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MAINZ//2011: 56. GMDS-Jahrestagung und 6. DGEpi-Jahrestagung

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V.
Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie e. V.

26. - 29.09.2011 in Mainz

Erfahrungen mit der Entwicklung von Archetypen bei der Repräsentation des Multiple Sclerosis Functional Composite

Meeting Abstract

  • Michael Braun - Institut für Medizinische Biometrie und Medizinische Informatik, Universitätsklinikum Freiburg, Freiburg im Breisgau
  • Sebastian Mansow-Model - gfnmediber GmbH, Berlin
  • Sebastian Bischoff - gfnmediber GmbH, Berlin
  • Friedemann Paul - MS-Zentrum Charité und NeuroCure Clinical Research Center, Charité Universitätsmedizin Berlin, Berlin
  • Alexander U. Brandt - gfnmediber GmbH / MS-Zentrum Charité und NeuroCure Clinical Research Center, Charité Universitätsmedizin Berlin, Berlin
  • Martin Boeker - Institut für Medizinische Biometrie und Medizinische Informatik, Universitätsklinikum Freiburg, Freiburg im Breisgau

Mainz//2011. 56. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 6. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi). Mainz, 26.-29.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11gmds417

DOI: 10.3205/11gmds417, URN: urn:nbn:de:0183-11gmds4175

Veröffentlicht: 20. September 2011

© 2011 Braun et al.
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Gliederung

Text

Zielsetzung: Die Überprüfung der Umsetzbarkeit von medizinischen Untersuchungsprotokollen in eine lauffähige Anwendung auf Grundlage des Informationsmodells von openEHR ist die Zielsetzung dieser Arbeit. Als Szenario dient dabei der Multiple Sclerosis Functional Composite (MSFC) [1], eine Leistungsskala zur Beurteilung von Patienten mit Multiple Sklerose (MS). Dabei wird insbesondere untersucht, wie gut sich Archetypen zur Repräsentation heterogen aufgebauter medizinischer Testverfahren eignen, inwieweit der Workflow zur Erstellung von Archetypen sich als praxistauglich erweist und wie Archetypen in eine lauffähige Anwendung übertragen werden können.

Hintergründe: Um die Austauschbarkeit und Wiederverwendbarkeit von elektronischen Gesundheitsdaten zu gewährleisten, bedarf es der Etablierung standardisierter medizinischer Informationsmodelle wie der offenen Spezifikation openEHR. Der zweischichtige Ansatz von openEHR erlaubt es, einzelne klinische Konzepte in voneinander unabhängigen Informationsmodellen abzubilden (sog. Archetypen) [2], die als Bausteine von Informationssystemen syntaktische Interoperabilität und semantische Interpretierbarkeit ermöglichen [3].

Der MSFC ist ein wichtiger neurologischer Test in der MS-Diagnostik, der kognitive und motorische Fähigkeiten von Patienten erfasst. Die Ergebnisse aus drei Einzeltests werden dabei zu einem Gesamtwert verrechnet, der mit dem Schweregrad der Erkrankung korreliert.

Methoden: Die Abbildung des MSFC in der Archetype Definition Language [4] erfolgte mit dem Archetype Editor der Ocean Informatics Pty Ltd und folgte den Entwurfsprinzipien der openEHR Foundation [2]. Die Archetypen wurden in Zusammenarbeit mit dem MS-Zentrum Charité Campus Mitte konzipiert und hinsichtlich inhaltlicher Korrektheit und Vollständigkeit evaluiert. Die gfnmediber GmbH entwickelt eine Software für die häusliche Selbstdokumentation (Gesundheitsbuch), in der die dargestellten Archetypen in Formularen instanziiert werden, mit der Zielsetzung häufiger und automatischer Übertragung an den behandelnden Arzt.

Ergebnisse: Um die drei einzelnen Untersuchungen des MSFC aufzuzeichnen, wurden Archetypen vom Typ OBSERVATION entwickelt und umgesetzt: jeweils ein Archetyp für den Timed 25-Foot Walk, den Nine-Hole Peg Test und den Paced Auditory Serial Addition Test – hinzu kam ein weiterer Archetyp zur Integration in den Gesamt-MSFC. Diese wurden im Gesundheitsbuch implementiert, wobei sich möglichst flache Hierarchien in den Archetypen als vorteilhaft erwiesen.

Im Entwicklungsprozess wurde nicht immer deutlich, welches mögliche Modell sich am besten für einen bestimmten Zweck eignet, da die Archetypenmodellierung einen großen Freiraum lässt und wenig durch ein übergeordnetes Modell eingeschränkt wird. Als Herausforderung erwies sich zudem die Variabilität in der klinischen Durchführung der verschiedenen Tests.

Schlussfolgerung: In dieser Arbeit wurden erfolgreich mehrere Archetypen für komplexe neurologische Testverfahren entwickelt und prototypisch in einer Software zur Selbstdokumentation von MS-Patienten umgesetzt. Dabei erwies es sich als notwendig, eigene Designentscheidungen hinsichtlich der Struktur der Archetypen zu treffen.


Literatur

1.
Fischer JS, Jak AJ, Kniker JE, Rudick RA, Cutter G. Multiple Sclerosis Functional Composite (MSFC): Adminstration and Scoring Manual. National Multiple Sclerosis Society. 2001.
2.
Beale T, Heard S, The openEHR Foundation. Archetype Definitions and Principles. OpenEHR Release 1.0.1 vom 14.03.2007. Online verfügbar unter http://www.openehr.org/releases/1.0.1/architecture/am/archetype_principles.pdf, zuletzt geprüft am 15.04.2011. Externer Link
3.
Garde S, Knaup P, Hovenga EJS, Heard S. Towards Semantic Interoperability for Electronic Health Records: Domain Knowledge Governance for openEHR Archetypes. Methods of Information in Medicine. 2007;46(3):332-–343.
4.
Beale, T, Heard S, The openEHR Foundation. Archetype Definition Language: ADL 1.4. OpenEHR Release 1.0.2 vom 12.12.2008. Online verfügbar unter: http://www.openehr.org/releases/1.0.2/architecture/am/adl.pdf, zuletzt geprüft am 15.04.2011 Externer Link