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GMDS 2012: 57. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

16. - 20.09.2012, Braunschweig

Entwicklung einer mobilen Anwendung für die Palliativversorgung

Meeting Abstract

  • Sabrina Stephan - Institut für Medizinische Biometrie und Informatik, Universität Heidelberg, Deutschland
  • Constantin Müller - Institut für Medizinische Biometrie und Informatik, Universität Heidelberg, Deutschland
  • Matthias Ganzinger - Institut für Medizinische Biometrie und Informatik, Universität Heidelberg, Deutschland
  • Petra Knaup-Gregori - Institut für Medizinische Biometrie und Informatik, Universität Heidelberg, Deutschland

GMDS 2012. 57. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS). Braunschweig, 16.-20.09.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12gmds109

DOI: 10.3205/12gmds109, URN: urn:nbn:de:0183-12gmds1098

Veröffentlicht: 13. September 2012

© 2012 Stephan et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Bei der Palliativversorgung handelt es sich um die sterbebegleitende Pflege und Betreuung lebensbedrohlich erkrankter Menschen sowie deren Angehöriger. Grundgedanke hierbei ist die Verbesserung der Lebensqualität bis zum Tod durch Linderung von Symptomen sowohl körperlicher, psychosozialer als auch spiritueller Art [1]. Allerdings erreicht die Palliativmedizin nicht alle Patienten, die einen entsprechenden Bedarf haben. Insbesondere in ländlichen Gebieten ist die Versorgung unzureichend. Des Weiteren ist es für die Patienten oft wünschenswert, möglichst viel Zeit im häuslichen Umfeld zu verbringen. Um dennoch eine optimale medizinische Versorgung zu gewährleisten, muss die zeitnahe Betreuung durch Ärzte und Pflegepersonal sichergestellt werden.

Viele Patienten führen sogenannte Schmerztagebücher, mit denen der Verlauf ihrer Erkrankung dokumentiert wird. Durch den Einsatz moderner Mobilfunktechnik können diese Informationen zeitnah an die Betreuer weitergeleitet und somit erforderliche Änderungen des Behandlungsplans unverzüglich umgesetzt werden.

Im Rahmen eines mobile Health (mHealth) Forschungsprojektes wird untersucht, wie ein solches Schmerztagebuch für den mobilen Gebrauch umgesetzt werden kann. Zur Validierung dieses Ansatzes wird eine prototypische Smartphone-Anwendung erstellt.

Methoden: Anhand einer strukturierten Literaturrecherche in PubMed und EMBASE mit dem Schwerpunkt Anwendungen von eHealth und mHealth in der Palliativpflege wurde der Stand der Forschung erhoben. Weiterhin wurden etablierte Assessmentwerkzeuge zur Erfassung und Überwachung des Zustandes der Patienten ermittelt. Anhand dieser Ergebnisse wird ein Anforderungskatalog für eine mobile Anwendung bzw. des der Anwendung zu Grunde liegenden Toolkits erstellt.

Ergebnisse: Aus den Analysen haben sich das Functional Assessment of Chronic Illness Therapy – Palliative Care (FACIT-Pal) und das Edmonton Symptom Assessment System (ESAS) als geeignet dargestellt, da sie im Krankenhaus bereits erfolgreich zur Datenaufnahme von Patienten eingesetzt werden. ESAS ist ein Assessmentwerkzeug, welches für die tägliche Symptombeurteilung der Patienten verwendet wird. Der Patient selbst bewertet den Schweregrad seiner Schmerzen auf einer Skala von 0 bis 10 (10 = schwerwiegendster Schmerz) [2]. FACIT-Pal berücksichtigt neben den allgemein körperlichen Schmerzen auch die seelischen Beschwerden des Patienten [3].

Anforderungen an die Applikation sind neben der Datenerfassung auch die Zwischenspeicherung der Daten auf dem Mobilgerät und die ggf. zeitversetzte Übertragung der Daten auf einen externen Server. Von diesem Server können die Daten über den Patienten und dessen momentanen Krankheitsverlauf mittels einer Web-Schnittstelle von Ärzten, Pflegepersonal und Betreuern eingesehen und für die weitere Behandlung eingesetzt werden. Weitere Anforderungen bestehen bezüglich Datensicherheit, Zuverlässigkeit der Datenübertragung sowie Offline-Verfügbarkeit.

Der Abgleich der Anforderungen und eine Bewertung haben ergeben, dass von den verfügbaren Toolkits für das Smartphone Betriebssystem „Android“ das Open Data Kit (ODK) [4] ein für diese Zwecke geeignetes Toolkit ist.

Diskussion: Geplant ist ein Prototyp einer mobilen Anwendung auf Basis des Android-Toolkits, mit welcher Patienten ihren aktuellen Gesundheitszustand dokumentieren können. Im nächsten Schritt muss die Anwendung durch Nutzergruppen getestet und die Aspekte des Datenschutzes untersucht werden.

Zukünftig soll der Funktionsumfang der Anwendung neben der Speicherung medizinischer Daten beispielsweise durch eine Anzeige der Kontaktdaten von Ärzten und Krankenhäuser in der direkten Umgebung ausgebaut werden. Somit haben die Patienten zusätzlich die Möglichkeit, in direkten Kontakt mit zugehörigen Ärzten zu treten und somit im Notfall schneller Hilfe zu bekommen.


Literatur

1.
Weissenberger-Leduc M. Handbuch der Palliativpflege. 4. überarbeitete und ergänzte Auflage. Vienna: Springer Vienna; 2008.
2.
Chang VT, Hwang SS, Feuerman M. Validation of the Edmonton Symptom Assessment Scale. Cancer. 2000; 88(9):2164-71.
3.
Webster K, Cella D, Yost K. The Functional Assessment of Chronic Illness Therapy (FACIT) Measurement System: properties, applications, and interpretation. Health and Quality of Life Outcomes. 2003;1(1):79.
4.
Anokwa Y, Hartung C, Brunette W, Borriello G, Lerer A. Open Source Data Collection in the Developing World. Computer. 2009; 42(10):97-9.