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MAINZ//2011: 56. GMDS-Jahrestagung und 6. DGEpi-Jahrestagung

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V.
Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie e. V.

26. - 29.09.2011 in Mainz

Verlauf- und Prä-Post-Analyse der Inanspruchnahme von medizinischen Versorgungsleistungen bei Teilnehmern eines Präventionsprojektes (AGil) im Vergleich zu zwei Vergleichsgruppen

Meeting Abstract

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  • Dorothea Thomas - Institut für Sozialmedizin und Gesundheitsökonomie (ISMHE), Magdeburg
  • Enno Swart - Institut für Sozialmedizin und Gesundheitsökonomie (ISMHE), Magdeburg

Mainz//2011. 56. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 6. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi). Mainz, 26.-29.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11gmds120

DOI: 10.3205/11gmds120, URN: urn:nbn:de:0183-11gmds1203

Veröffentlicht: 20. September 2011

© 2011 Thomas et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Das Programm "Aktive Gesundheitsförderung im Alter" (AGil) setzt auf eigenverantwortliche Selbstbestimmung (Empowerment) und fokussiert auf drei Bereiche (körperlicher Aktivität, Ernährung, soziale Teilhabe). Es wurde realisiert im Rahmen eines Modellprojekts zur Integrierten Versorgung (IV) - Gesundes Kinzigtal. Der Erfolg der Intervention sollte sich in einer positiven Entwicklung der Inanspruchnahme der AGil-Teilnehmer im Vergleich zu zwei Vergleichsgruppen äußern.

Daten und Methoden: Datengrundlage der Untersuchung sind die Routinedaten aller 10.118 Versicherten der AOK Baden-Württemberg (55+ Jahre) mit Wohnort im Kinzigtal aus den Jahren 2004 bis II.Quartal/2009. Die Sekundärdaten decken alle Versorgungssektoren der Gesetzlichen Krankenversicherungsträger ab und umfassen einen Zeitraum von ca. 3 Jahre vor bis 1,5-2,5 Jahre nach der Intervention. Die Evaluation wird anhand relevanter Indikatoren der Inanspruchnahme und spezifischer interventionsbezogener Krankheitsindikatoren durchgeführt. Art, Form und Verlauf der Inanspruchnahme von medizinischen Versorgungsleistungen wird bei den AGil-Teilnehmern vor und nach der Intervention (Prä-Post-Analyse) untersucht und dann verglichen mit a) der Gruppe der Nicht-Teilnehmer (die aber IV-Teilnehmer sein können) und b) einer zweiten Vergleichsgruppe nicht eingeschriebener AOK-Versicherter.

Ergebnisse: Die ambulante und stationäre Inanspruchnahme sowie die Arzneimittelverordnungen steigen bei der Gesamtheit der AGil-Teilnehmer und den beiden Kontrollgruppen über den Beobachtungszeitraum kontinuierlich an. Standardisiert nach Alter und Geschlecht weisen die AGil-Teilnehmer die geringsten Zahlen bei den meisten Indikatoren der Inanspruchnahme auf. Diese positive Entwicklung der Inanspruchnahme bei den AGil-Teilnehmern auf die Intervention zurückzuführen erscheint aufgrund der geringen Fallzahlen nicht gerechtfertigt. Bei Betrachtung nach ausgewählten Krankheiten, ICD-Kapiteln und Indikationsgruppen werden Unterschiede erkennbar. Die Behandlungsprävalenz bleibt allerdings im Prä-Post-Zeitraum nahezu unverändert; lediglich bei Adipositas ist ein deutlicher Rückgang zu beobachten. Bei der Interpretation der Ergebnisse ist zu berücksichtigen, dass Routinedaten bezüglich ihrer Informations- und Aussagekraft Grenzen aufweisen. Ihre Nutzbarkeit und Qualität ist abhängig von vielen Faktoren, die sich während des Evaluationszeitraums ändern können. So werden z.B. Auswirkungen der Intervention auf die Inanspruchnahme durch unterschiedliche Behandlungsstandards oder Effekte neuer Kodierungs- und Abrechnungsregeln überlagert. Weiterhin muss bei der Evaluation des AGil-Projektes neben den eigenen Rahmenbedingungen auch die Merkmale des IV-Projektes berücksichtigt werden.

Diskussion: Die Evaluation eines Interventionsprojektes mittels Sekundärdaten bietet zahlreiche Chancen, wirft bei der konkreten Realisierung der Datenauswertung teilweise Probleme auf, die beim Studiendesign und der Interpretation der Ergebnisse beachtet werden müssen. Um das AGil-Programm statistisch valide hinsichtlich der Inanspruchnahme von Versorgungsleistungen zu evaluieren, wären eine größere Datenbasis, mehr harte Ergebnisindikatoren und eine längere Programm- und Evaluationsdauer notwendig.