lassen). 89% der Studierenden sind zwischen 18 und 21 Jahre alt (MD = 19 Jahre). Mehr als die Hälfte der Studierenden (56,2%) verfügt über relevante Vorerfahrungen (u. a. Praktika). Der Mittelwert des Scores „Haltung gegenüber Pflegebedürftigen“ beträgt 3.07 (SD = 0.77), jener des Scores „Haltung gegenüber nicht-ärztlichen Gesundheitsberufen“ 2.67 (SD = 0.87). Frauen bewerten ihre Erreichung des Lernziels „Entwicklung einer professionellen Haltung gegenüber Patienten“ signifikant besser (m: MW = 2.89, w: MW = 3.18; t = - 2.23; Cohen’s d = 0.38; p = 0.027). Eine lineare Regression zeigt, dass das Geschlecht (β = 0.183; p = 0.030), nicht aber die Vorerfahrung (β = 0-.040; p = 0.630) einen signifikanten Einfluss auf den Score „Haltung gegenüber Pflegebedürftigen“ hat. Hinsichtlich „Haltung gegenüber nicht-ärztlichen Gesundheitsberufen“ sind keine signifikanten Geschlechtsunterschiede vorhanden. Auch die Vorerfahrung im Gesundheits- und Sozialbereich hat keinen signifikanten Einfluss (p > 0.50).

Schlussfolgerung: Die hier dargestellten Ergebnisse liefern einen ersten Hinweis auf Geschlechtsunterschiede hinsichtlich der Lernzielerreichung in der LV „Soziale Kompetenz“. Da diese rein auf Selbsteinschätzung beruhen, wird damit keine Bewertung der tatsächlichen professionellen Haltung vorgenommen. Aufgrund mehrerer Limitationen sind für eine aussagekräftige Interpretation weiterführende Untersuchungen notwendig. Im nächsten Schritt soll die Selbsteinschätzung der Studierenden durch weitere Datenquellen (360-Grad-Assessment) ergänzt werden.


Literatur

1.
Dornan T, Littlewood S, Margolis SA, Scherpbier A, Spencer J, Ypinazar V. How can experience in clinical and community settings contribute to early medical education? A BEME systematic review. Med Teach. 2006;28(1):3-18. DOI: 10.1080/01421590500410971 Externer Link
2.
Scavenius M, Schmidt S, Klazinga N. Genesis of the professional-patient relationship in early practical experience: qualitative and quantitative study. Med Educ. 2006;40(10):1037-1044. DOI: 10.1111/j.1365-2929.2006.02594.x Externer Link
3.
Woloschuk W, Harasym PH, Temple W. Attitude change during medical school: a cohort study. Med Educ. 2004;30(5):522-534. DOI: 10.1046/j.1365-2929.2004.01820.x Externer Link