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MAINZ//2011: 56. GMDS-Jahrestagung und 6. DGEpi-Jahrestagung

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V.
Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie e. V.

26. - 29.09.2011 in Mainz

Die elektronische, grafisch unterstütze Schmerzanamnese innerhalb des Projekts GANI_MED der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

Meeting Abstract

  • Angela Krug - Universität Greifswald – Institut für Community Medicine, Greifswald
  • Christoph Havemann - Universität Greifswald – Institut für Community Medicine, Greifswald
  • Carsten-Oliver Schmidt - Universität Greifswald – Institut für Community Medicine, Greifswald
  • Wolfgang Hoffmann - Universität Greifswald – Institut für Community Medicine, Greifswald
  • Stefan Klatt - Universität Greifswald – Institut für Community Medicine, Greifswald

Mainz//2011. 56. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 6. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi). Mainz, 26.-29.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11gmds533

DOI: 10.3205/11gmds533, URN: urn:nbn:de:0183-11gmds5330

Veröffentlicht: 20. September 2011

© 2011 Krug et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Schmerz ist ein häufig berichtetes Symptom bei unterschiedlichsten Krankheitsverläufen und kann die Lebensqualität des Patienten maßgeblich beeinträchtigen. Für eine zielgerichtete Therapie ist eine standardisierte Schmerzanamnese Grundvoraussetzung. Dies wird jedoch erschwert durch die außerordentlich vielschichtigen Zusammenhänge von physischen Schmerzen, psychischer Verfassung aber auch beispielsweise Erziehung, religiöser Orientierung und persönlicher Erfahrung. Auch der eigentliche Schmerzreiz ist objektiv kaum messbar. Somit sind gängige Anamneseverfahren zur Schmerzerfassung mitunter sehr komplex und zeitaufwendig. Daher besteht ein großer Bedarf an innovativen Erhebungsinstrumenten. Mit dem Gemeinschaftsprojekt GANI_MED vereint die Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald ein interdisziplinäres und internationales Team mit dem Ziel, die individualisierte Medizin voranzutreiben. Für dieses Vorhaben werden innovative Analyseverfahren systematisch weiterentwickelt und die dafür notwendige Infrastruktur, die unter anderem auch eine umfassende, elektronische Anamnese- und Dokumentationssoftware beinhaltet, gezielt ausgebaut.

Material und Methoden: Auf Grundlage gängiger Anamneseverfahren wurde im Jahr 2010 innerhalb des GANI_MED-Projektes ein Konzept für ein Softwaretool entwickelt, welches eine umfassende und standardisierte Schmerzanamnese erlauben soll. Dazu wurden diverse Instrumente zur Schmerzanamnese untersucht und analysiert, so zum Beispiel der Deutsche Schmerzfragebogen der DGSS [1], der Fragebogen zur Schmerzchronifizierung [2], das Mainz Pain Staging System [3], [4], der MIDOS-Verlaufsbogen [5], das Strukturierte Schmerzinterview für geriatrische Patienten [6] und das Brief Pain Inventory [7]. Fragen und Aufbau der genannten Fragebögen wurden vergleichend gegenüber gestellt, sodass eine übergeordnete Datenstruktur entwickelt werden konnte. Anschließend wurden Möglichkeiten für eine grafische Erfassung der Daten gesucht und im Hinblick auf Machbarkeit, Validität und Usability analysiert und diskutiert. Prototypische Umsetzungen unterschiedlicher Kombinationen von geeigneten Methoden sollen in Usability-Studien genaueren Aufschluss über die Anwendbarkeit geben.

Ergebnisse: Zusammen mit den Erfahrungen und den Gesundheitsdaten zu Schmerzpatienten der „Study of Health in Pomerania“ konnte ein umfassendes Modul konzipiert werden, welches Schmerz, seine Ursachen und seine Auswirkungen erfasst. Grafische Hilfsmittel sollen die Anamnese für den Patienten vereinfachen und die Auswertbarkeit der Daten optimieren. In einer grafischen Darstellung des menschlichen Körpers kann der Patient seine Schmerzen lokalisieren und sich durch ein textuelles Feedback gegebenenfalls selbst korrigieren. Die mögliche Aufgliederung des Fragenkatalogs in Themenbereiche wie Schmerzintensität oder Schmerzmuster unterstützt eine gezielte Anamnese. Zudem ist es möglich, herkömmliche Fragebögen für eine spezifische Anamnese beispielsweise geriatrischer Patienten einzeln zu verwenden. Durch die inhaltliche Zusammenfassung der Fragen, können Fragebögen auch in Kombination ohne redundante Fragestellungen genutzt werden.

Diskussion: Inwieweit das Schmerzanamnesetool tatsächlich einen signifikanten Vorteil gegenüber etablierten Verfahren bringt, soll in prospektiven Studien nachgewiesen werden. Hier bei gilt es neben der eigentlichen Datenerfassung auch die Usability und die Akzeptanz durch die Anwender zu evaluieren.


Literatur

1.
DGSS und DGS. Beschreibung zum Deutschen Schmerz-Fragebogen. Available from: http://www.dgss.org [abgerufen am 29.03.2010] Externer Link
2.
Gerbershagen, et al. Fragebogen zur Schmerzchronifizierung. Institut für Anästhesiologie, Schmerzklinik Nottwil. [abgerufen am 23.07.2010]
3.
Gerbershagen HU, Korb J, Nagel B, Nilges P. Das Mainzer Stadiensystem der Schmerzchronifizierung – Mainz Pain Staging System (MPSS). Available from: http://www.dgss.org/fileadmin/pdf/mpss_testanweisungen.pdf [abgerufen am 19.07.2010] Externer Link
4.
Gerbershagen HU, Korb J, Nagel B, Nilges P. Das Mainzer Stadienmodell der Schmerz-Chronifizierung (MPSS) – Auswertungsformular. Available from: http://www.dgss.org/fileadmin/pdf/mpss2_deu.pdf [abgerufen am 19.07.2010] Externer Link
5.
Netzwerk Palliativmedizin Essen. „MIDOS Verlaufsbogen. Available from: http://www.netzwerk-palliativmedizin-essen.de [abgerufen am 15.04.2010] Externer Link
6.
Basler HD, Casser HR, Gerbershagen HU, Grießinger N, Hankemeier U, Hesselbarth S, Lautenbacher St, Nikolaus Th, Schröter C, Weiß L. „Strukturiertes Schmerzinterview für geriatrische Patienten. Available from: http://www.drk-schmerz-zentrum.de.drktg.de/mz/pdf/downloads/schmerzinterview.pdf [abgerufen am 10.07.2010] Externer Link
7.
Fragebogen Schmerz – Brief Pain Inventory. Available from: http://www.drk-schmerz-zentrum.de.drktg.de/mz/07_infos/7-5_schmerzfragebogen.php [abgerufen am 18.03.2010] Externer Link