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MAINZ//2011: 56. GMDS-Jahrestagung und 6. DGEpi-Jahrestagung

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V.
Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie e. V.

26. - 29.09.2011 in Mainz

Bedürfnisorientierte Anforderungen an IT-Lösungen im häuslichen Umfeld für COPD-Patienten

Meeting Abstract

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  • Nora Völlm - Studiengang Medizinische Informatik, Heidelberg
  • Monika Flaig - Universitätsklinikum des Saarlands, Homburg/Saar
  • Robert Bals - Universitätsklinikum des Saarlands, Homburg/Saar
  • Petra Knaup - Universität Heidelberg, Heidelberg

Mainz//2011. 56. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 6. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi). Mainz, 26.-29.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11gmds531

DOI: 10.3205/11gmds531, URN: urn:nbn:de:0183-11gmds5310

Veröffentlicht: 20. September 2011

© 2011 Völlm et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Eine chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) bedeutet schwerwiegende Einschränkungen in der Lebensqualität der Betroffenen. Schubartige Verschlechterungen des Gesundheitszustandes (Exazerbationen) können tödlich verlaufen. Es gibt bereits etablierte Ansätze, COPD-Patienten durch mobile technische Geräte im Alltag zu Hause zu unterstützen [1], [2], [3]. Ziel unserer Untersuchung war es, Bedürfnisse der COPD-Patienten zu ermitteln, um eine weitergehende Unterstützung bedarfsgerecht zu planen.

Methodik: Vorgespräche mit einzelnen Patienten zur Entwicklung eines Interviewleitfadens. Semi-strukturierte Interviews mit Patienten der Medizinischen Klinik V der Unikliniken des Saarlandes, die an den Untersuchungstagen zu einem Interview bereit waren.

Ergebnisse: Es wurden 10 Patienten interviewt, zwei Frauen und acht Männer. Alle Patienten befanden sich in Stadium 4 der Erkrankung. Neun der zehn Befragten fühlten sich über ihre Krankheit gut informiert. Sie haben diese Informationen überwiegend von Krankenhausärzten und aus dem Internet erhalten, nicht vom Hausarzt. Weitergehende Informationen werden vor allem im Bereich der nicht-medikamentösen Therapie und der Vorbeugemöglichkeiten gewünscht. Neun der zehn Befragten wären bereit, sich ein technisches Gerät anzuschaffen, um dauerhaft aktuelle Informationen erhalten zu können. Ebenfalls erhalten neun der zehn Befragten nach einem Arztbesuch eine Übersicht über medizinische Daten. Acht dieser neun Patienten, können ihre Bedeutung nicht verstehen und wünschen eine verständliche Präsentation. Neun der zehn Befragten werden zu Hause durch Technik wie zum Beispiel ein Sauerstoffgerät unterstützt. Bei drei von ihnen, werden Messergebnisse unmittelbar auf einem Display angezeigt, bei fünf Geräten werden sie gespeichert und die Daten können in der Klinik ausgelesen werden. Alle Patienten fühlen sich bei Tätigkeiten des täglichen Lebens eingeschränkt, insbesondere Treppen steigen, Transporte, Duschen/Baden und Haushalt. Soziale Kontakte, sowohl zu anderen COPD-Patienten als auch zu Angehörigen werden versucht aufrecht zu erhalten.

Diskussion: Die Ergebnisse haben gezeigt, dass sich die Patienten medizinisch durch die Klinik gut versorgt fühlen. Eine IT-Unterstützung sollte Informationen über die Erkrankung allgemein und über den Gesundheitszustand der betroffen Person in für sie verständlicher Form darbieten. Sinnvoll wäre es, wenn dadurch auch vereinfacht soziale Kontakte gepflegt werden könnten. Obwohl der Stichprobenumfang gering ist, waren die Bedürfnisse der Patienten relativ homogen. Das semi-strukturierte Interview hat es ermöglicht, sehr individuell auf die Gesprächspartner einzugehen. Die Ergebnisse beschränken sich auf Patienten im Stadium 4 der Erkrankung, diese stellen auch die Gruppe mit der stärksten Einschränkung und damit dem größten Unterstützungsbedarf dar.

Schlussfolgerung: COPD-Patienten im Stadium 4 haben ein starkes Bedürfnis nach nicht-medikamentöser Behandlung und für sie gut verständliche Informationen. Informationssysteme sollten innovative technische Lösungen ergänzen (z.B. [4], [5]]), um diesen Informationsbedarf zu befriedigen und können dann vielleicht auch die Technologieakzeptanz erhöhen.


Literatur

1.
Heyder, et al. Nicht invasive Beatmung bei der COPD. INTENSIVMEDIZIN UND NOTFALLMEDIZIN. 2001;8(9):123-38.
2.
Lingner, et al. Volkskrankheit Asthma/COPD. Springer Medizin Verlag; 2007.
3.
Vogelmeier, et al. Leitlinie der Deutschen Atemwegsliga und der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit chronisch obstruktiver Bronchitis und Lungenemphysem (COPD). Pneumologie. 2007;(61):e1-40.
4.
Frenken, et al. Tagungsband Ambient Assisted Living 3. Deutscher AAL-Kongress mit Ausstellung Assistenzsysteme im Dienste des Menschen – zuhause und unterwegs. VDE Verlag GmbH; 2010.
5.
Groß, et al. Amica – Autonomy, Motivation & Individual Self-Management for COPD patients. Available from: http://subs.emis.de/LNI/Proceedings/Proceedings154/gi-proc-154-73.pdf [abgerufen am 2. April 2011] Externer Link