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MAINZ//2011: 56. GMDS-Jahrestagung und 6. DGEpi-Jahrestagung

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V.
Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie e. V.

26. - 29.09.2011 in Mainz

Cluster – Möglichkeiten und Grenzen von Krebsregisterdaten bei der Beurteilung von Krebsclustern – Das Beispiel Wewelsfleth

Meeting Abstract

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  • Ron Pritzkuleit - Institut für Krebsepidemiologie, Lübeck
  • Alexander Katalinic - Institut für klinische Epidemiologie, Lübeck

Mainz//2011. 56. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 6. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi). Mainz, 26.-29.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11gmds218

DOI: 10.3205/11gmds218, URN: urn:nbn:de:0183-11gmds2188

Veröffentlicht: 20. September 2011

© 2011 Pritzkuleit et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Eine wesentliche Aufgabe epidemiologischer Krebsregister ist die Beurteilung verdächtiger Häufungen von Krebsfällen. Am Beispiel der Gemeinde Wewelsfleth (Schleswig-Holstein), der Nachbargemeinde eines Atomkraftwerkes (Brokdorf), soll gezeigt werden, welche Analysen standardmäßig bei Anfragen dieser Art durchgeführt werden, welche zusätzlichen Analysen darüber hinaus mit Krebsregisterdaten möglich sind, wenn tatsächlich eine Häufung von Erkrankungsfällen gefunden wird, welche Probleme sich ergeben können und wo die Grenzen der Ursachenforschung liegen. Dabei wird sowohl auf methodische als auch auf Aspekte der Risikokommunikation eingegangen.

Methoden: Es handelt sich um einen Erfahrungsbericht, in dem die üblichen Methoden (Standardisierung, SIR/SMR) verwendet wurden. Untersucht wurden die Gemeinde und das übergeordnete Amt. Neben der Beurteilung, ob eine Häufung von Erkrankungsfällen vorliegt, wurde auch mehrere möglichen Ursachen für die Häufung mit Krebsregisterdaten beurteilt.

Ergebnisse: Für die Gemeinde Wewelsfleth (ca. 1.500 Einwohner) sind für den Zeitraum 1998-2007 insgesamt 128 bei erwarteten 87,7 Krebsneuerkrankungen(C00-C96 ohne C44) registriert (SIR = 1,46; KI: 1,22-1,74). Die Erhöhung ist unspezifisch, d.h. nicht auf eine Tumorart zurückzuführen. Bei Ausschluss von Früherkennungstumoren bleibt eine Erhöhung bestehen (SIR=1,37; KI: 1,06-1,74), Leukämien & Lymphome als Index-Tumoren für radioaktive Emission sind nicht erhöht (SIR=0,88; KI:0,32-1,92), bei Ausschluss von tabakassoziierten Tumorarten (als Indikator für Lebensstilfaktoren) bleibt eine Erhöhung bestehen (SIR=1,43; KI:1,14-1,75). Weder die Krebssterblichkeit (SMR= 1,03; KI: 0,72-1,42) noch die Sterblichkeit insgesamt (SMR=0,92; KI: 0,77-1,10) weist eine Häufung auf. Für das übergeordnete Amt (ca. 7.500 Einwohner) und damit für die Nachbargemeinden ist keine gehäufte Krebsinzidenz festzustellen (SIR: 1,01; KI: 0,92-1,11).

Diskussion: Die Feststellung einer Häufung von Krebsfällen in einem Gebiet ist mit Hilfe von Krebsregisterdaten schnell möglich. Problematisch ist die sich anschließende Frage nach dem Warum, wenn eine Häufung festgestellt wurde. Bis zu einem gewissen Grad können mit Krebsregisterdaten auch möglichen Ursachen diskutiert werden. Ein Beweis in Form einer Ursache-Wirkungs-Beziehung kann aber nicht erbracht werden. Die Risikokommunikation stellt in solchen Fällen zum einen eine besondere Herausforderung dar und ist zum anderen gleichzeitig beeinflussender Faktor – z.B. in Form einer verstärkt in Anspruch genommen Krebsfrüherkennung (Im Jahr 2007, dem Jahr des ersten Berichtes des Krebsregisters, wurden 7 der 25 Prostatakarzinome diagnostiziert.)