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GMDS 2012: 57. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

16. - 20.09.2012, Braunschweig

Zwölf Punkte zur Durchführung der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung komplexer Gesundheitsprojekte

Meeting Abstract

  • Stefan Müller-Mielitz - Institut für effiziente klinische Forschung GmbH (IEKF), Ibbenbüren, Deutschland
  • Georg Müller-Fürstenberger - Lehrstuhl für Umwelt- und Kommunalökonomie – Volkswirtschaftslehre, Universität Trier, Deutschland
  • Christian Ohmann - Koordinierungszentrum für Klinische Studien (KKS), Universität Düsseldorf, Deutschland
  • Andreas Goldschmidt - Internationales Health Care Management Institut (IHCI), Universität Trier, Deutschland

GMDS 2012. 57. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS). Braunschweig, 16.-20.09.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12gmds020

DOI: 10.3205/12gmds020, URN: urn:nbn:de:0183-12gmds0204

Veröffentlicht: 13. September 2012

© 2012 Müller-Mielitz et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Die Begrenztheit der finanziellen Mittel für komplexe Gesundheitsprojekte begründet das Interesse an der Überprüfung der Wirtschaftlichkeit dieser Maßnahmen. Bisher fehlt es an einer systematischen Vorgehensweise für die Messung von Wirtschaftlichkeit in den Bereichen eHealth, Biomaterialbanken, Integrierte Versorgung, Disease Management Programme, Spitzencluster, Forschungs- und Gesundheitsprogramme.

Material/Methodisches Vorgehen: Es erfolgte die Erprobung des methodischen Vorgehens an drei Beispielprojekten. Dafür wurden die Methoden Kosten- und Kosten-Nutzen-Analyse miteinander kombiniert und mit einer abschließenden Controlling-Analyse zum Kosten-Analyse-Dreieck (KAD) zusammengefasst [1]. Für beide Analysen gilt das strukturierte Vorgehen auf Basis der Leitlinien von Greiner, Hoffmann [2], die durch unsere Arbeit ergänzt und konkretisiert werden.

Methodisches Vorgehen/Erläuterung:

1.
Untersuchungsgegenstand: benennen, beschreiben
2.
Evaluationsform: Nennung der Analysemethode
3.
Perspektiven: Nennung aller Perspektiven
4.
Vergleichsalternativen: Nennung aller Vergleichsalternativen
5.
Zeit, Raum, Material: Zeit der Betrachtung, (regionaler) Raum, verfügb. Material
6.
Input: Ermittlung von Preisen und Mengen
7.
Transformation: Beschreibung des Transformationsprozesses
8.
Output – Outcome – Impact: Nennung der messbaren Outputs und nicht messbaren Outcomes und allgemeinen Wirkungen (Impacts)
9.
Diskontierung: Wenn der betrachtete Zeitraum größer ist als ein Jahr
10.
Sensitivitäts-/Szenarioanalysen: Variationen von Plausibilitätsannahmen und Erstellung von verschiedenen Szenarien, wenn nötig
11.
Benchmarks: Nutzen-Kosten-Quotient, Nutzen-Schwellwert (gibt an, ab welchem Jahr ein positiver Nutzen zu erwarten ist)
12.
Ergebnis und Empfehlung: Zusammenfassung der Ergebnisse und Empfehlung

Ergebnisse: Der Komplexität von technischen und organisatorischen Netzwerken (Medizinische Versorgungszentren, Forschungsverbünde) und der komplexen institutionsübergreifenden Zusammenarbeit (integrierte Versorgung) kann durch die vorgestellte Methodenkombination begegnet werden (KAD).

Vorgehen: Mit der Kosten-Analyse erfolgt die Systematisierung des Outputs in „direkt messbar“ und „nicht messbar“. Diese Analyse mit geplanten Mehrwerten als Outcome ist eine wichtige Grundlage für die folgende Kosten-Nutzen-Analyse. Es können dadurch die tangiblen und intangiblen Nutzen der beteiligten Akteure analysiert werden. Durch die Verfeinerung bestehender Leitlinien und die Zusammenführung zu einem systematischen Vorgehen ist die Basis für eine Anwendung in der Breite bei Gesundheitsprojekten gelegt worden.

Diskussion/Schlussfolgerungen: Die vorgestellte Analysemethode im KAD erfolgte in Sinne eines Top-Down-Ansatzes, der keine Detailanalyse auf Prozessebene beinhaltet, da auf diesem Mikro-Level in unserem Beispielprojekt zu große Unsicherheit bezüglich der Daten herrschte. Für die Kosten-Nutzen-Betrachtung auf Meso- und Makro-Ebene ist eine Detailtreue auf Prozessebene auch nicht zwingend nötig. Es kann die ökonomische Effizienz der betrachteten Maßnahme in Geldeinheiten beurteilt werden, was ausreicht.

Für die Detailanalyse im Bottom-Up-Ansatz wird aber eine größere Anzahl von Nutzern / Nutzungen der Technik benötigt. Es sind auch Angaben notwendig über Kosten pro Minute so wie Zeitmessungen einzelner Prozessschritte, um effektiv Prozessanalysen durchzuführen und diese für die KNA auf Mikro-Ebene zu nutzen.

Angaben über Mengen und Preise fehlen oft für die Evaluierung und müssen geschätzt werden. Das führt dazu, dass Wirtschaftlichkeitsaussagen als nicht valide betrachtet werden. Aufgabe sollte es daher sein, ein akzeptiertes Kostengerüst aufzubauen, um ökonomische Evaluation qualitativ zu verbessern und besser vergleichen zu können.

Danksagung: Die Arbeit wurde unterstützt durch die TMF – Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung e.V. im Rahmen des Projekts V072-01 „Forschungseffizienz“.


Literatur

1.
Müller-Mielitz S, Kehrel U, Becker K, et al. Das Kosten-Analyse-Dreieck als Methodik der ökonomischen Analyse großer Forschungsvorhaben. In: 56. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 6. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi); 2011 Sep 26-29; Mainz, Deutschland. DOI: 10.3205/11gmds005 [cited 21.01.2012] Externer Link
2.
Greiner W, Hoffmann C. Ansätze und Methoden der ökonomischen Evaluation – eine internationale Perspektive!. In: Leidl R, Graf von der Schulenburg JM, Wasem J, editors. Leitlinien zur gesundheits-ökonomischen Evaluation. Nomos;1997. p.129-55.