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MAINZ//2011: 56. GMDS-Jahrestagung und 6. DGEpi-Jahrestagung

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V.
Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie e. V.

26. - 29.09.2011 in Mainz

Demenz in Deutschland – regionale Variation in Prävalenz und Inanspruchnahme

Meeting Abstract

  • Daniela Koller - Universität Bremen, Bremen
  • Marion Eisele - UKE, Hamburg
  • Gerhard Schön - UKE, Hamburg
  • Birgitt Wiese - MHH, Hannover
  • Gerd Glaeske - Universität Bremen, Bremen
  • Hendrik van den Bussche - UKE, Hamburg

Mainz//2011. 56. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 6. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi). Mainz, 26.-29.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11gmds145

DOI: 10.3205/11gmds145, URN: urn:nbn:de:0183-11gmds1451

Veröffentlicht: 20. September 2011

© 2011 Koller et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Besonders durch den demographischen Wandel werden Demenzerkrankungen zukünftig für das Gesundheitssystem sowie für die Gesellschaft weiter an Bedeutung gewinnen. Die gesellschaftliche Alterung geschieht allerdings regional unterschiedlich schnell, so dass bei der Versorgung von Demenzpatienten lokale Faktoren kleinräumig beachtet werden sollten, um den Zugang zur Versorgung und deren Qualität besser planbar machen zu können. Es gibt einige wenige Studien in Deutschland, die auf regionale Unterschiede im Gesundheitswesen hinweisen, allerdings selten die Komplexität der möglichen individuellen und kontextuellen Einflüsse berücksichtigen.

Methoden: Grundlage der Analyse bilden die Daten der Gmünder ErsatzKasse (jetzt Barmer GEK) der Jahre 2004 bis 2009. Um regionale Aussagen treffen zu können, wurden die Versicherten mit Hilfe von Daten der Deutschen Post Landkreisen zugeordnet. Alle Personen ab einem Alter von 65 Jahren flossen in die Auswertung ein. Für 2006 wurde die Prävalenz auf Kreisebene bestimmt, um regionale Differenzen aufzeigen zu können. Zusätzlich wird die Inanspruchnahme der Demenzpatienten im ambulanten Bereich betrachtet. Mit der Berechnung von Multi-Level-Modellen wurden Zusammenhänge. Hierfür wurden Informationen wie Ärztedichte bzw. soziodemographische Informationen der jeweiligen Landkreise und kreisfreien Städte hinzugezogen, sodass neben den Daten der Krankenkasse und der Deutschen Post auch Daten des Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung gemeinsam ausgewertet wurden. Die statistischen Analysen wurden mit SAS (Version 9.2) durchgeführt, die regionale Auswertung mit dem Geographischen Informationssystem ArcGIS 10.0.

Ergebnisse: Mit der verwendeten Datenbasis (ca. 150.000 Personen über 65 Jahre im Jahr 2006, über 5000 mit Demenzdiagnose) können Aussagen auf Kreisebene getroffen werden. Bei der Prävalenz von Demenzerkrankungen zeigen sich starke regionale Differenzen. Während in anderen Studien gezeigt wurde, dass die Prävalenz in den neuen Bundesländern höher ist, kann dieser Effekt in dieser nicht so stark aufgezeigt werden, wenn man die Kreisebene betrachtet. Ein starker Stadt-Land-Unterschied ist nicht offensichtlich, jedoch variiert die Inanspruchnahme von Spezialisten stark zwischen städtischen und ländlichen Regionen.

Die ersten Ergebnisse der Multi-Level-Analyse weisen darauf hin, dass auch regionale Faktoren wie die Alterszusammensetzung im Landkreis oder die Ärztedichte einen Einfluss haben können.

Schlussfolgerung: Kleinräumige Analysen, vor allem unter Berücksichtigung nicht nur individueller, sondern auch aggregierter Daten, können die Planung künftiger Versorgung erleichtern. Die Kombination von Multi-Level-Analysen, epidemiologischen und geographischen Methoden können neue Interpretationen gesundheitsbezogener Daten ermöglichen und bieten neue Wege für die Gesundheitswissenschaften und Epidemiologie.