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MAINZ//2011: 56. GMDS-Jahrestagung und 6. DGEpi-Jahrestagung

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V.
Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie e. V.

26. - 29.09.2011 in Mainz

Ein Vergleich zweier Methoden zur Ermittlung von Todesursachen in Burkina Faso

Meeting Abstract

  • Eva Lorenz - Institut für Public Health, Universitätsklinikum Heidelberg, Heidelberg
  • Johanna C Rankin - Institut für Public Health, Universitätsklinikum Heidelberg, Heidelberg
  • Edward Fottrell - Umeå Centre for Global Health Research, Department of Public Health and Clinical Medicine, Umeå University, Umeå, Sweden
  • Maurice Yé - Centre de Recherche en Santé de Nouna, Nouna, Burkina Faso
  • Ali Sié - Centre de Recherche en Santé de Nouna, Nouna, Burkina Faso
  • Peter Byass - Umeå Centre for Global Health Research, Department of Public Health and Clinical Medicine, Umeå University, Umeå, Sweden
  • Heiko Becher - Institut für Public Health, Universitätsklinikum Heidelberg, Heidelberg
  • Heribert Ramroth - Institut für Public Health, Universitätsklinikum Heidelberg, Heidelberg

Mainz//2011. 56. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 6. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi). Mainz, 26.-29.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11gmds122

DOI: 10.3205/11gmds122, URN: urn:nbn:de:0183-11gmds1225

Veröffentlicht: 20. September 2011

© 2011 Lorenz et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: In vielen Entwicklungsländern ereignet sich der Großteil der Todesfälle außerhalb medizinischer Einrichtungen. Für diese Länder bietet die sog. Verbale Autopsie (VA), eine gute und häufig die einzige Möglichkeit aufgetretene Todesfälle zu dokumentieren und Todesursachenstatistiken zu erstellen. Hierfür werden vor Ort Interviews mit den nächsten Angehörigen der Verstorbenen durchgeführt, um Symptome zur Bestimmung der wahrscheinlichsten Todesursache zu dokumentieren. Bei der am meisten verbreiteten Methode zur Todesursachenbestimmung kodieren bis zu drei lokale Ärzte unabhängig voneinander das Interview (z.B. ICD-10). Können sich nicht mindestens zwei der Ärzte auf eine gemeinsame Todesursache einigen, so ist die Todesursache unbestimmt. Alternativ dazu lassen sich mathematische Algorithmen zur Todesursachenbestimmung einsetzen, z.B. das InterVA Modell [1] (Interpretation der VA), dem das Bayestheorem zugrunde liegt. Das Modell wird bereits in vielen Entwicklungsländern angewandt [2]. Ziel dieser Studie ist ein Vergleich der Todesursachendiagnosen, welche einerseits von Ärzten codiert, sowie alternativ mit Hilfe des InterVA Modells ermittelt wurden. Als Informationsgrundlage diente ein französischer VA Fragebogen, der in der Region Nouna im ländlichen Nordwesten Burkina Fasos angewandt wurde.

Methoden: Für unsere Analysen wurden 5.649 elektronisch verfügbare VA Fragebögen der Jahre 1998 bis 2007 aus dem Bevölkerungsregister Nouna [3] verwendet, welche von ortsansässigen Ärzten bewertet wurden. Informationen für die für das InterVA Modell benötigten Indikatoren, wurden dem VA Fragebogen entnommen. Als Vergleichsmaß wurden Kappa-Statistiken und die prozentualen Verteilungen der Todesursachen (CSMFs) [4] berechnet.

Ergebnisse: Die Ergebnisse des InterVA Modells stimmen auf dem Populationslevel zu 62.4% mit den Ärztediagnosen überein. Für die Entscheidungsträger der Gesundheitspolitik bieten die Ergebnisse somit eine gute Grundlage, da die häufigsten Todesursachen beider Methoden aufgezeigt werden. Die Prozentsätze der Todesursachen zeigen allerdings teilweise starke Diskrepanzen auf, welche vornehmlich von einer erhöhten Anzahl an Malariadiagnosen auf Seiten der Ärzte dominiert werden. Die Übereinstimmung zwischen den wahrscheinlichsten Ursachen des Modells und den finalen Todesursachen der Ärzte liegt bei 30.7%, mit einem Kappa von 0.23 (95% Konfidenzintervall: 0.22-0.24).

Diskussion: Unsere Ergebnisse verdeutlichen, dass auf VA basierende nationale Todesstatistiken vorsichtig interpretiert werden müssen, da weder PCVA noch InterVA Ergebnisse einen Gold-Standard repräsentieren. Weitere Analysen zur Validierung dieser Ansätze sind geplant. Zur Reduzierung des Anteils der unbestimmten Diagnosen wird seit 2008 jeder Fall, dem 3 unterschiedliche Todesursachen zugeordnet werden, im Ärztegremium gemeinsam diskutiert. Um die Datenqualität zwischen Bevölkerungsregistern zu vereinheitlichen sowie die Anwendung der InterVA Software zu vereinfachen, wird ab Mitte 2011 ein INDEPTH Standardfragebogen in Burkina Faso verwendet.


Literatur

1.
Byass P, Huong DL, Van Minh H. A probabilistic approach to interpreting verbal autopsies: methodology and preliminary validation in Vietnam. Scandinavian Journal of Public Health. 2003;31(0):32-7.
2.
INDEPTH Netzwerk. http://www.indepth-network.org/ Externer Link
3.
Sié A, et al. The Health and Demographic Surveillance System (HDSS) in Nouna, Burkina Faso, 1993–2007. Global Health Action. 2010;3(0).
4.
Fottrell E, et al. Mortality measurement in transition: proof of principle for standardised multi-country comparisons. Tropical Medicine & International Health. 2010;15(10):1256-65.