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MAINZ//2011: 56. GMDS-Jahrestagung und 6. DGEpi-Jahrestagung

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V.
Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie e. V.

26. - 29.09.2011 in Mainz

„Demenz“ in der Allgemeinarztpraxis – Ergebnis einer Befragung aller Hausärzte in MV

Meeting Abstract

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  • Jochen René Thyrian - Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), Greifswald
  • Konstanze Fendrich - Institut für Community Medicine, Universität Greifswald, Greifswald
  • Wolfgang Hoffmann - Institut für Community Medicine, Universität Greifswald, Greifswald

Mainz//2011. 56. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 6. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi). Mainz, 26.-29.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11gmds273

DOI: 10.3205/11gmds273, URN: urn:nbn:de:0183-11gmds2731

Veröffentlicht: 20. September 2011

© 2011 Thyrian et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Die Versorgung an Demenz erkrankter Personen ist eine Herausforderung für das Gesundheitssystem. Dabei führt der demografische Wandel, besonders in Mecklenburg-Vorpommern, zu einer Zunahme an altersassoziierten Erkrankungen. Gleichzeitig droht eine Unterversorgung mit Fach- und Pflegepersonal. Es existieren Schätzungen über die Anzahl der an Demenz erkrankten Menschen in der Bevölkerung. Diese beruhen jedoch auf stark selektierten Stichproben oder auf Sekundärdaten, die in ihrer Aussagekraft erheblich eingeschränkt sind. Zudem fehlen Informationen über die ärztliche Versorgung an Demenz erkrankter Personen.

Fragestellung: Wie stellt sich die Versorgung an Demenz erkrankter Personen in der Allgemeinarztpraxis in Mecklenburg-Vorpommern (MV) dar?

Methode: Auf Grundlage der Adressverzeichnisse der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) und der Ärztekammer (ÄK) wurden alle niedergelassen tätigen Hausärzte (n=1.109) angeschrieben und um Teilnahme an der Studie zur Erfassung der primärztlichen Versorgung von Demenzpatienten gebeten. Im Rahmen des standardisierten Fragebogens wurden Daten erhoben zu (a) dem niedergelassenen Hausarzt, (b) der Praxis (Anzahl Patienten pro Quartal, Anzahl Demenzpatienten pro Quartal), (c) der Behandlung an Demenz erkrankter Personen (Leitlinien, Screening-/ Testverfahren), (d) Wissen, Einstellung und Kompetenz bzgl. Demenz (e) Vorschlägen zur Verbesserung der Versorgung. An der Befragung nahmen n=335 (31%) der angeschriebenen Hausärzte teil.

Ergebnisse: Nahezu alle Hausärzte (99.7%) behandeln Menschen mit Demenz, wobei dies durchschnittlich 28 pro Praxis sind. In unserem Sample sind 5,2% der Patienten pro Praxis Menschen mit Demenz. Die Hälfte dieser Patienten lebt zu Hause, die andere Hälfte in Pflegeheimen. Die Summe der Patienten, die pro Quartal von den teilnehmenden Hausärzten behandelt wird ist n=12.587. Zwischen 50% und 75% der teilnehmenden Hausärzte verwenden ein Screeningverfahren (MMST, DEMTECT, Uhrzeichentest) bei Verdacht auf eine Demenz. Das am meisten verbreitete Verfahren ist der Uhrzeichentest. Die Einstellung gegenüber Diagnose und Behandlung der Patienten ist positiv, während die wahrgenommene Kompetenz auf diesem Gebiet geringer eingeschätzt wird. Lediglich 18,8% geben an, sehr zufrieden mit ihrer Kompetenz zu sein. Größten Handlungsbedarf zur Verbesserung der Versorgung an Demenz erkrankter Menschen sehen die Hausärzte in der Aufhebung der Budgetierung. 86% der Hausärzte gaben darüber hinaus an, dass mehr Zeit für den Patienten und den Angehörigen zur Verfügung stehen müsse, die sie gegenwärtig nicht haben.

Diskussion: Die Versorgung an Demenz erkrankter Menschen ist ein für alle Hausärzte relevantes Thema, wobei die Mehrheit der Hausärzt nur eine relativ geringe ANzahl betroffener Patienten betreut. Das Thema wird für die hausärztliche Tätigkeit als wichtig eingestuft, wobei die wahrgenommene eigene Kompetenz verbesserungsfähig erscheint. Diese Querschnittsuntersuchung liefert wertvolle Hinweise zur Verbesserung der Versorgung, die in neuen Versorgungskonzepten für Demenzerkrankte berücksichtigt werden sollten.