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MAINZ//2011: 56. GMDS-Jahrestagung und 6. DGEpi-Jahrestagung

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V.
Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie e. V.

26. - 29.09.2011 in Mainz

Machbarkeitsstudie zur Signalgenerierung unerwünschter Arzneimittelwirkungen in der Deutschen Pharmakoepidemiologischen Forschungsdatenbank

Meeting Abstract

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  • Marc Suling - Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin (BIPS), Bremen

Mainz//2011. 56. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 6. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi). Mainz, 26.-29.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11gmds383

DOI: 10.3205/11gmds383, URN: urn:nbn:de:0183-11gmds3831

Veröffentlicht: 20. September 2011

© 2011 Suling.
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Gliederung

Text

Einleitung: Ziel der Studie war die Erprobung eines automatisierten Data-Mining (DM) Verfahrens zur Signalgenerierung unerwünschter Arzneimittelwirkungen auf Sekundärdaten der Deutschen Pharmakoepidemiologischen Forschungsdatenbank (GePaRD). Durch gezielte Untersuchung bereits bekannter Zusammenhänge und Vergleich der erhaltenen Risikoschätzungen mit Resultaten aus pharmakoepidemiologischen Fall-Kontroll-Studien konnten Rückschlüsse auf die Anwendbarkeit des Verfahrens gewonnen werden. Im Fokus standen hierbei Blutungen des oberen Gastrointestinaltraktes (uGI) und intrazerebrale Blutungen (ICB) unter Phenprocoumonexposition.

Material und Methoden: In die Analyse mit einer professionellen DM-Software wurden Abrechnungsdaten der Jahre 2004 bis 2006 von ca. 3,5 Millionen Versicherten aus vier deutschen Krankenversicherungen einbezogen. Durch die Ermittlung gegenüber Phenprocoumon exponierter und nicht-exponierter Personenzeit wurden geschlechts- und altersstratifizierte Inzidenzraten (IR) sowie ein bayesianisches Risikomaß (BRR) für die zwei Blutungsereignisse, bestehend aus 56 einzelnen ICD-10 Codes, berechnet. Diese Risikoschätzungen wurden mit Resultaten aus Studien von Behr et al. ([1], zusätzlich noch unveröffentlichte Resultate) verglichen, um einen Eindruck der Güte der automatisiert gewonnenen Schätzungen zu bekommen. Weiterhin wurde das Risikoprofil von Phenprocoumon bezüglich der untersuchten Blutungsereignisse in Hinblick auf den zeitlichen Abstand zwischen Expositionsbeginn und Auftreten des Zielereignisses beleuchtet.

Ergebnisse: Durch niedrige Fallzahlen in der Altersgruppe <50 streuen die Risikoschätzungen über ein weites Spektrum, insbesondere bei ICB (uGI (female/male): IR=7.1/8.4, BRR=2.6/4.1; ICB (f/m): IR=10.1/24.5, BRR=1.4/2.8), für höhere Altersgruppen fokussieren sich die Ergebnisse deutlich (80+ Jahre: uGI (f/m): IR=1.4/2.1, BRR=1.3/2.1; ICB (f/m): IR=2.3/3.1, BRR=2.1/2.6). Auffällig ist eine gute Übereinstimmung des - bis auf Stratifizierung unadjustiertem - bayesianischen Maß mit dem voll adjustierten OR aus den Fall-Kontroll Studien (z.B. 70-79 Jahre: uGI (f/m): BRR=2.6/2.2, OR=2.9/1.8; ICB: BRR=2.6, OR=3.0).

Diskussion/Schlussfolgerungen: Insgesamt ergibt sich für die untersuchte Dosis-Wirkungs-Relation der Eindruck, dass DM-Verfahren einen wertvollen Beitrag zur Ermittlung des Risikoprofils eines Arzneimittel liefern können. Dabei hat es im vorliegenden Beispiel den Anschein, dass ein möglicher Einfluss von Kovariablen weitgehend durch die Alters- und Geschlechtsstratifizierung kontrolliert wird. Weitere Forschung zu DM-Verfahren in Situationen, in denen Confounding nicht einfach durch Stratifizierung berücksichtigt werden kann ist nötig. Darüber hinaus scheint eine Ausweitung auf andere Wirkstoff-Ereignis-Kombinationen lohnenswert.


Literatur

1.
Behr S, Andersohn F, Garbe E. Risk of intracerebral hemorrhage associated with phenprocoumon exposure. Pharmacoepidemiol Drug Saf. 2010;19(7):722-730.