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MAINZ//2011: 56. GMDS-Jahrestagung und 6. DGEpi-Jahrestagung

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V.
Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie e. V.

26. - 29.09.2011 in Mainz

Klinische Behandlungspfade: Chance zur interdisziplinären Arbeit von Medizinern, Pflege, Ökonomen und IT und Organisationsentwicklung im Gesundheitswesen

Meeting Abstract

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  • Christa Weßel - Dr. Christa Weßel, Frankfurt am Main

Mainz//2011. 56. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 6. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi). Mainz, 26.-29.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11gmds507

DOI: 10.3205/11gmds507, URN: urn:nbn:de:0183-11gmds5075

Veröffentlicht: 20. September 2011

© 2011 Weßel.
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Gliederung

Text

Der ökonomische, medizinische und pflegerische Nutzen von Behandlungspfaden für Krankenhaus und Patienten ist in zahlreichen Studien belegt [1]. Kostendruck einerseits und das Ziel, die Qualität der Strukturen, Prozesse und vor allem der Ergebnisse der Behandlungen der Patienten zu sichern und zu fördern, motivieren Krankenhäuser, Behandlungspfade auf der Basis von medizinischen Leitlinien [2] und mittels Instrumenten aus Ökonomie, Organisationsentwicklung und Informationstechnologie zu entwickeln, in der täglichen Routine anzuwenden und sie im Sinne des Continuous Quality Improvement (CPI) zu verbessern.

Am Beispiel eines Krankenhauses der Maximalversorgung wird in einer Betrachtung über einen Zeitraum von knapp 20 Jahren (1993 bis 2011) die Entwicklung und Implementierung von Behandlungspfaden vorgestellt.

Mit Behandlungspfaden kann ein Krankenhaus evidenz-basierte Leitlinien nutzen, sein Patientengut, seine Experten und strukturelle und organisatorische Besonderheiten und seine Abläufe beschreiben und seine lokalen Gegebenheiten, bspw. die Verfügbarkeit diagnostischer Verfahren berücksichtigen [3]. Entwicklung, Einführung und kontinuierliche Pflege von Behandlungspfaden erfordern die multidisziplinäre Zusammenarbeit von Medizinern, Pflegenden, anderen Gesundheitsberufen, Ökonomen und IT-Experten.

Prozesskostenkalkulation und ökonomisches und medizinisches Controlling stellen Indikatoren, Kennzahlen und Benchmarks bereits, mittels derer zeitnahe Abrechungen und medizinisches und pflegerisches Qualitätsmanagement unterstützt werden [4].

Instrumente der Organisationsentwicklung unterstützen die krankenhausweite Einführung von und Arbeit mit Behandlungspfaden: Ziel- und Strategie-Entwicklung; Integration der Mitarbeiter mittels strukturierter, transparenter Kommunikation; sozio-technische Maßnahmen wie IT-Unterstützung und moderierte Arbeitsgruppen; Personalentwicklung und Karriereplanung [5].

Informations- und Kommunikationstechnologie ist eine Organisationseinheit und ein zentraler Unterstützungsprozess im Krankenhaus. Sie trägt entscheidend zur indirekten Wertschöpfung bei. Die Prozessmodelle „Behandlungspfade“ müssen in die (klinischen) Informationssysteme nachhaltig integriert werden. Ärzte und Pflegende sollen sie in der Patientenversorgung intuitiv und zeitsparend einsetzen und pflegen können. Ergebnisse müssen zeitnahe und auch in größeren Zusammenhängen (Qualitätsmanagement der eigenen Abteilung und Klinik und klinische Studien) rückgemeldet werden. Die Administration muss Kennzahlen für Planung, Steuerung und Abrechnung unmittelbar nutzen können.

Dazu ist es wünschenswert, dass nicht etwa proprietäre Lösungen von Uniklinik zu Großkrankenhaus, von Systemhaus A zu B entwickelt werden, sondern generische Modelle und Lösungen entstehen. Sehr zu begrüßen sind die zahlreichen Aktivitäten in Praxis und Wissenschaft, gemeinsam an der IT-Unterstützung des Prozessmodells Behandlungspfad zu arbeiten [6], [7], [8], [9], [10]. Die multidisziplinäre Zusammenarbeit und Vernetzung wird über den langfristigen Erfolg entscheiden.

Am Beispiel Behandlungspfade zeigt sich, dass die Einführung, Pflege und Weiterentwicklung von Prozessmodellen geplant werden muss, man jedoch nicht alles planen kann, sondern in Schritten vorgehen sollte. Es muss ein starkes Motiv geben, beispielsweise langfristiger wirtschaftlicher Erfolg und das Wohlergehen von Patienten und Mitarbeiter [5].


Literatur

1.
Rotter T, Kugler J, Koch R, Gothe H, Twork S, van Oostrum J, Steyerberg EW. A systematic review and meta-analysis of the effects of clinical pathways on length of stay, hospital costs and patient outcomes. BMC Health Services Research. 2008;8:265. DOI: 10.1186/1472-6963-8-265. Externer Link
2.
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF). AWMF online. http://www.awmf.org/ [15 Apr 2011] Externer Link
3.
Weßel C. Behandlungspfade als Qualitätsmanagement-Instrumente. Dissertationsschrift zur Dr. med. Basel (CH). Universität Basel: 1999.
4.
Roeder N, Küttner T. Klinische Behandlungspfade: Mit Standards erfolgreicher arbeiten. Köln: Deutscher Ärzte-Verlag; 2007.
5.
Cummings TG. Handbook of Organization Development. Los Angeles: Sage Publications; 2008.
6.
Biber FC. Implementierungsstrategien klinischer Pfade –– Barrierenorientierte Interventionen am Beispiel "„proximale Femurfraktur"“. Dissertation. Marburg, Philipps-Universität Marburg: 2010.
7.
Jacobs B, Oberhoff C, Stausberg J. Ableitung von Klinischen Pfaden aus evidenzbasierten Leitlinien am Beispiel der Behandlung des Mammakarzinoms der Frau. GMS Med Inform Biom Epidemiol. 2007;3(2):Doc09. Available from: http://www.egms.de/static/en/journals/mibe/2007-3/mibe000057.shtml [15 Apr 2011] Externer Link
8.
Lenz R, Kuhn KA. Aspekte einer prozessorientierten Systemarchitektur für Informationssysteme im Gesundheitswesen. In: Dadam P, Reichert M, eds. Informatik 2004, Informatik verbindet. Band 2. Bonn: Gesellschaft für Informatik; 2004. p. 530-536.
9.
Mauro C, Leimeister JM, Krcmar H. Serviceorientierte Integration medizinischer Geräte ganzheitliche IT-Unterstützung klinischer Prozesse. Informatik Spektrum. April 2010.
10.
Sarshar K, Loos P. Klassifikation von Sprachen zur Modellierung medizinischer Behandlungspfade. In: Rebstock M, ed. Modellierung betrieblicher Informationssyteme - MobIS 2004, Proceedings zur Tagung, 10. März 2004, Essen. Bonn: Gesellschaft für Informatik; 2004. p. 43-59.