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GMDS 2012: 57. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

16. - 20.09.2012, Braunschweig

Die Online Initiative der KVen und KBV – Aufbau, Ergebnisse und Perspektiven

Meeting Abstract

  • Ghislain Kouematchoua - Kassenärztliche Vereinigung Hamburg, Deutschland
  • Stefan Holtkamp - Kassenärztliche Bundesvereinigung, Berlin, Deutschland
  • Bernd Greve - Kassenärztliche Bundesvereinigung, Berlin, Deutschland
  • Otto Rienhoff - Universitätsmedizin Göttingen, Deutschland

GMDS 2012. 57. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS). Braunschweig, 16.-20.09.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12gmds023

DOI: 10.3205/12gmds023, URN: urn:nbn:de:0183-12gmds0239

Veröffentlicht: 13. September 2012

© 2012 Kouematchoua et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Die Rolle der telematischen Anwendungen in unserem Gesundheitswesen ist mit dem neuen Versorgungsstrukturgesetzt noch bekräftig worden. Die Kassenärztliche Vereinigungen (KVen) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) haben die Bedeutung der Zusammenarbeit in der Gesundheitstelematik als strategisch wichtig für ihre Organisationen erklärt. Daher wurde im April 2008 das Projekt „KBV/KV Online-Initiative“ gestartet mit dem Ziel, eine einheitliche Online-Anbindungsstrategie im KV-System zu schaffen, um Vertragsärzte und -psychotherapeuten (VP) untereinander und mit den KVen zu vernetzen und eine nutzbringende Anwendungslandschaft zur Verfügung zu stellen. Die Projektphase ist am 31.12.2011 beendet worden und jetzt im Regelbetrieb. Der vorliegende Beitrag stellt die wichtigsten Konzepte des Projekts –mit einem Focus auf den Teilprojekten IT-Infrastruktur und Anwendungslandschaft – sowie die erreichten Ergebnisse vor und diskutiert deren Bedeutung mit Blick auf das Versorgungsstrukturgesetz.

Methoden: Die Teilprojekte wurden in Arbeitspakete aufgeteilt, die KV- und fachübergreifend in Zusammenarbeit mit VP sowie mit der Industrie abgearbeitet wurden. Dabei sind lokale Anforderungen in KV-Gebieten und vorhandene Dokumentationen analysiert worden und auch themenorientierte Workshops durchgeführt worden.

Die Anforderungen des Bundesamtes für die Sicherheit in der Informationstechnik sind in der Konzeption der Richtlinien für die Anbindung berücksichtigt worden.

Die Praxistauglichkeit der Richtlinien wurde mit zertifizierten Providern analysiert. Regionale Projektbüros wurden aufgebaut und regelmäßige Projektleitermeetings zur fachlichen und inhaltlichen Abstimmung zwischen KBV und KVen initiiert und durchgeführt. Evaluationsindikatoren wurden festgelegt, quartalsweise ermittelt und analysiert.

Ergebnisse: Das Sichere Netz der KVen (SNK) ist konzipiert und umgesetzt worden. Eine IT-Governance für die bundesweite Anbindung der VP ist erarbeitet worden und drei Anbindungsvarianten zur KV wurden beschrieben: KV-SafeNet, KV-FlexNet und KV-WebNet. Der Zugang zum SNK ist jedoch ausschließlich über KV-SafeNet (Hardware-VPN) und KV-FlexNet (Software-VPN) möglich. Zudem ist ein föderiertes Identitätsmanagement konzipiert und prototypisch implementiert worden. Alle Dokumente und Prozesse im Verantwortungsbereich der KBV sind nach der ISMS-Methode adaptiert; ein entsprechendes Risikomanagement ist etabliert. Die Rahmenrichtlinien für die Anbindung zum SNK sind von unabhängigen Gutachtern begutachtet worden und als hoch sicher bescheinigt worden. Die Landesdatenschützer haben die Anbindungsvarianten KV-SafeNet und KV-FlexNet im Jahr 2011 bestätigt. Es sind heute mehr als 22000 Einrichtungen über das SNK vernetzt und mehr als 110000 VP kommunizieren online mit den KVen. Die Anwendungslandschaft beinhaltet circa 110 Anwendungen. In einigen KVen wird die Authentifizierung mittels Signaturkarten (inkl. eHBA) sowie die rechtsverbindliche Signatur der Dokumente ermöglicht.

Diskussion: Das SNK kann angesichts der Anwenderzahl und der Bestätigung der Landesdatenschützer als etabliert betrachtet werden. Die Anwenderstatistik zeigt eine stetig steigende Bereitschaft der VP für die Benutzung von online Anwendungen und korreliert mit vorherigen Forschungsergebnissen der Bundesärztekammer. Die jetzige Anwendungslandschaft ist dennoch stark regional gegliedert. Die Etablierung des E-Mail-Dienstes sowie der bereitgestellten elektronischen Fallakte bieten Chancen für mehr vertikale und horizontale Zusammenarbeit im Gesundheitswesen. Die Benutzung dieser Infrastruktur auch für sektorübergreifende Forschungsprojekte sowie die vorgesehene Integration in die Telematikinfrastruktur spricht für die Qualität und Akzeptanz der Lösung.