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MAINZ//2011: 56. GMDS-Jahrestagung und 6. DGEpi-Jahrestagung

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V.
Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie e. V.

26. - 29.09.2011 in Mainz

Intersektorale Patientenversorgung und vernetzte Forschung durch Datenintegration im Gesundheitswesen

Meeting Abstract

  • Andreas Möller - Ernst-Moritz-Arndt Universität Greifswald Institut für Community Medicine, Greifswald
  • Christian Schack - Ernst-Moritz-Arndt Universität Greifswald Institut für Community Medicine, Greifswald
  • Petra Reinecke - Ernst-Moritz-Arndt Universität Greifswald Institut für Community Medicine, Greifswald
  • Christian Schäfer - Ernst-Moritz-Arndt Universität Greifswald Institut für Community Medicine, Greifswald
  • Anne-Katrin Strohbach - Ernst-Moritz-Arndt Universität Greifswald Institut für Community Medicine, Greifswald
  • Miriam Gerlich - Ernst-Moritz-Arndt Universität Greifswald Institut für Community Medicine, Greifswald
  • Christoph Havemann - Ernst-Moritz-Arndt Universität Greifswald Institut für Community Medicine, Greifswald
  • Wolfgang Hoffmann - Ernst-Moritz-Arndt Universität Greifswald Institut für Community Medicine, Greifswald

Mainz//2011. 56. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 6. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi). Mainz, 26.-29.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11gmds513

DOI: 10.3205/11gmds513, URN: urn:nbn:de:0183-11gmds5130

Veröffentlicht: 20. September 2011

© 2011 Möller et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Ungezielter Antibiotikaeinsatz führt zu einer zunehmenden Prävalenz multiresistenter Erreger (MRE) in der Bevölkerung. Das Verbundprojekt „HIC@RE“ (Health, Innovative Care and Regional Economy) verfolgt das Ziel, die MRE-Ausbreitung in der Modellregion Mecklenburg-Vorpommern zu untersuchen und einzudämmen. Im Projektfeld „IT und Epidemiologie“ wird in diesem Kontext ein Gesamtsystem zur datenschutzrechtlich adäquaten Speicherung qualitätsgesicherter, MRE-bezogener Daten für die klinische Routineversorgung und erregerspezifische Forschung in einem zentralen Data Warehouse entwickelt. Die Vielzahl, der an der Behandlung beteiligten Partner wie Kliniken, niedergelassene Ärzte, Laboratorien oder Pflegeheime, bedingt höchst heterogene Quellsysteme. Daher ist ein möglichst generischer Datenintegrationsansatz notwendig.

Material und Methoden: Um diesem Anspruch gerecht zu werden, wurde ein serviceorientiertes Architekturkonzept aus sechs Hauptkomponenten entwickelt, welches die Verarbeitung von Daten verschiedenartiger Quellen in einem gemeinsamen Prozess abbilden kann.

Dieser beginnt im Extraction-Layer. Einer modular erweiterbaren Datenannahme folgt die Trennung von medizinischen (MDAT) und identifizierenden Daten (IDAT).

Bei Vorliegen der Einverständniserklärung des Patienten werden die IDAT in einer Treuhandstelle pseudonymisiert und getrennt von den MDAT an die dritte Hauptkomponente, den Persistenz-Layer, weitergeleitet. Hier erfolgt eine Zusammenführung von Pseudonym und MDAT, die Überführung in die Warehouse-Struktur sowie die eigentliche Speicherung.

Der Access-Layer dient vorrangig der klinischen Versorgung und realisiert den Zugriff auf patientenbezogene MDAT über eine authentifizierte Datenanfrage, welche bei Vorliegen des Patienteneinverständnisses über eine Abfrageschnittstelle des Persistenz-Layers beantwortet wird.

Für Forschungsfragen ermöglicht eine Transferstelle einen standardisierten Prozess zur verwalteten, projektbezogenen und zweitpseudonymisierten Datenausgabe.

Der Research-Layer ist die letzte Komponente und bietet neben webportalbasierter Datenausgabe sowie spezifischen I2B2-Instanzen den eigentlichen Zugriff auf durch Nutzungsanträge bei der Transferstelle angefragte Daten.

Ergebnisse: Es wurde ein Systemkonzept erarbeitet, aufgrund dessen eine durch verschiedenste Quellsysteme gespeiste, jedoch interinstitutionell nutzbare Datenbasis etabliert werden kann.

Einen wesentlichen Aspekt bildet die stringente Umsetzung der datenschutzrechtlichen Anforderungen durch treuhänderisch verwaltete, zentrale Pseudonymisierung. Im Zusammenhang mit der frühen Trennung von MDAT und IDAT entsteht eine Kombination der Datenschutzkonzepte A und B der „Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung e.V.“ (TMF) [1]. Somit konnte konzeptionell ein datenschutztechnisch hoch entwickeltes System zur standardisierten Datenerfassung und -ausgabe entwickelt werden, welches gleichermaßen vernetzte Forschung ermöglicht und eine gemeinsame Patientenversorgung realisiert.

Diskussion: Im Projekt HIC@RE kann mit dem konzeptionierten System eine weitaus umfassendere Akquise und Zusammenführung MRE-relevanter Daten realisiert werden, als es bisher der Fall war. Das System ist daher geeignet, im Rahmen eines regionalen Managements die Patientenversorgung entscheidend zu verbessern.

Der hoch generische Ansatz eröffnet die Möglichkeit einer unaufwändigen Anpassung an veränderte Anforderungen und kann daher auch für neue Forschungsfragen wiederverwendet werden.


Literatur

1.
Reng CM, Debold P, Specker Ch, Pommerening K. Generische Lösungen zum Datenschutz für die Forschungsnetze in der Medizin. Berlin: MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft; 2006.