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MAINZ//2011: 56. GMDS-Jahrestagung und 6. DGEpi-Jahrestagung

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V.
Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie e. V.

26. - 29.09.2011 in Mainz

Sturzprävention in der Häuslichkeit – Durchführbarkeit und Akzeptanz bei Patienten der AGnES-Projekte

Meeting Abstract

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  • Claudia Meinke - Institut für Community Medicine, Abt. Versorgungsepidemiologie und Community Health, Universitätsmedizin Greifswald, K.d.ö.R., Greifswald
  • Neeltje van den Berg - Institut für Community Medicine, Abt. Versorgungsepidemiologie und Community Health, Universitätsmedizin Greifswald, K.d.ö.R., Greifswald
  • Wolfgang Hoffmann - Institut für Community Medicine, Abt. Versorgungsepidemiologie und Community Health, Universitätsmedizin Greifswald, K.d.ö.R., Greifswald

Mainz//2011. 56. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 6. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi). Mainz, 26.-29.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11gmds151

DOI: 10.3205/11gmds151, URN: urn:nbn:de:0183-11gmds1512

Veröffentlicht: 20. September 2011

© 2011 Meinke et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Stürze gehören zu den häufigsten und auch bedeutsamsten gesundheitlichen Problemen älterer Menschen [1]. Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) sieht im Erkennen von Sturzgefährdung und nachlassender physischer Leistungsfähigkeit eine wichtige hausärztliche Leistung [2]. Im Rahmen der AGnES-Projekte (2006–2008) wurde ein IT-gestütztes Interventionsmodul zur Sturzprävention in der Häuslichkeit von Hausbesuchspatienten entwickelt und erprobt.

Material und Methoden: Wesentlicher Bestandteil der Sturzprävention im AGnES-Konzept war die strukturierte Ermittlung und standardisierte Dokumentation krankheitsspezifischer Risikofaktoren für Stürze, vorhandener Gefahrenquellen für Stürze in der Häuslichkeit der Patienten und das Aussprechen von daraus abgeleiteten individuellen Empfehlungen zur häuslichen Sturzprävention. Die Umsetzung der Empfehlungen durch den Patienten wurde in konsekutiven Hausbesuchen strukturiert überprüft. Alle Ergebnisse wurden computergestützt dokumentiert. Mittels multipler binärer logistischer Regressionsanalysen wurden Einflussfaktoren auf die Durchführbarkeit und Akzeptanz der einzelnen sturzpräventiven Maßnahmen untersucht (zwei Modelle: A und B). Patienten wurden hierbei als adhärent angesehen, wenn sie mindestens 50% der Empfehlungen umgesetzt haben.

Ergebnisse: Insgesamt 547/1276 Patienten der AGnES-Projekte, in denen das Modul Sturzprävention angeboten wurde, haben daran teilgenommen, davon 510 mit Wohnraumbegehung. Davon erhielten 89,9% (N=492/547) personenbezogene Empfehlungen zur Sturzprävention, deren Umsetzung bei 86,0% (N=423/492) in Folgebesuchen überprüft wurde. Bei 76,3% (N=389/510) der Patienten mit Wohnraumbegehung wurden häusliche Gefahrenquellen für Stürze vorgefunden, deren Beseitigung bei 86,6% (N=337/389) überprüft wurde. Als statistisch signifikante Einflussfaktoren auf die Umsetzung der Empfehlungen zeigten sich bei den personenbezogenen Empfehlungen (Modell-A) bzw. den Empfehlungen zur Beseitigung vorgefundener Gefahrenquellen (Modell-B): vorhandene Mobilitätseinschränkungen (Referenz: keine Mobilitätseinschränkungen, OR=3,69; p=0,006 (Modell-A) bzw. OR=2,43; p=0,004 (Modell-B)) und das Vorhandensein von ≥5 potentiellen Gefahrenquellen (Referenz: 1–2 vorhandene Gefahrenquellen, OR=0,35; p=0,006 (Modell-B)). Nichtsignifikante positive Einflussfaktoren waren ein guter subjektiver Gesundheitszustand zu t0 (Modell-A+B), das Zusammenleben mit mindestens einer weiteren Person (Modell-A+B), 3–4 erhaltene Empfehlungen (Modell-A+B), eine positive Sturzanamnese (Modell-A), ≥4 Überprüfungen (Modell-A), ≥176 Tage zwischen Durchführung und letzter Überprüfung der Sturzprävention (Modell-B). Das weibliche Geschlecht war mit einem erhöhten Risiko verbunden, die Empfehlungen nicht umzusetzen (Modell-A+B), ebenso eine vorhandene positive Sturzanamnese für die Beseitigung vorgefundener Gefahrenquellen (Modell-B).

Diskussion: Die Etablierung der Maßnahmen zur Sturzprävention und Verhinderung sturzbedingter Folgen im Versorgungskonzept AGnES stellt eine effektive Möglichkeit dar, sturzpräventive Maßnahmen in einer zunehmend alternden und multimorbiden Bevölkerung zu etablieren. AGnES-Delegationskräfte können dazu beitragen, dem steigenden Präventionsbedarf gerecht zu werden. Die Implementierung dieser Maßnahmen in den ambulant-medizinischen Versorgungsalltag des deutschen Gesundheitssystems sollte geprüft werden. Die multiple Analyse der Einflussfaktoren auf die Durchführbarkeit und Akzeptanz einer strukturierten häuslichen Sturzprävention zeigt erfolgversprechende Handlungsansätze auf.


Literatur

1.
Kannus P, Sievanen H, Palvanen M, Jarvinen T, Parkkari J. Prevention of falls and consequent injuries in elderly people. Lancet. 2005;366(9500):1885-1893.
2.
Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). DEGAM-Leitlinie Nr. 4: Ältere Sturzpatienten. Düsseldorf: Omicron Publishing; 2004.