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MAINZ//2011: 56. GMDS-Jahrestagung und 6. DGEpi-Jahrestagung

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V.
Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie e. V.

26. - 29.09.2011 in Mainz

Ermittlung der klinikspezifischen Ergebnisqualität von Neu- und Frühgeborenen mit sehr niedrigem Geburtsgewicht (VLBWs) auf der Basis von Routine- und Qualitätssicherungsdaten

Meeting Abstract

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  • Günther Heller - AQUA-Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen, Göttingen

Mainz//2011. 56. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 6. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi). Mainz, 26.-29.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11gmds136

DOI: 10.3205/11gmds136, URN: urn:nbn:de:0183-11gmds1369

Veröffentlicht: 20. September 2011

© 2011 Heller.
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Gliederung

Text

Einleitung/Hintergrund: Die Versorgung von Früh- und Neugeborenen mit stark erniedrigtem Geburtsgewicht (VLBWs) durch speziell ausgestatte Kliniken ist in Deutschland durch verschiedene verpflichtende Beschlüsse und Vereinbarungen geregelt. Beispielsweise müssen aktuell Level 1 und 2 Kliniken ihre Ergebnisqualität auf der Basis der bisherigen Neonatalerhebungen der Öffentlichkeit im Internet transparent machen [1]. Allerdings bestehen deutliche Hinweise darauf, dass ein zentraler Endpunkt der Ergebnisqualität, namentlich die Sterblichkeit dieser Neugeborenen in den bis 2010 freiwilligen und auf Länderebene angesiedelten Neonatalerhebungen, relevant unterdokumentiert ist [2]. Es wurde daher nach einer Möglichkeit gesucht die Ergebnisqualität der Versorgung von VLBWS auf der Basis von Abrechnungsdaten darzustellen.

Material und Methoden: Dazu wurden bundesweite Abrechnungsdaten von VLBWs mit einem Entlassungsdatum in den Jahren 2004-2009, einen Aufnahmegewicht von 300-1499g und einem Alter von 0-1 Tagen analysiert. Kinder mit einer kongenitalen Anomalie wurden ausgeschlossen. Endpunkt der Analyse war die Sterblichkeit innerhalb von 30 Tagen nach Aufnahme. Es wurde ein Prognosemodell auf der Basis von kategorisiertem Aufnahmegewicht, Geschlecht und weiteren als relevant identifizierten Begleiterkrankungen entwickelt. Anschließend wurde dieses Modell genutzt, um klinikspezifische risikoadjustierte Sterblichkeiten zu berechnen.

Ergebnisse: Es wurden Daten von 16.607 VLBWs aus insgesamt 387 Kliniken analysiert. Die c- Statistik des Prognosemodells betrug 0.845, der Hosmer-Lemeshow-Test 0,83. Eine durchgeführte Berechnung von klinikspezifischen Standardisierten Mortalitäts Ratios für 132 Kliniken die mindestens 30 VLBWs < 1250g behandelt hatten, zeigten ein Minimum von 0,18 und ein Maximum von 2,19. Zehn dieser 132 Kliniken zeigten gemäß einer Berechnung von 95% Konfidenzintervallen eine bedeutsame Erhöhung der Sterblichkeit.

Diskussion/Schlussfolgerungen: In der vorgestellten Arbeit wurde die Möglichkeit der Berechnung von risikoadjustierten Sterblichkeiten auf der Basis von Routinedaten demonstriert. Dabei kann innerhalb der Routinedaten von eine nahezu vollständige Dokumentation der behandelten Kinder ausgegangen werden, schon weil die Vergütung der Krankenhäuser, in der Größenordnung von etwa 50.000-100.000 €, von dieser Dokumentation abhängt. Daher wird für die Weiterentwicklung der o. g. Veröffentlichungen der klinikspezifischen Ergebnisqualität empfohlen, die Ergebnisqualitätsmessung auf Basis der Neonatalerhebungen, durch Analysen auf Basis von Routinedaten sinnvoll zu ergänzen bzw. zu validieren.


Literatur

1.
G-BA 2009. Vereinbarung des Gemeinsamen Bundesausschusses über Maßnahmen zur Qualitätssicherung der Versorgung von Früh- und Neugeborenen vom 20. September 2005. Bundesanzeiger. 2005;205:15684, in Kraft getreten am 1. Januar 2006, zuletzt geändert am 19. Februar 2009, veröffentlicht im Bundesanzeiger 2009, Nr. 76, S.1794 vom 26.05.2009, in Kraft getreten am 27. Mai 2009
2.
Hummler HD, Poets C. Mortalität sehr unreifer Frühgeborener – Erhebliche Diskrepanz zwischen Neonatalerhebung und amtlicher Geburten-/Sterbestatistik. Z Geburtshilfe Neonatol. 2011;215(1):10-17.
3.
Heller G. Ermittlung der klinikspezifischen Ergebnisqualität der Behandlung von Früh- und Neugeborenen mit sehr niedrigem Geburtsgewicht (VLBWs) auf der Basis von Routinedaten. In: Klauber J, Geraedts M, Friedrich J, Wasem J, Hrsg. Krankenhaus-Report 2011. Stuttgart/New York: Schattauer; 2011. S. 39-47.